Full text: Hessenland (15.1901)

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„Den 11. Decembris alß der katholische 
Pfarrer zu Hottenrode gepredigt, haben die 
Förster den Schultheißen und Curdt Diderichen 
auf dem Kirchhofe alß sie aus der Kirchen 
gangen, gefangen genommen und auf Bcvelch des 
Oberambtmans znm Greiffenstein in Hafft ge 
setzt." 
„Den 18. Decembris, Eichsfelder und Braun 
schweiger bey der Kirchen Hottenrode stark zu 
sammen gewesen, die Eichsfelder entweichen 
müssen." 
Auch uoch im folgenden Jahre wurde der 
Kampf fortgesetzt. 
Noch einmal wandten sich die Herren von 
Hanstein am 22. Februar bittend und zugleich 
beschwerdeführend an den Kurfürsten. Besonders 
trafen ihre Vorwürfe den eichsfeldischen Ober 
amtmann von Strahlendorsf, den sie anklagen, 
„das Unwesen in Hottenrode erregt zu haben 
und daß dadurch ein erbitterter Kampf zwischen 
Kurfürstlichen und Herzoglichen Beamten ent 
brannt sei, daß bald dieser, bald jener Theil die 
Gewalt an sich reiße, bald dieser bald jener mit 
blutigen Köpfen davoneilte". Zur Wieder 
herstellung des Friedens halten sie die Absetzung 
Strahlendorff's für nöthig. 
Zwar erhalten die Bittsteller am 18. April 
eine Antwort, aber ihre Wünsche werden nicht 
berücksichtigt. 
Wenn auch die offenen Feindseligkeiten auf 
hörten, so nahmen doch die Bedrohungen und 
Bedrängungen der lutherischen Eichsselder seitens 
der Katholiken ihren Fortgang. Vergebens ver 
bot der Kurfürst den Besuch der Hottenröder 
Kirche. Immer wieder wurde sie der Sammel 
platz der lutherischen Eichsfelder, so daß der 
Oberamtmann bezw. der Kurfürst fortwährend 
genöthigt war, „bei Leibs und Guts Straffe" 
den Besuch der Hottenröder Kirche zu untersagen. 
Noch im Jahre 1618 „fügt Wilhelm Dieterich 
von Daun, Thum-Kapitnlar von Mainz und 
Wormbs und Thum-Probst allen Unterthanen zu 
Hohengandern zu wissen, welche sich gelüsten 
lassen, in der Hottenroder Feldkirchen eines zur 
Ungebur und Neuerung sich eindringenden 
Prädieanten, der katholischen Religion widrige 
Predigten zu besuchen und den von ihnen ver 
richteten Gottesdienst zu verlassen — sollen sich 
dessen bei geschwinder und scharfer Strafe ent 
halten". 
Dieses Pönalmandat beweist zur Genüge, daß 
alle bisher versuchten Einigungen erfolglos ge 
wesen waren: vergebens war es, daß die Herren 
von Hanstein 1613 wiederholt für ihre Unter 
thanen Hilfe bei dem Kurfürsten suchten, weder 
Bitten noch Beschwerden fruchteten; selbst eine 
persönliche Aussprache, die 1615 zwischen dem 
damaligen Kurfürsten von Mainz und dem 
Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig in 
Nordhausen stattfand, brachte keine endgiltige 
Entscheidung über das Schicksal der vielumstrittenen 
Kirche. Noch manches Jahrzehnt war sie den 
um ihres Glaubens willen Bedrängten eine 
Stätte der Zuflucht linb des Trostes; allen 
Stürmen hat sie Stand gehalten, und noch heute 
gehört sie zu den lutherischen Kirchen unseres 
Vaterlandes, noch heute findet in dem schmuck- 
losen Hanse Gottesdienst statt, wenn nämlich auf 
dem kleinen Friedhofe, der die Kirche umgürtet, 
ein Erdenpilger zur letzten Ruhe bestattet 
wird. . . . 
Annähernd drei Jahrhunderte liegen die kon 
fessionellen Kämpfe zurück. Gleichwohl klingen 
noch heute die Ereignisse jener unheilschwangcren 
Zeit in den Gemüthern nach, lebt noch heilte die 
Geschichte des einsalnen Feldkirchleins in der Er 
innerung der Landbewohner — umwvbcn von dem 
Schleier der Sage. 
Der Fechtmeister. 
Skizze von Heinrich Doerbeckcr. 
Zwischen all dem Schreibtischkraul liegt das 
kleine weiße Blatt so hilflos da, als ob es sich 
verkriechen möchte vor diesem harten, leeren Blick, 
der immer wieder zu ihm zurückkehrt. 
Und mechanisch, wie sein Blick, arbeiten Halls 
Rieuard's, des Fechtmeisters, Gedanken, die in das 
leere Nichts schweifen und immer wieder zurück 
kehren zu dem kleinen, weißen Blatt. 
Ein paar Zeilen nur — einfach lächerlich dieses 
verliebte Zeug, weun's nicht so bitter ernst gerade 
für ihn wäre .... 
Die Schrift . . . eigentlich eine flotte Schrift 
das ... . 
Kräftig hingestellte, klare Buchstaben . . . 
Die Hand führt feine schlechte Klinge.
	        

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