Full text: Hessenland (16.1902)

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geschrieben hat, und Herr Direktor Henkel gab 
Erörterungen über die Familie von Oeynhausen 
und sodann über die Familie von Donop. — 
Herr General Eisentraut hielt ferner einen 
Bortrag, in welchem das Elend geschildert wurde, 
welches der siebenjährige Krieg über Oberhessen 
gebracht hatte und zwar nicht einmal von Seiten 
der Feinde, sondern durch die befreundeten engli 
schen Truppen, welche, nach einem eingehenden 
Bericht des Amtsschultheißen Niemenschneider in 
Rauschenberg, in der empörendsten Weise hausten. 
Erst der Hnbertusburger Friede machte diesen Drang 
salen ein Ende. — So schlossen die so beliebten 
Unterhaltungsabende des Geschichtsvereins mit sehr 
interessanten Ausführungen, die auf das anregendste 
wirkten. — 
Universitätsnachrichten. Der Bibliothekar 
an der Königlichen Bibliothek zu Berlin Di-. Alfred 
Schulze ist in gleicher Eigenschaft unter Bei 
legung des Titels „Ober-Bibliothekar" an die 
Universitäts-Bibliothek in Marburg verseht worden. 
— Der Universitäts-Professor Dr. von Drach in 
Marburg ist zum Bezirks-Konservator des Re 
gierungsbezirks Kassel bestellt worden. 
Fulda er Erinnerung. „Prinz Fried 
rich Wilhelm v o n A r d e ck, welcher am 1. April 
d. I. in Warmbrnnn ans dem Leben schied," 
schreibt ein geschätzter Mitarbeiter des „Hessenland", 
„ist nicht zu Offenbach, sondern in Fulda geboren. 
Den Eltern, dem Prinzen Wilhelm von Hessen- 
Philippsthal-Barchseld und der Prinzessin Marie 
von Hanau, war nach ihrer Vermählung vom 
Kurfürsten der südliche Borderflügel des Fnldaer 
Schlosses zur Wohnung überwiesen worden. Ter 
kleine Prinz hatte eine Frau aus Großenlüder als 
Amme bekommen, welche ihn sehr stolz herumtrug. 
In einer Gesellschaft von „Kolleginnen" und Kinder 
mädchen, die im Schloßgarten bei schönem Wetter 
mit ihren Pflegebefohlenen Staat machten, that 
nun die Prinzenamme, als eine jede das schönste 
Kind haben wollte, den gelungenen Dialektaussprnch: 
„Onser Kuiz is doch von all' de Kiz der schönst 
Kurz." Kauz = Kuiz (plur. Kiz) bezeichnet im 
Fnldaer Dialekt jedwede männliche Persönlichkeit, 
alt und jung." 
Beitrag zur hessischen Familiengeschichte. 
Die seltene Feier des 90. Geburtstages begeht am 
13. Mai zu Berlin eine alte Hessin, die verwitwete 
Frau Kanzleirat Wilhelmine Wagner, geb. 
Colin. Sie wurde 1812 zu Hanau als älteste 
Tochter des Bijouterie-Fabrikanten Charles Colin 
und seiner Ehefrau Therese, geb. Römond, zur 
selben Stunde geboren, als Napoleon I., von Paris 
kommend, aus dem Marktplatz zu Hanau verweilte, 
um sich nach kurzer Rast nach Dresden unb von 
da an die Spitze der Großen Armee zu begeben. 
1841 kam Wilhelmine Colin besuchsweise nach 
Berlin und lernte dort ihren zukünftigen Gatten 
kennen. Der weiten Entfernung wegen kehrte sie 
jedoch nicht wieder nach Hanau zurück (die Reise 
mit Ertrapost nahm drei Tage in Anspruch, wo 
gegen es mit der gewöhnlichen Post noch viel länger 
dauerte), sondern ihr Vater kam zur Hochzeit nach 
Berlin. Von den vier der Ehe entsprossenen Kindern 
sind noch zwei am Leben, eine Tochter Elisabeth 
und ein Sohn Wilhelm, beide in Berlin wohnhaft. 
Bemerkenswert und für die Verbreitung der Hugc- 
nottensamilien in Hessen charakteristisch ist es, daß 
zwei Töchter der selbst von väterlicher wie mütter 
licher Seite solchen Familien entstammenden Dame 
wieder mit Nachkommen französischer Einwanderer 
(dem Major Gissot, dem letzten Kommandanten 
von Spangenberg, und dem Weinhändler le Goullon 
in Kassel) verheiratet waren. 
Eine Erinnerung an den 18. Oktober 
186 3. Der in Wahlershausen am 27. März 1902 
verstorbene Privatmann Wilhelm Schumann 
war früher Privatbereiter in Kassel und hat insofern 
eine Rolle gespielt, als er am 18. Oktober, da 
mals 39—40 Jahre alt, dem herrlichen und groß 
artigen Festzuge, welcher sich vom Rathause durch 
mehrere Straßen der prachtvoll geschmückten Stadt 
zum Forste vor dem Leipziger Thor bewegte, um 
dort mit Fürst und Militär die 50jährige Jubel 
feier der Völkerschlacht bei Leipzig zu begehen, als 
Herold, angethan mit den damaligen Farben Deutsch 
lands: schwarz, rot und gold, und mit dem 
schwarz-rot-goldenen Banner in der Rechten, voran 
ritt, eine äußerst stattliche und imponierende Er 
scheinung, welche die lebhafte Bewunderung von 
jung und alt hervorrief. 
Es war dieser 18. Oktober 1863 einer der 
schönsten Tage in der Geschichte unseres engeren 
Vaterlandes und höher schlug damals jedem braven 
Hessen das Herz in der Brust. G. M. 
Todesfälle. Am 13. April verschied im 
82. Lebensjahre Leonhard Schultheis, von 
1848 bis 1. Januar 1889 zuerst als Praktikant 
und später als Sekretär an der Kasseler Landes 
bibliothek thätig. Er hatte. als Sohn des Re 
gierungsrates, nachherigen Oberappellationsgerichts 
rates Schultheis in Fulda geboren, das Pädagogium 
zu Marburg und das Gymnasium zu Kassel be 
sucht und studierte in Marburg und Göttingen 
Philologie. Nachdem er 1846 am Gymnasium 
zu Fulda praktiziert, erhielt er die Stelle an
	        

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