Full text: Hessenland (16.1902)

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Schmuckstückes. Der Mainfund, dem es angehört, 
ist meines Erachtens nicht als ein einheitliches 
Ganze zu betrachten. Wenn sämtliche Teile des 
selben gleichzeitig in den Strom versenkt worden 
wären, so müßten zunächst die 25 Münzen, die 
von Claudius bis Pius*) reichen, insofern eine 
Verschiedenheit erkennen lassen, als die früheren 
infolge der längeren Zirkulation mehr abgegriffen 
sein müßten als die letzten. Das ist jedoch nicht 
der Fall; im Gegenteil zeigen gerade manche der 
älteren Stücke eine besonders gute Erhaltung. 
Ferner müßten die mitausgebaggerten Fibeln 
mindestens annähernd gleichzeitige Typen auf 
weisen. Aber auch dies trifft nicht zu. Abgesehen 
von den einfachen, zeitlich nicht zu fixierenden 
Drahtnadeln sind vertreten: Fibeln des ersten 
Jahrhunderts, eine emaillierte Knopffibel des 
zweiten Jahrhunderts und zwei Kniefibeln, die 
um 200 anzusetzen sind. 
Ein näheres Eingehen auf die Entstehnngszeit 
der Brücke und der Station in Hanau ist hier 
nicht am Platze; es genügt für unsere Zwecke die 
Feststellung der Thatsache, daß später als um 200 
zu datierende Stücke nicht zu Tage gekommen sind, 
vielmehr die Fibeln und die Münzen mit diesem 
Datum in geradezu auffällig übereinstimmender 
Weise abschließen; denn auch das Mittelerz des 
Antoninus Pius war gewiß nicht eben aus der 
Präge gekommen, als es in den Strom geworfen 
wurde, sondern, wie sein Erhaltungszustand beweist, 
längere Zeit in Umlauf gewesen. Wir erhalten 
damit durch einen allerdings ziemlich gewagten 
und nur einer Vermutung gleichzuachtenden Schluß 
einen ungefähren tarininrm aä quem für das 
Armband. Den terminus a quo gibt die In 
schrift, indem nach Rieses Untersuchungen (Westd. 
Zeitschr. XVII, S. 1 ff.) Votivinschriften mit 
vorgesetztem ckeo nach ca. 180 511 datieren sind. 
Das Armband dürfte also gegen Ende des zweiten 
oder zu Anfang des dritten Jahrhunderts n. Chr. 
verfertigt sein. Die Inschrift für die Datierung 
des Schmuckstückes zu verwerten, ist im vorliegenden 
Falle deshalb gestattet, weil dasselbe von vorn 
herein zur Aufnahme der Inschrift bestimmt war; 
es handelt sich hier nicht um einen beliebigen 
Schmnckgegenstand, auf dem nachträglich an irgend 
einer Stelle eine Inschrift eingeritzt worden ist, 
sondern die Inschrift ist hier, so nachlässig sie 
auch im Vergleich zu der exakten Arbeit des Arm 
bandes ausgeführt ist, die Hauptsache. 
*) Ich kenne nur die im Museum des Hanauer Geschichts 
vereins aufbewayrten Stücke; diese sind: 1 Claudius M. E., 
4 Vespasianus M. E., 5 Domitianus (2 G. E., 8 M. E.), 
2 Nerva (1 G.E., 1 M. E.), 7 Traianus M. E., 5 Hadrianus 
(2 G. E., 3 M. E.), 1 Antoninus Pius M. E. 
Was die Herstellung der Inschrift betrifft, so 
scheinen mir die senkrechten Grundstriche ein 
geschlagen zu sein, während die anderen, wie sich 
z. B. aus den mehrfachen Konturen des D er 
gibt, mit recht ungeübter und unsicherer Hand 
eingeritzt sind. 
Daß das Schmuckstück für eine Herkulesstatue 
bestimmt war, steht wohl trotz des Fundortes 
außer Zweifel, vr. Henkels hoffentlich recht 
bald zu erwartende eingehende Abhandlung über 
die antiken Ringe wird die Parallelen dazu bringen. 
Einstweilen kann ich nach seiner gütigen Mit 
teilung aus einen Ring hinweisen, der als direktes 
Analogon zu unserm Armband zu bezeichnen ist. 
Er ist in Cassel a. d. Saar in den dreißiger 
Jahren gefunden und jetzt verschollen; die darüber 
vorhandenen genauen Notizen besagen jedoch, daß 
er die Inschrift HERACLI trug. Ein silberner 
Ring im Laibacher Museum, gesunden in Dernovo, 
trägt die Inschrift LEU. — 
D.=G cm. 
i 
a +10,8 cm*— j, 
Das vorstehend abgebildete G e f ä ß ch e n, eben 
falls von Herrn C. Mangold gezeichnet, ist eine 
der kleinen bekannten unteritalischen Thonschalen 
mit schwarzem Firnisüberzng aus den letzten Jahr 
hunderten vor unserer Zeitrechnung, die in Griechen 
land und in Italien in großer Anzahl vorkommen. 
Es erweckt denn auch nur durch seinen Fundort 
und die Art seiner Bemalung Interesse. Fundort 
ist das römische Gräberfeld bei Rückingen. Zwar 
rührt es nicht von den regulären Ausgrabungen 
her, die der Hanauer Geschichtsverein dort im 
Jahre 1872 vornahm, aber es ist, wie so viele 
andere Fundstücke, an jener Stelle aufgelesen 
worden, vom Regen freigespült oder vom Pflug 
an die Oberfläche gebracht. Die einwandssreie 
Persönlichkeit des Finders und Schenkers an das 
Hanauer Museum, der damals in Hanau ansässige, 
später in Marburg verstorbene Justizrat G r i m m, 
bürgt für die Zuverlässigkeit der Provenienzangabe, 
ganz abgesehen davon, daß sich auch unter den 
von dem Fürsten zu Jsenbnrg-Birstein 1802 auf 
dem Rückinger Totenseld ausgegrabenen und dem 
Hanauer Geschichtsverein 1884 geschenkten, durch-
	        

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