Full text: Hessenland (16.1902)

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stabt, ant Hose ber cblen littb kunstsinnigen Groß- 1 
Herzogin Mathilbe, lehrten sie bie Freuden ber 
großen Welt kennen, immer kehrte sie jedoch mit 
Entzücken im Sommer ans bas Lanb zurück. Im 
November 1864 vermählte sie sich mit einem ent 
fernten Verwanbten, bem Freiherrn Ferbinanb 
Schenck zu Schweinsberg, Leutnant in ber glänzenben 
Truppe ber kurhessischen Garbes bu Corps. Nur 
wenige ungetrübt glückliche Jahre sinb beut Paar 
dcschicben gewesen, ein schweres Herzleiben nötigte 
ben Gatten, schon im Jahre 1868 seinen Abschieb 
zu nehmen unb nach Nieber- Ofleiden zu ziehen. 
Bon ba an kannte Freifrau Schenck zu Schweins- 
berg nur eine Samariterthätigkeit, bie sie am 
langjährigen Krankenlager ihrer Mutter unb ihres 
Gatten unausgesetzt ausübte. Ein Lichtblick war 
bie Geburt einer Tochter, bie mich ihr einziges 
Kinb gebkieben ist. 1882 würbe sie Witwe nnb 
lebte jetzt nur noch ihrem Kinbe nnb ihrem alten 
Baker, ber ihr 1885 burch ben Tob entrissen 
würbe. Nach ber Verheiratung ihrer Tochter wanbte 
sie sich ber sozialen Thätigkeit zu; bie erste An 
regung zur Grünbung einer wirtschaftlichen Frauen 
schule erhielt sie im Jahr 1895 auf einem Frauentag 
in Kassel. Ihren rastlosen Bestrebungen, ihrer 
nnermüblichen Thatkraft, ihrem großen Organi 
sationstalent nnb ihrer wahren Menschenliebe ist 
es zu verbauten, baß ihre Anstalt zu schöner Blüte 
gelangt ist unb reiche Erfolge auszuweisen hat. Tie 
Schülerinnen erhalten eine grünbliche praktische unb 
theoretische Ausbilbung im Kochen unb in allen häus 
lichen Arbeiten für Stabt unb Laub, auch ist eine 
Abteilung für Seminaristinnen angeschlossen zur 
Ausbilbung von hauswirtschastlichen Lehrerinnen an 
Hanshaltungsschulen, wie von Leiterinnen großer 
länblicher unb stäbtischer Betriebe. Als Lehrmittel 
bient eine Haushaltungsschule für Bauernmäbchen 
mit einer Abteilung zur Heranbildung von stäbtischem 
Dienstpersonal nnb eine Kleinkinderschule. Ein großer 
Garten mit einer umfangreichen Baumschule gibt 
ben Schülerinnen Gelegenheit, mit allen Garten 
arbeiten nnb mit ber Bienenzucht vertraut zu werben. 
Eine Molkerei unb ein Geflügelhos bieten ebenfalls 
ein nützliches unb auregeubes Übuugsfelb. 
Mitten aus diesen täglich sich vervollkommuenben 
blüheuben Schöpfungen nahm ber Tob biejenige, 
bie sie so opsersrenbig ins Leben gerufen hat unb 
bie mit ber bewunbernswertesten Energie noch in 
ben Tagen bes schwersten Leibens ihr ganzes 
Denken unb Fühlen^aus bie Förberuug ihrer An 
stalten richtete. Ihr Lebenswerk, bas unter ber 
Leitung von Frau von Uthmauu, geb. von Baum 
bach, burch bewährte Lehrkräfte in ihrem Geiste weiter j 
geführt wirb, sichert ihr weit über bie Grenzen ihres j 
engeren Baterlanbes hinaus ein gesegnetes Aubenkeu. ! 
S t ä b t e b u n b t h e a t e r. In ber am 10. April 
unter Vorsitz bes Herrn Professors Dr.Kreß» er statt- 
gefnnbenen Versammlung ber Kasseler Schriftsteller- 
vereinigung „Freie Feber" würbe von Herrn 
von B o b e n h a u s e n bie Anregung zur Grünbung 
eines hessischen Stäbtebunbtheakers gegeben, wie 
ein solches in Oberschlesien bereits besteht. Nach 
einer längeren Erörterung, in welcher bie einschlägigen 
Verhältnisse von verschiebenen Seiten besprochen 
würben, gelangte man zu ber Überzeugung, baß 
eine solche Einrichtung, burch welche einer Reihe 
von Stäbten vermittels einer gut eingespielten 
Gesellschaft gute Stücke zu billigen Abonnements- 
nnb Kassenpreisen geboten werden könnten, auch 
für Hessen zu ermöglichen unb beshalb bie Ver 
wirklichung bicses Planes anzustreben sei. 
B » h n enjubilä u nt. Am 1. März b. I. beging 
am beutschen Theater zu Clcvelaub in Norbamerika 
unser hessischer Lanbsmaun Viktor Müller- 
Fabricius sein 25jähriges Schauspieler-Jubiläum. 
Er stellte ben „Falstaff" in bem von ihm selbst für 
bie Bühne eingerichteten Shakespeareschen Lustspiel 
„Tie lustigen Weiber von Windsor" bar nnb 
würbe von bem Publikum mit manuigsacheu Ehrungen 
bebacht. Viktor Müller hatte sich in seiner Jngcnb 
unter ber Leitung seines Großvaters, bes Professors 
an ber Kasseler Akabemie ber dilbenben Künste 
Friebrich Müller, ber Malerkunst zugewanbt, seit 
1877 sich aber ber Bühne gewibmet. 
To bes fälle. Am 1. April starb zu Warm 
brunn Prinz Friebrich Wilhelm von Arbeck, 
geboren am 2. November 1858 zu Offenbach als 
ältester Sohn bes Prinzen Wilhelm Friebrich 
Ernst von Hessen-Philippsthal-Barchseld 
unb ber Prinzessin Marie von Hanau, 
jüngsten Tochter bes Kurfürsten Friebrich Wilhelm 
von Hesse». Nachdem diese Ehe im Jahre 1872 
geschieben worben war, verlieh Kaiser Wilhelm I. 
ber Prinzessin Marie und ihren Kindern den Namen 
Arbeck. Prinz Friebrich von Arbeck war seit 1890 
in kinderloser Ehe vermählt mit Anna Hollings 
worth Price. — In Kassel verschieb am 2. April 
ber Kustos bes Naturalien - Museums Professor 
August Lenz. Derselbe war am 15. April 1828 
in Eisenach geboren, seit seinem zwanzigsten Jahre 
aber in Kassel ansässig, wo er sich 1853 auch mit 
einer Kasselanerin verheiratete. Zuerst als Lehrer 
an verschiedenen Privatschulen thätig, unterrichtete 
er auch die jüngeren Kinder des Kurfürsten und 
erhielt sodann 1859 die frei geworbene Stelle des 
Inspektors am Museum Fridericianum. 1888 
wurde ihm ber Titel „Kustos" und 1892 bas
	        

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