Full text: Hessenland (15.1901)

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Airs Keirncrltz un6 Arremöe. 
Murhard ^ sche Stiftung. Bei dem Wett 
bewerb für den Neubau der Murharduschen 
B i b'l i o t h e k, für welchen 4 8 Entwürfe eingegangen 
waren, hat den ersten Preis der Architekt Hagberg 
in Friedenau bei Berlin erhalten, den zweiten 
Architekt C. Müller in Hannover, den dritten 
Architekt Münz in Bremen, den vierten die 
Architekten Emmingmann und Becker in Berlin. 
Kasseler Geschichtsverein. Der Verein 
für hessische Geschichte und Landeskunde hielt am 
Montag den 4. März im kleinen Saale des 
Evangelischen Vereinshauses seine Monatsver- 
sammlung ab, welche sich eines zahlreichen Besuches 
erfreute. — Der Vorsitzende, Herr Oberbibliothekar 
Dr. Brunner, eröffnete dieselbe und erstattete 
hierauf geschäftliche Mittheilungen, die sich zunächst 
ans den Zugang und Abgang von Mitgliedern 
bezogen. Im Laufe des letzten Monats sind dem 
Verein acht Herren beigetreten, dagegen betrug der 
Abgang nur ein Mitglied. An Geschenken gingen 
ein: Der Bote ans Oberhessen, der z. B. folgende 
3 Aussätze im Jahrgang 1900 enthält: Wetter 
und Mellnau; Die letzte Hinrichtung in Marburg; 
Aus der Blüthezeit des Handwerkburschenthums. 
Der freundliche Geber ist Herr Rentier Louis 
Müller zu Marburg. Ferner ging von Herrn 
Kaufmann Finckbohner zu Kassel eine ganze Reihe 
von Geschenken ein, von denen nur folgende hier Er 
wähnung finden mögen: je zwei Pläne von Kassel 
und Münden, zwei Bilder von Wilhelmshöhe, die 
Löwenburg und große Fontäne darstellend, und 
fünf Soldatenbilder vom Regiment Leibgarde zu 
Kassel. Hierauf ging der Vorsitzende dazu über, 
den angekündigten Bortrag über Theophilns 
Neuberger zu halten. Das Lebensbild, das der 
Redner von diesem hessischen Superintendenten ans 
den Zeiten des 30jährigen Krieges entwarf, war hoch? 
interessant und fand den vollen Beifall der Zuhörer. 
Unter Haltung sab end des Vereins für- 
hessische Geschichte und Landeskunde zu 
Kassel. Am Montag den 11. März fand der 
zweite außerordentlich zahlreich besuchte wissen 
schaftliche Unterhaltungsabend des Vereins für- 
hessische Geschichte im Casö Verzctt statt. Zunächst 
sprach Dr. Schwarz köpf in fesselnder Weise 
über die Entstehung der Straßennamen der Stadt 
Kassel und bezeichnete es als eine Pflicht der 
Dankbarkeit das Andenken an geschichtliche Er 
eignisse und hervorragende Männer durch Straßen 
benennungen fortleben zu lassen. Einen zweiten 
Vortrag hatte der stellvertretende Vorsitzende des 
Abends, Kanzleirath Nenber, übernommen. Er 
verbreitete sich über die Geschichte der. Kasseler 
Felsenkeller vor dem Franksnrterthore, die seit 
Alters her ein Lieblingsausenthalt der Kasseler- 
Bürgerschaft gewesen und durch Ernst Kocksis 
klassische Beschreibung in seinem Prinz Rosa-Stramin 
weiteren Kreisen bekannt geworden sind. Zum 
Schluß legte Bankier Fivrino mehrere Briefe 
Philipp's des Großmüthigen und einen Schutzbrief 
Tilly's vor, welcher den Bauern in Braunschweig 
die Feldbestellung im Frühjahr sicherte. Genannter 
Herr zeigte auch den Abdruck einer ungeprügten 
Medaille zur Erinnerung an die Grundsteinlegung 
der Kattenbnrg und eine große Handzeichnnng 
dieses hessischen Fürstenschlosses. 
Universitätsnachrichten. Der außer 
ordentliche Professor an der Universität Würzburg 
Dr. med. Scheuet wurde zum ordentlichen Pro 
fessor an der Universität Marburg (nicht Würz- 
burg) ernannt. — Der Professor der romanischen 
Philologie und Direktor des romanischen Seminars 
in Marburg Professor Dr. Ko schwitz ist für das 
Sommersemester 1901 zu einer Studienreise nach 
Frankreich beurlaubt worden. — Der bekannte 
Kunsthistoriker, Geh. Regierungs-Rath Professor 
Dr. Karl Justi in Bonn, ein Bruder des Mar- 
burger Orientalisten, ist vom Kultusminister auf 
seinen Antrag vom Abhalten von Vorlesungen ent 
bunden worden. 
Todesfall. Am 2. März ds. Js. starb zu 
I Frankfurt a. M. der bekannte Dichter in Wetterauer 
Mundart Peter Philipp Geibel, Thierarzt 
zu Höchst a. M., früher in Battenberg. Der Ver 
storbene, 1882 geboren, war ein Bauerssohn aus 
Klein-Karben bei Vilbel und besuchte das Gym 
nasium zu Büdingen und die Universität Gießen, 
wo er sich dem Studium der Thierarzneiwissen 
schaft widmete. Er schrieb im Dialekt der südlichen 
Wetterau und gab seine gesammelten Gedichte unter 
dem Titel „Humoristische Gedichte" (Friedberg. 
Verlag von Scriba) heraus. Nicht ausgeschlossen 
ist (Näheres ist uns nicht bekannt geworden), daß 
der verstorbene Dichter mit Emannet Geibel 
entfernt verwandt ist, dessen Vorfahren bekanntlich 
ans der Nähe von Hanau stammen. 
lterthumsf n n d. Bei Gelegenheit der Aus 
besserung eines Backofens in Weidenhausen (bei 
Marburg) fand sich im Gewölbe eingemauert eine 
eiserne Platte mit der Jahreszahl „1076". Darüber
	        

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