Full text: Hessenland (16.1902)

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Aus solch Urtheil fragt des Klägers Wort 
redner und stellt abermals zu recht an, wie man 
ferner mit dem Beklagten geparen soll, daß man 
recht thue und unrecht lasse. 
Darauf urtheilt der Schöpf uff Anstellung des 
Richters mit vorgehabtem Bedacht also: 
Also haben mich meine Brüder gelehrt, strafe 
es auch selbst mit ihnen zu recht, der Kläger soll 
den Beklagten zu dreymahlen befchreyen. 
Auf solches Urtheil fragt des Klägers Worth- 
reduer und stellt abermahls zu recht au, wie man 
ferner mit dem Beklagten geparen soll, daß man 
recht thue und unrecht lasse. 
Darauf urtheilt der Schöpf uff Anstellung des 
Richters uff vorgehabten Bedacht also: 
Also haben meine Brüder gelehrt, auch fprech 
ich es selbst mit ihnen zu recht, der Züchtiger soll 
den Beklagten iu's Halseisen führen und einschließen, 
allda soll der Kläger wiederumb dreymal be 
fchreyen. 
Hierauf begehrt des Klägers Worthredner an 
den Richter, daß er den Kläger vergönnen wolle 
abzutretten, damit diesen vier vorgehenden Ur 
theilen möge Folg geschehen. 
Wenn nun diesen Urtheilen also Folg geschehen, 
so tritt des Klägers Wortredner wiederumb neben 
den Kläger für und fragt abermahl und stellt 
zu recht an, wie man mit dem Beklagten geparen 
soll, daß mau recht thue und unrecht lasse. 
Darauf urtheilen die Schöpfen uf 'Anstellung 
des Richters mit vorgehabten Bedacht also: 
Also haben mich meine Brüder gelehrt, auch 
habe ich es selbst mit ihnen zu recht, daß der 
nächst und weiteste Schöpfe, so im Schöpfenstuhl 
bei dem Richter sitzen, für das Halseysen oder 
Pranger gehen sollen und bestehe», wem der Be 
klagte gleichstehe Daraus stehen die zween Schöpfen 
mit Erlaubniß des Richters auf und gehen hin 
für den Pranger und bestehen den Beklagten. 
Wann alsdann sie wieder kommen, lind sich mit 
Erlaubniß des Richters wieder gesetzt haben, fragt 
sie der Richter, wie sie den Beklagten beschaffen 
gefunden, daraus geben sie dem Richter Antworth 
nach Gelegenheiten, wie sie ihn befunden. 
Solchem nach fragt des Klägers Wortredner 
und setzt zu recht abermahls an, wie man ferner 
mit dem Beklagten geparen soll, daß man recht 
thue und unrecht lasse. 
Daraus urtheilen uff Anstellung des Richters 
mit vorgehabtem Bedacht die Schöpsen also: 
Also haben mich meine Brüder gelehrt und 
straf es auch selbst mit ihnen zu recht, der Züchtiger 
soll den Beklagten uf dem Halseisen oder Pranger 
nehmen und ihnen führen unter das Oberthor, | 
allda soll ihn der Kläger abermahls zu dreyen- 
mahlen befchreyen. 
Solchem nach fragt des Klägers Wortreduer 
und stellt zu rechten, wie man ferner mit dem 
Beklagten geparen soll, das man ihn bringen 
möge für das peinlich Halsgericht. 
Darauf urtheilen die Schöpfen uff Anstellung 
des Richters vorgehabten Bedacht nach also: 
Also haben mich meine Brüder gelehrt, auch 
straf ich es selbst mit ihnen recht, der Züchtiger 
soll den Beklagten führen für das peinlich Hals 
gericht ungefähr bis uff drey Schriedt, damit dem 
Gericht kein Eiubuß geschehe. 
Wenn nun diesen nächsten vorgehenden zween 
Urtheilen Folge geschehen ist, und der Beklagte 
für Gericht kommen, so bitt des Klägers Wort 
redner mit Erlaubniß, die Klage, da er die 
schriftlich einlegt, zu verlesen, oder dieselben nach 
Gelegenheit mündlich zu thun. 
Wann alsdann die Klag verlesen oder münd 
lich geschehen, fordert der Richter den Beklagten 
zu antwort, ob er Ja oder Nein darzu sage, ver 
gönnet ihm auch einen Schöpsen zu einem Wort- 
redner, wofern er dessen bedarf. 
Solchem nach fragt des Klägers Wortreduer 
liitb stellt zu recht an, wie man ferner mit dem 
Beklagten geparen soll" das man recht thue und 
unrecht lasse. 
Darauf urtheilen die Schöpfen uff Anstellung 
des Richters nach gehabten Bedacht also: 
Also haben mich meine Brüder gelehrt und 
straf es auch selbst mit ihnen zu recht, der Kläger- 
soll dem Beklagten die zween förderste Finger uff 
die Scheidel legen und schwören zu Gott und 
seinem Heiligen Wort, das die Klag, deren er 
ihn beschuldigt, wahrhaftig sey und er dasselbige 
gethan habe. 
Sofern der Beklagte dein Klüger solches schwörens 
aus Gutwilligkeit nicht erlassen will, muß er also 
schwören. 
Solchem nach fragt des Klägers Wortredner 
und stellt abermahls zu recht an, wie man ferner 
mit dein Beklagten geparen soll, daß man recht 
thue und unrecht 'lasse. 
Darauf urtheilen die Schöpfen uff Anstellung 
des Richters mit vorgehabtem Bedacht also: 
Also haben mich meine Brüder gelehrt und 
sprech ich es selbst mit ihnen zu recht, dieweil 
der arme Beklagt hier steht, als ein Verächter 
der Rechten, so urtheilen wir ihn heut zu Tag 
vom Leben zum Tod. 
Solchen: nach fragt des Klägers Wortredner 
und stellt ferner zu recht an, wie man ferner mit 
dem Beklagten geparen soll, damit man ihn 
bringen möge vom Leben zum Todt.
	        

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