Full text: Hessenland (16.1902)

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Ein dumpfes Gemurmel erscholl aus der ver 
sammelten Gemeinde heraus; drohende Fäuste fuhren 
gegen den kühnen Sprecher in die Höhe, — aber 
mit Tonnerstimme übertönte Pfarrer Laukhardt 
den Lärm und rief: „Mein Haus soll ein Bethaus 
sein, spricht Christus, und kein Ortenberger macht 
es zur Mördergrube; laßt mich dem Manne antworten 
aus der heiligen Schrift!" Mit diesen Worten 
wandte er sich zu Blum und fragte: „Antwortet 
mir! Hat nicht Christus ausdrücklich gesagt: das 
ist mein Leib? — darum glauben wir. daß Christus 
uns unter dem Brot seinen wahren Leib geben 
will und gibt!" 
„Nein," antwortete Blum, „wenn der Herr sagt, 
das ist mein Leib, so ist es nicht mehr Brot, 
sondern ist wirklich sein Leib; da aber die Jünger 
den Herrn im Leib noch am Tisch sitzen sahen, so 
war es nicht sein Leib, sondern Brot, und des 
halb haben sie Christi Worte ebenso verstanden, 
wie wir, nämlich; das bedeutet meinen Leib." 
„Was die Jünger verstanden, ist nns lutherischen 
Christen einerlei; wir halten uns an das, was 
Christus gesagt hat; es gilt, dem Worte des Herrn 
einfältig zu glauben, und Christus hat gesagt: das 
i st mein Leib", entgegnete Laukhardt mit Überzeugung. 
„Also," fuhr da Blum fort, „wir essen Brot, 
das für uns ein Sinnbild des Leibes Christi ist, 
und ihr eßt Fleisch — da seid ihr übel dran, denn 
Christus hat gesagt: Ter Geist ist, der lebendig 
macht, das Fleisch ist nichts nütze." 
Aber der schriftkundige Lankhardt antwortete: 
„Christus hat auch gesprochen: Mein Fleisch ist 
die rechte Speise; deshalb glauben wir ihm auch, 
wenn er bei der Einsetzung des heiligen Abendmahles 
spricht: das ist mein Leib." 
»• 
Aus Heimat 
Joseph Sch w a n k f. Am 15. April starb 
zu Frankfurt a. Al. der frühere Garnisonsauditeur 
Joseph Sch w a n k, einer der Mitbegründer und 
treuesten Alitarbeiter des „Hessenland". Am 
18. Januar 1820 zu Fulda als Sohn des kur 
fürstlichen Rentmeisters I. Schwank geboren, widmete 
er sich, nachdem er das Gymnasium seiner Vater 
stadt besucht hatte, 1840 dem Studium der'Juris 
prudenz aus der Universität Marburg. Ein flotter 
Corpsstndent hat der Verewigte das studentische 
Leben seiner Zeit in seinen im „Hessenland" er 
schienenen „Marburger Erinnerungen" (Jahrgänge 
1889, S. 174 u. 821 ff., 1894, S. 215 ff.) mit 
lebhaften Farben geschildert. Im November 1840 
bestand er das Staatsexamen und wurde auch 
von dem gestrengen Justizminister Bickell zum 
Ein Beifallsgemurmel erhob sich unter der ganzen 
Zuhörerschaft, und als einer der Begleiter Blums 
diesem ein paar Worte ins Ohr flüsterte, nickte der 
selbe zustimmend und sagte dann laut: „Ich sehe, 
wir kommen hier zu keinem Ziele; ich weiche für 
heute von diesem Platze, aber ich behalte mir Be 
schwerde vor bei meinem gnädigen Herrn Grasen 
von Hanau, und ich werde zu gegebener Zeit doch 
wieder hier sein." — 
„Ganz dasselbe will ich thun," fiel ihm Lauk 
hardt ins Wort, „ich werde meinen gnädigen Herrn 
in Stvlberg von dem Geschehnis in Kenntnis setzen, 
aber ich werde auch, sobald Ihr wieder hierher 
kommt, immerdar am Platze sein." 
Da erhob sich aus der Zuhörerschaft plötzlich die 
breitschulterige Gestalt des gräflich stolbergischen 
Oberamtmannes und rief mit dröhnender Stimme 
über die Versammlung hin: „Und von heute ab 
werde ich die Kirche verschließen, bis dieser Streit 
zwischen den beiden Herrschaften entschieden ist." 
„Wie?" rief Laukhardt, „Ihr wollt dem reinen 
Worte Gottes die Thür verschließen?" 
„Ihr wollt also offene Feindschaft mit dem 
Grasen von Hanau beginnen, der mich dahier in 
stallieret hat?" schrie Blum dazwischen. 
„Was ich thue, werde ich verantworten können", 
sagte der Amtmann, dem der Wortwechsel im 
Gotteshaus ärgerlich war, und ging davon. 
Diesem Beispiel folgte auch Pfarrer Blum mit 
seiner Begleitung, und Laukhardt blieb als Sieger 
zurück und hielt seinen Predigtgottesdienst. Am 
Abend schrieb er dann in seine Hirzenhainer Psarr- 
chrvnik ein, daß er heute zu Ortenberg „für das 
Vaterland" gefochten habe. — 
(Fortsetzung folgt.) 
<4- 
und Freinde. 
juristischen Vorbereitungsdienst in Kurhessen zu 
gelassen. 1851 wurde Schwank Rechtspraktikant 
bei dem Justizamt Oldendorf*), Berwaltungs- 
amt Rinteln, wo er als Vertreter der Staats 
behörde fungierte, uiib sodann 1854 Garnisous- 
auditeur in Hanau. 1805 erfolgte feine Versetzung 
als Aktuar nach Naumburg, wo er 1808 Sekretär 
wurde, welche Stellung er auch von 1871 bis zu 
seiner Ende der 70er Jahre nach Reorganisation 
*) Bei dem Heranziehen der Staatshandbücher bez. der 
von dem Verewigten innegehabten Stellungen ergab sich 
die auffallende Erscheinung, das; von 1851 bis einfchl. 
1862 bei Schwank die Vornamen Adam Joseph zu lesen 
sind, 1863 und 1864 aber Anton Joseph, später regel 
mäßig nur Joseph. 1877 wird sodann der einfache 
Schwank plötzlich mit einem ek versehen und kommt als 
„Schwanck" auch noch in den folgenden Jahren vor.
	        

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