Full text: Hessenland (15.1901)

91 
Rheinbundes, die Nachtheile der Fremdherrschaft, 
aber zu Schmähungen ihres bisherigen Abgottes 
Napoleon lassen sie sich nicht hinreißen. Dadurch 
unterscheiden sie sich von gemeinen Ueberläusern. — 
Der Verfasser hat ein Bild der Zeit entworfen, 
abgerundet und lebendig, wie man es nicht oft 
findet. Wenn es erlaubt ist, einige Wünsche für 
eine zweite Auflage, die das Werk hoffentlich bald 
erlebt, auszusprechen, so möchten wir um ein 
Register bitten. Die chronologische Anordnung ist 
für schnelleres Nachschlagen doch wohl nicht aus 
reichend. Von „Salinen und Minen im Harze" 
ist (S. 45) die Rede. Bloß die Bergwerke können 
im Harze gesucht werden; denn es giebt hier nur 
eine einzige Salzquelle, die von Juliushall-Harzburg. 
Vielleicht würde das Verständniß (S. 241) durch 
eine Anmerkung gefördert, daß der westfälische 
General Bastineller nicht etwa bei Helsa, sondern 
erst in der Fuldagegend bei Morschen einen 
Zusammenstoß mit den Russen hatte. 
Das sind aber so unbedeutende Kleinigkeiten, 
daß sie den Genuß des Buches nicht im geringsten 
beeinträchtigen. Es verdient, in den weitesten 
Kreisen der Gebildeten bekannt zu werden, zumal 
im Hessenlande. An der Ueberschrift „Bayern 
und Hessen" braucht sich niemand zu stoßen; denn 
das letztere Land trägt den Löwenantheil davon. 
Wer aber (S. 21) liest, wie die westfälische 
Regierung nach den: hessischen Staatsschätze ge 
forscht und gesucht hat, der versäume nicht, in 
unserer Zeitschrift „Hessenland" nachzuschlagen. 
Dr. H. Brunne r hat ehemals über die Rettung 
des Schatzes ausführlich und spannend berichtet 
(Jahrgang 1896, Nr. 1 folg.). 
Dr. Armbrust. 
Ludwig Gabillon. Tagebuchblätter — Briese 
— Erinnerungen. Gesammelt nnd heraus 
gegeben von Helene Bettelheim-Gabillon. 
Mit 6 Porträts und 7 Abbildungen. Wien, 
Pest, Leipzig. A. Hartleberüs Verlag. VII u. 
812 S. Brosch. M. 6.—. 
In dem vorliegenden Werke, das ein Bild von 
dem Lebenslaus des 1896 verstorbenen berühmten 
Schauspielers am Wiener Burgtheater Ludwig 
Gabillon geben soll, hat die seit 1881 mit 
Dr. Anton Bettelheim vermählte Tochter Ga- 
billoiüs mit Hülfe von Altersgenossen, Kollegen 
und Freunden ihres Vaters dessen Tagebücher, 
Briefe und sonstige werthvolle Notizen gesammelt, 
chronologisch geordnet, und so, durch eigene bio 
graphische Aufzeichnungen nnd Beigaben ergänzt, 
zu einem stattlichen Buche vereinigt. Für uns 
Hessen enthält die so entstandene Künstlerbiographie, 
abgesehen von deni allgemein interessirenden Inhalt, 
einen besonderen Reiz nnd Werth durch das sich 
auf Kassel und Escheberg beziehende fünfte Kapitel 
„Kassel uüd Hannover" (S. 48 — 62), aus dem 
wir an anderer Stelle dieser Nummer eine Probe 
mittheilen. Auch sonst enthält das Buch mancherlei 
Hessisches, Beziehungen Gabillon's zu Dingelstedt, 
Mosenthal, Karl von der Malsburg, Katzenstein, 
Otto Braun, Löwe, Rodenberg rc. Letzterer hat 
auch ein dem Andenken Gabillon^s gewidmetes 
Erinnerungsblatt aus der Jugendzeit — Rodenberg 
machte als junger Göttinger Student die Be 
kanntschaft des Künstlers in Hannover — beige 
steuert, das sehr lesenswerth ist. Wir können 
unsern Lesern vorliegende Biographie als ein äußerst 
fesselnd geschriebenes, vornehmes Werk redlich em 
pfehlen, dessen Lektüre niemand unbefriedigt läßt. 
S. 
Der 21. Band der Zeitschrift des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde 
(Band 34 der ganzen Folge) ist soeben nebst den 
Mittheilungen an die Mitglieder (Jahr 
gang 1899) zur Ausgabe gelangt. Er enthält 
folgende Aufsätze: 
1. Die Vertheidigung von Rheinsels im De 
zember 1692 durch die Hessen. Von Karl von 
Stamsord. — 2. Zur älteren Geschichte des 
Stiftes, der Kirche und Stadt Wetter und der 
Burg Mellnau. Von August Heldmann. — 
3. Eine unbekannte Flugschrift über die Schlacht 
bei Hessisch-Oldendorf im Jahre 1633. Von 
Dr. O. Zaretzky. — 4. Zur Geschichte des 
Gerichts Viermünden und seiner Geschlechter. 
III. Das Geschlecht von Dersch. Von August 
Held mann. — 5. Zur Lebensgeschichte Wiegand 
Lanze's. Von Julius Pi stör. — 6. Miscellen. 
7. Bücherbesprechungen. 
Zur Besprechung eingegangen: 
Die Iw einbild er aus dem 13. Jahrhundert 
im Hessen hos zu Schmalkalden von 
Paul Weber, ao. Prof, an der Universität 
Jena. Leipzig und Berlin, Verlag von 
E. A. Seemann. 1901. 4°. 24 @. Mark 2,50. 
Burg Steckelberg, Die Stammburg Ulrichs 
von Hutten. Von C. Krollmann. Berlin W. 
1901. Verlag von C. A. Krollmann & Co. 
8°. 55 S. 
Gedichte von Io h an nette Lein. Mit einem 
Geleitwort von Alfred Bock. Gießen, I. 
Ricker'sche Verlagsbuchhandlung. 1899. 62 S. 
Mark 1,50.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.