Full text: Hessenland (16.1902)

war von einer Verwandten als Hexe verdächtigt. 
Es sollte eine Kuh durch Zauberei ums Leben 
gebracht und verschiedene Leute krank gemacht 
haben. Die Akten über die ersten Verhöre wurden 
der juristischen Fakultät der Universität Rinteln 
an der Weser übersandt. Die Antwort lautete 
folgendermaßen: 
„Alst dieselbe uns, was für dortigem Königs 
markischen Gericht des Hanßes von der Herrschaft 
Rotenburgk zwischen Catharinen und Margarethen 
Meineken in puncto veneficii inquirendo für 
gangen , zugesandt und, welchergestalt mit der 
Jnquisitinnen ferner zu verfahren, unßer recht 
liches Bedenken begehret, demnach haben wir alles 
mit Fleiß verlesen, collegialiter woll erwogen 
und berichten daraus vor Recht: 
Dieweil 8upsr fama keine Zeugen eydtlich 
examiniret seyn, so seyndt diejenige, welche umb 
der Jnquisitinn Leben und Wandel gute Wißen- 
schast haben, über nachfolgende intsrrogatoria 
eydtlich zu befragen: 1. Ob Zeugin Margarethen 
Meineken woll kenne. 2. Ob Zeugin einige Feind 
schaft mit derselben habe gehabt oder noch habe 
und warumb. 3. Ob Zeugin bewußt sey. alß ob 
sie sollte zaubern können. 4. Woher solch Geschrey 
entstanden, und wie alt dasselbe sey. 5. Ob 
Zeuge sie selbst für eine Zauberinn halte. 6. Was 
er dessen für Ursach habe. 7. Ob Zeuge uicht 
wiße oder gehört habe, daß sie von einem undt 
andern für eine Hexe gescholten wurde, von wem, 
zu welcher Zeit. 8. Ob sie einen undt andern 
Menschen zaubern zu lehren sich erboten. 9. Ob 
sie jemandt zu bezaubern gebrauet undt dem Ge 
braueten dergleichen geschehen oder wiedersahren. 
10. Ob sie sonderliche Gemeinschaft mit Zaubern 
oder Zauberinnen gehalten oder noch habe. 11. Ob 
sie mit verdächtigen Sachen, Geberden, Wortten 
und Wesen, die Zaubere aus sich tragen, umbgehe 
oder vor diesen damit umbggangen. 
Dieweil auch Berendt Müller t68tc protocollo 
deponiret, daß seine Tochter ein und anderß der 
Jnquisitinn sollte vorgehalten haben, so ist die 
selbe eydtlich zu befragen: 
12. Ob sie die Jnquisitinn, wie ihr die letzte 
Kuh abgestorben, zu Rede gestellet und gefraget, 
woher es kähme, daß sie so eine böse Rede zu 
Buxtehude gehabt. 13. Ob sie ferner zu derselben 
gesagt: wann ihr bey unß Leuten so thun wollet. 
14. Ob die Jnquisitinn sie gebeten, solches ihrem 
Vater nicht zu sagen. 15. Wie sich dieselbe sonsten, 
wie ihr solches ist sürgehalten, geberdet und be 
zeiget. 
Und würde diese bey ihrer Aussage, mquwita 
aber bei ihrem Leugnen verbleiben, wehre sie zu 
confrontiren; und ist nicht ohndienlich. daß von 
einem Barbierer der Juquisitiuu Kopsform an 
der Stirn besichtigt wehre, ob allda etwas zu 
verspüren, und ob sie nicht leiden könne, daß 
mann sie an selben Orth antaste, und woher 
solches etwa kommen. Absonderlich aber muß 
Cathrina Meineken ihre Deposition, daß Jn- 
quisitmn ihr das Zaubern zu lehren angebothen, 
und mit welchen Ceremonien solches geschehen, 
eydtlich becrästigen. Sollte auch inquwita noch 
ferner umb das Waßerbadt anhalten — ob man 
gleich solche Probe für kein Argument der Sehuldt 
und Ohnschuldt halten thut, so gar, daß, wann 
einer schwimmdt, dahero nicht schuldig, undt welcher 
nicht schwimmdt, für ohnschuldig nicht zu halten — 
alldieweilen aber durch solch Mittel die Jnquisitinn 
ostermahlen zum sreywilligen Bekändtniß wird 
bewogen, so kann ihr inn so weit willfahret 
werden, jedoch daß sie in loco judicii angelobe, 
im Fall sie oben schwimmen sollte, daß sie als 
dann willig bekennen wolte, daß sie zaubern 
könne. Ergehet alsdann, wann solches alles Vor 
gängen, ans anderweitige Verschickung serners inn 
der Sache, was rechtens. Von Rechts wegen 
haben solches ohuverhalten sollen, die Herren 
Gottes Schutz empfehlendt, 
Rinteln, den 20. May 1664. 
Der Herrn dienstwillige 
1)66auu8 86nior und andere Doctores der Juristen- 
Facultät bei der Universität daselbst." 
Man nahm die Wasserprobe vor. Das Mädchen 
ging nur wenig unter, beteuerte aber fortgesetzt 
seine Unschuld, wie bisher. Zum zweiten Male 
wurden die Akten nach Rinteln gesandt. Die 
juristische Fakultät antwortete abermals, die Wasser 
probe wäre trüglich, zur Folterung läge keine 
genügende Veranlassung vor, man sollte die An 
geklagte weiter ins Verhör nehmen. Nun beging 
das arme Mädchen, aus Zureden eines Geistlichen, 
eine verhängnisvolle Unklugheit. Es gab zu. es 
möchte wohl (mit der im Volke noch jetzt bekannten 
dummen Redensart) den Herrn Christ verleugnet 
haben. Zugleich gestand es, es hätte im Kindes 
alter den Abschwörungsreim von seiner Mutter 
gehört. Sofort wurde auch die letztere in Haft 
genommen, entzog sich aber den erbarmungslosen 
Richtern durch Selbstmord. Sie erhängte sich 
im Gefängnisse, und der Henker mußte ihren 
Leichnam am Galgenberge verscharren. Da die 
Universität Rinteln dem Aberglauben oder der 
Bosheit der Richter uicht genug entgegengekommen 
war, schickte das Gericht die Akten nunmehr an 
die Universität Helmstedt. Diese erklärte die 
Folterung für zulässig, „jedoch menschlicher Weise". 
Das Mädchen wurde so lange gemartert, bis es
	        

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