Full text: Hessenland (16.1902)

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klang cs gleich daraüf. — Das konnten sic alle! 
Rur die Jungen wollten nicht so recht mitthun. Tic 
äugten an der Hecke entlang nach Nestern und Käsern... 
„Jetzt die Musik!" 
£>, sie hatten es nicht vergessen und zupften ihn 
am Rock und bettelten . . . 
Trabert ging. 
Als er mit der Geige wiederkam, mußte er ge 
wahr werden, daß auch ans den Sonnentag eine 
Nacht folgt. Ter größte Teil seiner Kleinen war 
durch eine Lücke in den Nachbargarten geschlüpft 
und hatte sich über die Tulpen- und Hyazinthen 
beete hergemacht. Das konnte schon werden; denn 
das sorgfältig gepflegte Besitztum gehörte dem Baron 
von Konitz. einem geborenen Feind der Herrn von 
der Schule, die ihn, den Patron, mit Hilfe der 
einsichtigen Regierung gezwungen hatten, für an 
ständige Schnlränme zu sorgen. Und nun hörte 
er auch schon den Herrn Nachbar schelten! 
„Ihr Gesindel, Ihr Diebsvolk!" 
Schreiend klemmte sich die kleine Gesellschaft 
durch die Hecke, froh, daß sie den Lehrer wieder 
sahen, ans den nun mit den duftenden Blumen 
aus den Händen der Kinder arge Scheltwortc ans 
dem Munde des Herrn von Konitz regneten. 
„Das nennt sich nun eine Bolkserziehung! 
Aufreizung zu llnbotmäßigkeit! — Wcrd's Ihnen 
einbrocken." 
. . . Eine Wolle hatte sich vor die Sonne ge- 
schobeu .. . 
■<4 
€am Froijohr. 
lGcdicht in Hinterländer Mundart.) 
Wann dr Schnäi') verschmelzt eau d's Ais vergüt"), 
Kimmt d's Froijohr eau d's Laad -9 ; 
Wann vm groine Ree 4 ) bloihe die Beijnn 5 ), 
Freg' ich'S Bärbche im sei Haad. 
Wann d'r Guggug roist eau die Umilsch schleet 
Ean dem schiene, groine Waald, 
Hnit ich'S berle hie Svundvagnochmeddoag 
Bei düi grüße Ääch b'staald?) 
Bu däi grüße Ääch met d'm Epheu stitt. 
Will ich ihm g'stich ea» sah: 
„Daß ich he's, nor he's^), fier mei Lcawe gern 
Romme will zon meicr Fra." 
Tert däi Ääch soll sei met d'm Ephen dro 
's Beld 0) d'r Läib ean oiser Brost 
Bärbche, deank dv dro, wann ich srege Dich: 
„Sah, mei Läibche,'hoste Lost 10 )?" 
Nanzhausen. i>ctnrtdi Naumann. 
h Schnee; a ) Eis zergeht; '9 Land; *) grüner Rain; 
") blühen die Veilchen; ") Ainfcl schlägt; h bei die große 
Eiche bestellt; H ) cs, nur cs; °) das Bild; hast du Lust. 
-^»-<4- 
Aus Behncit und Frenrde. 
universitütsna ch r i ch t e u. Professor Ur. 
Korne mann in Gießen hat einen Ruf an die 
Universität Tübingen angenommen. — Tie thev- 1 
logische Fakultät in Greifswald hat dem General- 
superintendenten Werner in Kassel die Würde ' 
eines Doktors der Theologie bonoris causa verliehen. 
Freifrau von Scheitck zu Schweinsberg 
und die wirtschaftliche Frauenschule zu 
Ofleiden. Am 11. März d. I. starb die Mit- j 
begründerin und Leiterin der wirtschaftlichen Frauen- ! 
schule zu Nieder-Ofleiden in Oberhessen, Tvrette 
Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Sie 
war eine der Ersten, die den praktischen Gedanken, ! 
das weibliche Geschlecht, insbesondere die Töchter 
höherer Stände, durch wirtschaftliche Ausbildung 
für das Leben tüchtig zu machen, in die That 
umsetzte, indem sie ans ihrer eigenen Besitzung zu 
Nieder-Ofleiden eine wirtschaftliche Frauenschnle ins 
Leben rief, die geradezu mustergültig genannt 
werden kann. 
Freifrau Dorette Schenck zu Schweinsberg war 
um 29. Dezember 1842 zu Marburg a. d. Lahn 
geboren. Sie wuchs als einziges Kind aus der 
Ehe des Freiherrn Karl Schenck zu Schweinsberg 
mit Luwinka, geb. von Bvrcke, aus. Da der 
Vater, ehemals kurhessischer Offizier, schon 1842 
seinen Abschied nahm, verlebte sie den größten Teil 
ihrer Kindheit ans dem Lande, dem elterlichen 
Allodialgute zu Nieder-Ofleiden. Unter der Leitung 
ihrer Eltern wurde hier der Grund gelegt zu ihren 
ausgezeichneten Eigenschaften, deren hervorragendste, 
Fleiß und Pflichttreue, gepaart mit der wärmsten, 
werkthätigen Menschenliebe, die Richtschnur für 
ihr ganzes Leben geworden sind. Längere Reisen 
durch ganz Deutschland, die Schweiz und Italien, 
die sie als junges Mädchen mit ihren Eltern machte, 
weiteten ihren Blick, und einige Winter in Darm-
	        

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