Full text: Hessenland (16.1902)

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Aus Öen Sammlungen des Hanauer Geschichtsvereins. 
Von Dr. F. Ouillinq. 
3 n der ersten Oktoberwoche 1901 sind die Samm 
lungen des Hanauer Geschichtsvereins 
ans einem wenig geeigneten Parterre-Raume des 
Regierungsgebäudes in die freundlichen Säle des 
alten Rathauses umgezogen und damit in ein 
neues Stadium ihrer Entwicklung getreten. Nicht 
nur äußerlich. Der Umzug hat zugleich Ver 
anlassung gegeben, ein einheitliches Inventar 
anzulegen, die älteren Fundberichte, Akten und 
Protokolle nach dem neuen System umzuarbeiten 
und bei der Aufstellung der Gegenstände nicht 
mehr typologische und ästhetische, sondern lediglich 
historische Prinzipien entscheiden zu lassen. Von 
dem Vorstande des Vereins zu diesen Arbeiten 
zugezogen, hatte und habe ich Gelegenheit, mich 
mit dem Bestände der bisher nicht genügend be 
kannten Sammlungen vertrant zu machen. Der 
vorliegende kleine Aussatz beschäftigt sich mit zwei 
Einzelgegenständen daraus; zwei später folgende 
umfangreichere Abhandlungen werden sich mit den 
Gräbern der römischen Begräbnisstätte bei Rückingen 
und mit den vorrömischen Funden des Museums 
besassen. 
Die Rückinger Gräber haben zwar schon in 
einer vortrefflichen Publikation*) des Geschichts 
vereins entsprechende Würdigung gefunden, aber ein 
Gesichtspunkt ist dabei — dem Zwecke der Veröffent 
lichung gemäß — weniger beachtet worden: die 
chronologischen Schlüsse, die sich aus den Beigaben 
einzelner Gräber für deren Gesamtinhalt ableiten 
lassen. Bei der Aufstellung in den neuen Räumen 
sind die Rückinger Funde aus Grund eines s. Zt. von 
Akademiedirektor Hausmann verfaßten, muster 
haft genauen Fundprotokolles erstmals nach ihrer 
Gräberzusammengehörigkeit geordnet worden. Sie 
liefern nunmehr ein in mancher Hinsicht wertvolles 
Datierungsmaterial, welches durch den zweiten 
Aussatz allgemein zugänglich gemacht werden soll. 
Die vorrömischen Funde, welche das Museum 
besitzt, bestehen in einer außergewöhnlich reichen 
Sammlung von Gegenständen, besonders größeren 
und kleineren Thongefäßen, aus dein Ende der 
Bronzezeit und dem Beginn der Hallstattperiode, 
die meist aus der Umgebung von Hanau stammen. 
*) „Das Römercastell und das Todtenfeld in der Kinzigä 
Niederung bei Rückingen." Hanau 1878. 
Von den beiden Fundstücken, die im folgenden 
besprochen werden, ist eines, ein römisches Arm- 
b and, bereits in der Westdeutschen Museographie 
XIII, S. 282, und von Professor Wolfs in dieser 
Zeitschrift (Jahrg. 1894, Nr. 16) kurz beschrieben. 
Es wird hier zum erstenmale in Abbildung (ver 
kleinert) publiziert, die ich der Güte des Herrn 
C. Mangold, Zeichenlehrers am Königl. Gymna 
sium zu Hanau, verdanke. Wolff gibt davon in 
dem genannten Aufsatze „Über eine römische 
Niederlassung auf dem Boden der Stadt Hanau" 
nachstehende Beschreibung: , 
„Als archäologisches Unikum darf wohl ein 
aus einem Bronzedraht mit viereckigem Querschnitt 
hergestellter Armring bezeichnet werden, dessen 
beide Enden sich, das eine nach oben, das andere 
nach unten, in zwei länglich rechteckige Plättchen 
verbreitern. . . Das obere Plättchen zeigt die 
eingeritzten Buchstaben DHER, das untere die 
Fortsetzung CVLI, also zusammen die Widmung 
D(eo) Herculi. Diese Inschrift ans einem, wie 
die Dimensionen vermuten lassen, für den Ober 
arm eines kräftigen Mannes bestimmten Schmuck- 
ringe ist so auffallend, daß man geneigt sein 
möchte, anzunehmen, daß der Schmuck für eine 
lebensgroße Herkulesstatne bestimmt war, wenn 
nicht auch diese Annahme mit Rücksicht aus die 
Lokalität des Fundes fast noch größere Rätsel 
aufgäbe." 
Das Armband entstammt dem reichhaltigen 
Mainfunde, der nächst den Pfeilern der Römer 
brücke bei Hanau auf Veranlassung des dortigen 
Geschichtsvereins 1894 ausgebaggert wurde. Dieser 
Umstand ermöglicht in Verbindung mit einigen 
anderen eine ungefähre Datierung des interessanten
	        

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