Full text: Hessenland (16.1902)

M 9. 
XVI. Jahrgang. . Kassel. 1. Mai 1902. 
Im inaimotid toar’s. 
Im Maimond Ivar's. Der Abendstern 
Berührte schon den Bimmelsrand; 
Da faßen wir, dein Dorfe fern, 
Am Waldessäume Band in Band. 
Rein Vöglein regt sich mehr iin Best 
Und fliegt geschäftig ein und ans; 
Und kaum zu flüstern wagt der West, 
Als wär' der Wald ein Gotteshaus. 
Zwei Menschenkinder, mäuschenstill, 
Lin einzig Dasein ich und Du; 
Die Seele, die zur Seele will, 
Sie braucht ja nie ein Wort dazu. 
Dein Angesicht im Mondenstrahl, 
wie lächelt mir's fo fromm, fo fuß — 
Zerbrich nicht, Bcrz! Ich war einmal 
Im längst verlornen Paradies. 
Wien. A. Cr»ibert. 
Rach dem Kampf. 
So löschet denn die letzten Lichter aus! 
Die Bacht regt ernst und still zum Sinnen an, 
Und die Gedanken schweifen weit hinaus, 
Weil das Geräusch des Tages abgethan. 
Ich möchte Einkehr halten, kampfbefreit! 
Sei stark, mein Berz, wenn jäh ein Sturmwind weht 
Bcrüber aus der schweren, — schweren Zeit, 
Die grauenvoll noch immer vor mir steht. 
Die Lichter aus! Gottlob, es ist vorbei; — 
was zitterst du, mein pcrz, noch ohne Buh? 
Ich fühle mich fo frei, unendlich frei! 
Und schließ' beseligt meine Augen zu. — 
So löschet denn die letzten Lichter aus! 
Laßt mich allein, — der Tag ist abgethan, — — 
Vor einem kleinen, ewig stillen Baus 
Bält meine wandermüde Seele an. — 
München. fiustau Adolf Müller. 
Ruhe. 
Bcrz, willst du schlafen gehn? 
Den langen Schlaf, durch keinen Traum gestört, 
Und wo die Ewigkeit dir ganz gehört, — — 
Berz, willst du schlafen gehn? 
Aug', willst du schließen dich? 
Und keinen Sonnenstrahl mehr saugen ein, — 
Für immer soll dein Lid geschlossen sein, — 
Aug', willst dn schließen dich? 
Mund, willst du werden stumm? 
Mit keinem Wort erleichtern mehr die t>)nal, — 
Den Schmerz hinauszuschrei'n zum letztenmal, — 
Mund, willst du werden stumm? 
Still, — nicht so lang gefragt, — 
Mir wird so wohl, — ich glaub', sie schlafen schon, 
Rein Iammerlaut nnd keinen Rlageton, 
Still, — nicht so lang gefragt. — 
München. 6li5t.lv Adolf Müller. 
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