Full text: Hessenland (16.1902)

125 
des Gerichtswesens stattgefnudeuen Pensionierung 
bei dein Amtsgericht I in Kassel bekleidete. Auch 
er zählte zu den schon mehrfach erwähnten „akade 
misch gebildeten hessischen Aktuaren, die nach der 
Einverleibung in die große Klasse der Subaltern 
beamten zurückversetzt wurden", ein schwerer Schlag 
sür die alten Musensöhne. In den Ruhestand 
getreten, behielt er zuerst seinen Wohnsitz in 
Kassel bei, vertauschte denselben aber später mit 
Frankfurt a. M., der Heimat seiner Gattin, wo 
er hochbetagt entschlafen ist. Joseph Schwank hat ; 
seinem Namen ein bleibendes Gedächtnis haupt 
sächlich durch die Schenkung seiner wertvollen 
Büchersammlung an die Landesbibliothek seiner 
Vaterstadt Fulda gesichert. (Siehe hierüber „Hessen 
land" 1860, S. 143 u. 1891, S. 162.) Allen 
hessischen Geschichtssrennden aber ist er lieb und 
wert geworden durch die unerschütterliche Anhäng 
lichkeit an seine engere Heimat, welcher er stets 
durch Wort und Schrift Ausdruck verlieh, wie 
er sie auch in unserer Zeitschrift von Anbeginn 
derselben treulich bekundet hat. Neben vielen 
größeren Aufsätzen verdanken wir ihm eine Menge 
kleinerer Beiträge zu der Rubrik „Aus alter und 
neuer Zeit", d'a ihm seine umfassende Geschichts- 
kenntnis stets Veranlassung zu interessanten Mit 
teilungen gab. Mit dem ersten Herausgeber des 
„Hessenland", dem ihm schon 1894 im Tode voraus 
gegangenen Ferdinand Zwenger, war er eng 
befreundet und hat seinem Fuldaer Landsmann 
bis zn dessen Heimgang getreulich mit Rat und 
That beigestanden, denn die Pflege uneigennützigster 
Freundschaft war eine seiner wesentlichen Charakter 
eigenschaften. 
Außer den bereits erwähnten „Marburger 
Erinnerungen" und zahlreichen kleineren geschicht 
lichen Artikeln sind im „Hessenland" von Joseph 
Schwank die nachfolgenden Aussätze und histo 
rischen Rückblicke erschienen: 
Hessische Ehrentafel. Chronologische Zusammen 
stellung der Schlachten, Gefechte rc.. an welchen die 
Hessen seit dem 30jährigen Kriege teilgenommen haben. 
Jahrgang 1887 und 1888. 
Hessische Offiziere. Ein Beitrag zur hessischen 
Atilitärgeschichle. Jahrgang 1888 und 1889. 
Ein Beitrag zur E r z i e h u n g n n d B i l d u n g 
hessischer Prinzen. Jahrgang 1889, S. 48. 
Hessische Offiziere im Dienste des schwarzen 
K v n i g s H e i n r i ch I. v 0 n H a 1 t i. Jahrgang 1889, 
S. 361 f. 
Eine Jugend e r i n n e r u n g. Jahrg. 1894, S. 186 f. 
Das Fuldaer Liebhabertheater. Jahrgang 
1895, S. 7 f. 
Alte Hä »ser i n Fu l d a. Jahrgang 1895, S. 132 f., 
159 f. 
D i e K i rch weihe in Klein sa s se n. Jahrgang 1896 
S. 9 f. 
Hessischer Geschichtsverein. Der letzte 
wissenschaftliche Unterhaltung sabenddes 
hessischen Geschichtsvereins zn Kassel für das ab 
gelaufene Winterhalbjahr fand am 21. April im 
Eafö Merkur statt. Der Vorsitzende, Herr General 
Eisentraut, teilte den Versammelten mit, daß 
im Mai gelegentlich eines Ausflugs ein Zusammen 
treffen des hessischen mit dem waldecker Geschichts 
verein beabsichtigt sei. Tie darauf folgenden Bor- 
träge wurden von den Herren Di-. Schwarzkopf, 
Kanzleirat Neuber, Major von Löwenstein, 
Direktor Henkel und General Eisen traut ge 
halten. Herr Dr. Schwarzkopf bot wiederum 
ein Bild aus der westfälischen Zeit und zwar ein 
sehr trauriges, da er die kläglichen Trümmer der 
großen Armee behandelte, von welchen ein kleiner Teil 
hier am Fackelteich vor dem Leipziger Thor unter den 
Rasen gebettet wurde. Eine Anzahl der unglücklichen 
aus Rußland heimkehrenden Krieger hatte sich, in 
Kassel angekommen, nicht weiter zu schleppen ver 
mocht. Die meisten Offiziere wurden in dem am 
Meßplatz gelegenen französischen Hospital unter 
gebracht, aber die Tag für Tag in ganzen Wagen 
ladungen anlangenden übrigen Soldaten kamen in 
das Landkrankenhans. Viele der dort verstorbenen 
wurde an dem benachbarten Fackelteich bestattet, wo 
die Überreste vor einigen Jahren ausgegraben worden 
sind. Da der damals an der Unterneustädter 
Kirche amtierende Pfarrer Münscher ein genaues 
Verzeichnis über die beerdigten Soldaten geführt 
hat, so konnten sogar die Namen mitgeteilt werden, 
sowie Nationalität, Alter und Angehörigkeit der 
Truppe. — Ebenfalls über französische Gäste sprach 
daraus Herr Kanzleirat Ne über, aber nicht über 
solche, die von Osten, sondern die aus ihrer Heimat 
511 uns kamen und denen es hier ungleich besser 
ergangen ist, wie jenen. Die Einwanderung der 
Hugenotten und ihre Aufnahme unter Landgraf 
Karl ist bekannt, weniger weiß man im allge 
meinen über die Anlegung neuer Kolonien unter 
Landgraf Friedrich II., die infolge Übervölkerung 
der ersten Ansiedelungen sich als notwendig er 
wiesen. Es sind dies Friedrichsdorf, Friedrichs 
feld, Friedrichsthal, Friedrichsstein. Friedrichsane, 
Friedrichsbrück, Friedrichshof, Friedrichsburg, Fried 
richshöhe, Friedrichswald und die nach des Land 
grafen Gemahlin genannten weiteren Kolonien: 
Philippinenhof, Philippinenbnrg, Philippinendorf 
und Philippinenthal. Dieselben waren für je zehn 
Familien angelegt, wurden als Stadtdörser be 
trachtet, brauchten keine Herrendienste zu thun und 
waren von allen Abgaben frei. — Herr Major 
von Löwen stein machte Mitteilungen über Dr. 
Johannes von Horn, der ein Buch über die 
I an Kurfürst Wilhelm II. gerichteten Drohbriefe
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.