Full text: Hessenland (16.1902)

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Das Lentgericht im Amt Auersberg 
bei Hilders in der Rhön. 
Mitgeteilt von R i ch 
ngeregt durch Bechsteins Sagenschah, ermuntert 
durch verschiedene in der Landes- und Mnr- 
hard-Bibliothek entdeckte, wenn auch spärliche 
Nachrichten, welche Dörfer und Ortschaften des 
jetzigen Amtsgerichtsbezirks Hilders in der Rhön 
betreffen, bin ich bei weiteren Nachforschungen 
schließlich reichlich belohnt worden, als mir durch 
gütige Vermittelung der hiesigen Landesbibliothek 
das Auersberger Amtssalbuch vom Kreisarchiv in 
Würzburg zur Benutzung überwiesen wurde. 
„Ambt und Saalbuch vom Jahre 1595" 
lautet die Überschrift. Die Erklärung dieser Be 
zeichnung giebt uns das große „Lexikon aller 
Künste und Wissenschaften, welche bishero durch 
menschlichen Verstand und Witz erfunden worden" 
im 33. Band vom Jahre 1742 wie folgt: 
„Saal bedeutet bei den alten Deutschen erst 
lich schlechthin und überhaupt einen Aufenthalts 
ort, eine Wohnung, ein Verbleiben nicht nur der 
Menschen, sondern auch der Tiere. Hernach ist 
es ein besonderer Name der Behausung freier 
und zum gemeinen Wesen etwas zu sprechen 
habender Menschen bei den Franken geworden. 
Noch weiter hat man mit deni Titel Saal die 
Gerichtsorte und Stellen belegt, allwo in rechtige 
Folge die Verzeichnisse des Abgehandelten, des 
Verordneten, deren Rechte u. s. w. aufbehalten 
und hinleget worden sind, daß man hernach von 
Saalbüchern d. i von Gerichts-, Grund-, Erb-, 
Lager-Büchern und deren mehr gewußt hat ?c." 
Interessant auch für weitere Kreise dürfte das 
in genanntein Amt bestandene Centgericht sein, 
dessen Umfang, Zusammensetzung und Verlauf in 
genanntem Saalbnch, wie folgt, beschrieben ist: 
„Der Hochwürdig Fürst und gnädiger Herr 
von Würtzburg hat in dem Amt Auersberg ein 
Centhgericht, darin gehören nachfolgende Dorf- 
schaften, Weyler und Höfe nemblich: Hilters, 
Simmershausen, Larbach, Wickers, Schandenhofs, 
Strutthof, Rommelsrain, Brauertz, Batten, Deckten, 
Seyfertz, Fündlos, Wüstensachsen Melbers, Brandt, 
Revelbach, Undrastein*) (?), Neuer **) Schwanbach, 
und Wüstung Boppenrodt. ch) Berührt Centh 
gericht wird alle 14 Tag und dann jährlich aus 
Petri cathedra, so das Petersgericht genannt 
wird, ein Hochgericht und sonsten und sooft die 
Nothdurft erfordert, peinlich Gericht gehalten. 
*) Vielleicht Schafstein. 
**) Muß jedenfalls Silier (Aura) und Schwainbach heißen. 
1) Im 30 jährigen Kriege zerstört. 
ard H erg et, Kassel. 
(Nachdruck verboten.> 
Solche Gericht werden jedesmal mit 14 Schöpfen 
als zween von Hilters, Simmershausen, Larbach, 
Wüstensachsen, einer von Wickers, Melbers, Nevel- 
bach, so alle allein Jahrschöpfen, von Batten, 
Deitten, Seyfertz und Fündlos, und einer von 
Schandenhvs, so Erbschöpf, besetzt, welche alle von 
eines jeden regierenden Fürsten und Bischoffen 
zu Würtzburg, sowohl eines Ehrwürd. Tom- 
Capitels daselbst wegen durch einen jeden Centh- 
grafen mit Pflichten und Eydten auf und an 
genommen uff Maas und Form, wie nachfolgt. 
In solchen Gerichten ist der jederzeit verordnet 
Centhgraf Richter, werden solche von des Hoch- 
würdigen unsers gnüd. Fürst und Herrn von 
Würtzburg, eines Hochwürdigen Dom-Capitels, 
eines Ambtmanns zu Fladungen und Auersberg, 
des Centhgrafen als Richter und der vierzehn 
Schöpfen wegen geheegt und seyen auf den pein 
lichen Gerichtstag alle Centhverwandte, hinter wem 
sie sonst gleich gesessen, mit ihren besten Währen 
auffordern zu erscheinen und die Gericht beschützen 
zu Helsen. 
Hilters, Simmershausen, Lahrbach, Wickers, 
Schandenhof, Rommelsrain, Branertz, so alle 
Würtzburgisch, rügen alles, bürgerlich und peinlich, 
ist nichts ausgenommen. 
Melbers, Wüstensachsen, Boppenrodt, Brandt, 
Thnngisch, Thannisch und Schenkisch, Revelbach, 
Umbrastein, ein Hof Steinrückisch, Auerschwan- 
bach, seyen Mord, Mordbrand, Diebstahl, Noth 
zucht und was denselben anhängig zu rügen und 
ist die Buß, wie hernach zu finden. Die von 
Melbers und Revelbach rügen auch über fliegende 
Wunden, doch werden dieselben nicht von der Centh, 
sondern von ihrem Vogtherrn verbüßt und bestraft. 
Auer und Schwanbach, weil sie keine Schöpfen 
geben, werden begebenden Fäll durch des Orts 
schultheißen vorbracht und gerügt und verwehren 
sich dardurch der Strafen und ziehen sich ihre 
Nachbarn aus dem Eydt. 
Batten, Deitten, Seyfertz und Fündlos alle 
fuldaisch, welcher Gestalt diese 4 fnldaischen Dvrf- 
schasten der Centh Auersberg oder Hilters augehörig, 
das ist aus dem Kaiserl. Kammergerichtsurtheil 
von anno 1552 zu befinden. 
Heege des Halsgerichts. 
Demnach in Recht erkannt, daß es wohl an 
der Tagzeit sey, daß ich des Hochwürd. unsers 
gnädigen Fürsten und Herrn von Würtzburg Hoch
	        

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