Full text: Hessenland (16.1902)

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Vermögensverhältnisse inzwischen nachgewiesen oder 
schon besannt geworden sein — 
Ilesol. 14. Oktober 1825: Wird. allergnädigst 
zugestanden, da der Nachsuchende zur Ausführung 
dieser Einrichtung reich genug ist. 
(Schluß 
Bekannt zu machen, daß die Anlegung des 
Felsenkellers nur unter dem ausdrücklichen Vor 
behalte allergnädigft zugestanden worden sei, daß 
Herr Ostheim eine anständige Bierwirt- 
schast für angesehene Personen einrichte, 
folgt.) 
Stormwind. 
(Schaumburger Mundart.) 
Freujohr un Sommer sin all vergab». 
De Wiuucr is't mit Frost un Js; 
Bi'm warmen Awen') sitt Fru un Mann, 
Öhr Lg iS treub, öhr Hor is gris. 
Sä funnen nah"), wär's woll vollbracht — 
Stormwind bi Tag, Stormwind bi Nacht! 
Bi öhr was't Freujohr lange all. 
Wo Preistersmund den Segen sprvch; 
Hell Nicht de Sunn von Heben") dal'), 
Lacht dun") bat Hart"), strahlt dun dal Og. 
11s h G'schickcs Für, wär hat's anfacht? 
Stormwind bi Tag, Stormwind bi Nacht! 
Ist HuS ok hen, iS hen ok Freud, 
De Lieb doch vor de Kinner sprach, 
K a s s e l. 
Dat sei »ich trapeu Smerz un Leid, 
Dat Mutterhart dat lest") jo noch. 
Hüt? — up eil Fredhof sin's all bracht 
Stormwind bi Tag, Stormwind bi Nacht! 
Im Schornstin heult de Wind so krus"), 
De Sunn am Heben leit sick bat 10 ), 
Dc Glock sleit lut dvrch'S stille HuS, 
Nein") Minsch, nur Gott seit hier de Qual- 
Sin Hand heilt'S wuune Hart so sacht — 
Stormwind bi Tag, Stormwind bi Nacht! 
') Ofen; 2 ) sinnen, nach; ") Himmel; ') herab; ') da 
mals; ") Herz; h unseres; 8 ) lebt; ") grausig; '") legt' sich 
nieder (legt sich schlafen); ") kein. 
Agathe Koppen. 
Unterm Hollun-erbaum. 
Historische Erzählung aus Oberhessen von O. Gros. 
Erstes Kapitel: 
riic Mrdung. 
Es war an einem stürmischen Tage in der Mitte 
des Monats April im Jahre 1693, da saß zu 
Crainfeld 'im hohen Vogelsberg Frau Eva Katharina 
Ellenberger, die Witwe des Amtsschnltheißen Heinrich 
Christoph Ellenberger, im Wohnzimmer ihres statt 
lichen Hauses. 
Sie stand im 43. Lebensjahr und war seit 
drei Jahren verwitwet; aber ihr Äußeres wies aus 
ein solches Alter durchaus nicht hin; man hätte 
die Frau mit dem frischen rotwangigen Gesichte 
und den freundlichen Augen höchstens für 35 Jahre 
alt gehalten. 
Ihre drei Kinder, Elisabeth, Anna und Peter, 
befanden sich bei ihr im Zimmer; Elisabeth, ein 
Mägdlein von etwa sieben Jahren saß neben der 
Mutter und war, ebenso wie diese, beschäftigt, einen 
Strumpf zu stricken, während Anna, die etwa fünf 
Jahre zählen mochte, und ihr dreijähriges Brüderlein 
am Fenster standen und dem Treiben der Schnee 
flocken zusahen; es war ein strenger und später Winter. 
Tie ganze Einrichtung trug das Gepräge der 
Wohlhabenheit; ein großer Kamin, dessen Feuer 
schein sich gespenstisch an der Decke malte, erwärmte 
das Zimmer, an der Längswand stand eine eichene 
Bankkiste, die mit zierlichen Schnitzereien versehen 
war, und in der Ecke ein hoher Schrank von un 
geheuerem Umfang, hinter dessen Butzenscheiben 
das blankgeputzte Zinngeschirr — der Stolz der 
damaligen deutschen Hausfrau — hervorglänzte. 
Die Frau. Amtsschnltheißin begann gerade ihrem 
Töchterlein zu erklären, wie man die Ferse eines 
Strumpfes zusammen ziehe, um den Fuß daran 
zu stricken', als plötzlich die kleine Anna rief: 
„Mutter, es kommt jemand zu uns." 
Die Mutter sah nach dem Fenster, konnte aber 
bei dem herrschenden Wusterwetter auch nicht mehr 
erkennen, als daß eine hochgewachsene Mannesgestalt, 
die mit Mantel und Kapuze verhüllt war, über 
den Marktplatz herüber ans ihr Hans zukam. 
Erst beim Eintritt des Mannes erkannte sie ihn; 
es war der Pfarr-Adjunkt Johann Philipp Lauk- 
hardt, der, aus Crainfeld selbst stammend, dem 
dortigen alten Ortspsarrer als Gehilfe beigegeben 
war, und der im Hause der Witwe ein oft und 
gern gesehener Gast war. 
„Ein böses Wetter, Frau Amtsschnltheiß," begann 
der Eingetretene nach kurzer Begrüßung, „wir haben
	        

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