Full text: Hessenland (15.1901)

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lässigkeit auszeichnet. Der Wunsch Estor's ging 
übrigens nicht in Erfüllung; Lütter's reicher hand 
schriftlicher Nachlaß findet sich in den Archiven 
der Nachkommen seiner einzigen Schwester, der 
Frhrn. Schenck zu Schweinsberg auf Schmidthos, 
Rülfenrod und Hermannstein. — Auch nach dem 
Erlöschen des Geschlechts hat Estor sich noch 
wiederholt mit der Geschichte der von Lütter be 
schäftigt; zweifellos auf Grund des Materials, 
das ihm die Erben Erhard George's, die ehe 
maligen Atündel Estor's, zugänglich gemacht haben. 
Es sind die Abhandlungen: „Von der lehnsfolge 
in den Fnldaischen lehnen in dem beispiele der 
geeichte Grosen Lüdcr auch Jossa." (Neue kleine 
Schriften I, S. 578-601); „Vom alten schlosse 
zu Grosen-Lütter unfern Fulda" (daselbst II, 
S. 223—233); „Die dem Joh. Frider. Schannat 
im Fnldaischen lehnhofe unrichtig angegebene 
Nachrichten" (daselbst II, S. 234 — 239). Alle 
diese, sichtlich ans Originalguellen geschöpften, Nach 
richten sind dem Antor der neuen Abhandlung, 
zum Schaden seiner Arbeit, unbekannt geblieben. — 
Die v. Lüder saßen in dem Schlosse zu Großen- 
Lüder, das die Oberbnrg geheißen zu haben 
scheint, im Gegensatz zu der Nieder- oder 
F r ö s ch b u r g unter dem Lindenberg, die zur Zeit 
des letzten Lüdcr bereits in Ruinen lag. Einen 
dritten Vnrgsitz daselbst besaß die Familie Döring. 
Er wird als D ö r i n g s b u r g oder Hinter b u r g 
bezeichnet. 
Als Wappen führten die v. Lüder, nach eigener 
Angabe Erhard George's, eine silberne Heppe, 
Kneip oder Rebmesser mit goldenem Griff, im 
rothen Feld. In den älteren Siegeln ist sie nicht 
senkrecht, sondern schrägrechts gestellt; so z. B. bei 
Witzel und Simon von Lutere in 1353. Die 
Familie ist seit der Mitte des 13. Jahrhunderts 
nachweisbar. Sicher gehören die Gebrüder Lertllous, 
Fridsrieus et Heinliaräus de Fuder zu ihr, die 
in einer Kloster-Blankenaner Urkunde als Zeugen 
erscheinen. Dieses Kloster lag theilweise in der 
Cent Großen-Lüder. Ein Reginhard v. L. kommt 
bereits im Jahre 1250 vor (Schannat, Dio666si8 
Fuldensis, S. 285; Corpus traditionum Fuld., 
S. 364). Die spätere Genealogie kann aus den 
Tafeln bei Estor ersehen werden. Es sei davon 
nur erwähnt, daß das Geschlecht frühe in zwei 
Stämme zerstel, die, nach ihren Stiftungen in der 
Pfarrkirche zu Großen-Lüder, als die des Kreuz 
altars und des Marienaltars bezeichnet wurden. 
Der erste Stamm erlosch kurz nach 1483; er 
vererbte seinen Besitzantheil auf weibliche Nach 
kommen: die v. Bohneburg, Bischhänser Linie. 
Der andere Staunn zerfiel in die Linien zu Müs 
bei Großen-Lüder, die 1568 erlosch, und die zu 
Loßhausen. Dieser Schwälmer Ansitz war im 
15. Jahrhundert durch Heirath mit der Erbtochter 
des Geschlechts Waldvogel an die v. Lüder 
gelangt. 
Nicht hierher gehörig war Heinz v. Lüder 
(Lentther), der bekannte hessische Staats- und 
Kriegsmann. Herr Schäfer hat übersehen, daß 
ich bereits vor über 20 Jahren nachgewiesen habe, 
daß er bürgerlicher Herkunft war. Sein 
ganz abweichendes Wappen zeigt eine Lilie im 
gespaltenen Schild. (Qnartalblätter des historischen 
Vereins s. d. Gr. Hessen, 1880, S. 8; das Wappen 
schon richtig bei Strieder, Grundlage XVI, S. 137.) 
(Fortsetzung folgt.) 
Gtii Uc|)V in Königsberg im 16. Jahrhundert. 
Von Karl Knetsch. 
(Schluß.) 
111. 1567, kurz vor dem 13. Juli. 
(Original tut Staats-Archive zu Königsberg.) 
Vor euch grosiiiechtigenn edlenn nnnd wolgeborne 
gnedige Herrn« erscheine ich armer srembder elender 
nnnd bringe e. groSmechtigkeitt nnnd g. inn aller 
demntt kleglichen vor, wie das mir der edle nnnd 
wolgebornne Herr Truchses hentte nach mittack durch 
einnenn schützen vom schloß herab hatt lassen« 
ansagen« nnnd zu enbieten mitt solchen« wortten, 
nemblichenn, ich soldte mich noch heuttiges tages 
bei sonnenscheinn von« hinnen anß der stadt 
machen«, nnnd so ich aber darüber morgens würde 
ergriessenn werden«, alsdann so soldte man mier 
den kopff abfchlagenn, daranff ich den schützen ge- 
sragett, was die Ursache wehre, ehr aber geandt- 
wvrtt, es wehre ihme keinne Ursache angetzeigtt, 
über solchen schweren hartten nnnd ernsten bofheel 
ich mich höchlichenn vorwnndertt nnnd endtsetzett; 
so gelangett demnach mein demnttiges und undter- 
theniges biettenn nnnd begerenn ahnn e. g. nnnd g., 
sie wollenn nmb gottes nnnd der gerechtigkeitt 
willen« mir ahrmen unschnldigenn hierein ihren 
radt nnnd undterricht genedigst mitt theilen«, ich 
weis nichtt, mitt.was rechtt man mihr ohne alle 
Ursachen« soldte die stadt vorbieten, so ich meinnem
	        

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