Full text: Hessenland (15.1901)

63 
Wir wollen ihn im Folgenden selbst reden hören, 
wie er anschaulich seine bitteren Leiden erzählt. 
Sein Bitten und Flehen, die Hinweise auf 
seine vornehme Verwandtschaft, ja selbst seine 
Drohungen halfen ihn: nur soviel, daß er 
wenigstens die ihm bevorstehende Folterung ab 
wandte. Man ließ ihn schließlich, als man seine 
Politische Unschädlichkeit erkannt hatte, laufen. 
Er mußte aber vorher vor den Räthen Urphede 
schwören und dann, auf ewig des Landes ver 
wiesen, Hals über Kopf Königsberg verlassen. 
Was aus ihm später geworden ist, ob er wirklich 
bei seinem hessischen Laudessürsten, wie er drohte, 
sich sein Recht gesucht oder bei des Herzogs 
Schwiegersöhne Haus von Mecklenburg ein 
Unterkommen gefunden hat, das wissen wir nicht. 
In die hessische Heimath scheint er für längere 
Zeit nicht zurückgekehrt 31t sein. 
Beilagen: 
I. Supplik vom Februar 1567. 
(Original im Staats-Archive zu Königsberg.) 
Durchleilchtiger hochgebvruer surft, geuediger 
her, e. f. d. feint in schuldiger Pflicht meine 
underthenige gehorsame willige dienste jeder zeitt 
ungespartt zuvor bereitt, geuediger her, ich armer 
elender betrubtter und nuhn mehr trostloser gesel 
kan auß hochdringender notth mein groß hertzlichs 
leydtt und jammer mitt cleglichcm schmertzen 
e. f. d. vorzuetragen nicht umbgehen, mitth under- 
thenigster bitte, e. f. d. wollen diß mein demütiges 
und cleglichs suppliciren in gnaden aufnehmen und 
verlesen lassen, darauß sie, wie es mir armen gesellen 
so elendiglich gehett, guugsam erkennen und ver 
neinen werden, und ist umb meine sachenn dero- 
massen geschaffen, wie volgett, nemlich 
es hatt mich Matthias Horst seliger gedechtnnß 
ihm nechst verschienen jare aus e. s. d. bevelch in 
selbst eigener Personen in die Herberge zum weiften 
schwane gesnrett und eingeleget, und dem wirtt 
angezeiget, er solle sich meinett halben nichts be 
fahren, dieweil e. f. d. alles, so an kost und 
zernng wurde auffgehen, genediglichen wolle endt- 
richten lassen, welchs ich mitt Steinbachs und 
Horsten seligen eigen handtbekendtnuß darthuen kan, 
darumb dan auch Peter Morlin gutte wissent- 
schafft hatt und mir des gezengnnß geben wirtt. 
Und hatt mich mein wirtt Hack also auf Horsten 
Vertröstung als einen gast williglich angenommen, 
der gentzlichen zuversichtt, es werde ihme seine 
bezalnng, wie bishero alle zeitt geschehen, dißmal 
auch nnwegerlich erlegett und vergnllgett werden. 
Dan hette mein wirtt Horst als e. f. d. ratth 
daznemal nichtt vollen glauben geben, so hette er 
mich nichtt vor einen gast angenommen; soltt er 
nuhn aber Horsten als einem fürstlichen rath, der 
seines Hern bevelch außrichtet, nicht festen glauben 
geben haben, so hette er ia hierin nichtt wohl 
gethan. Dieweil aber der wirtt des erlichen 
redtlichen frommen gemuts gewesen, hatt er mich 
aus e. f. d. bevelch zue sich genommen, und das 
gantze jare durch bey sich gehausett. Neben dem, 
was meine persone belangett, hatt Horst mir auch 
ernstlich bevolehn, ich solle mich nicht von hinnen 
begebenn, sondern ein kleine zeitt aufwarten und 
gedultt tragen, dan e. f. d. wollen mich im lande 
behalten, bey i. g. odder bey irer jungen herschafft 
mitt dienst versorgen, auff welche e. f. d. tröstliche 
zuesagnng ich mich bißhero, wie dan auch noch 
iehiger zeitt, knnlich verlassen habe. 
Das ich aber das gantze jare durch mitt meinem 
grossen schaden auffgewartett und meine ab- 
fertignng nicht bekommen habe, ist nichtt meine 
schnldtt gewesen, sondern (erbarm es gott) des 
leydigen unsals, so Horsten umb sein junges leben 
gebrachtt. Ruhn weiß es gott, das mir ofstermals 
die zeitt hero vieler Herren dienste seintt ange 
tragen, sonderlich aber von e. s. d. söhne Herzog 
Hanß von Meckelbnrgk; dieweil ich aber e. f. d. 
vor andern zue dienen einmahl angelobett, habe 
ich derowegen keinem andern Hern meyne dienste 
können noch wollen praesentiren; dan so ich mich 
bey andern Hern in dienste hette eingelassen, hette 
ich warlich Widder mein ehr, treue, redligkeitt und 
gewissen gethan, davor mich gott in ewigkeitt be- 
hntte. 
Bin also durch solche meine langwirige anff- 
wartung in grossen schweren schaden kommen und 
habe meines armuts an kleydnng und allerley 
nottnrfft die zeitthero über neunzig thaler an 
gewandtst hoffe aber gentzlich, e. s. d. werden 
meinen schaden nicht begehren, undertheniglich 
bittende, e. f. d. wollen als ein frommer cristlicher 
surft und liebhaber der stndien mich armen hnlff 
und trostlosen gesellen bedencken, und mir wegen 
e. s. zuesagnng, so sie mir zweymal in irem 
fürstlichem gemach mitt eigener handtt gethan, 
genedige hnlff und forderung (daran ich nicht 
zweiffele) erscheinen lassen, damitt ich meinen wirtt 
zuefrieden stellen möge. 
Ferner bitte ich auch undertheniglich (so man 
mich vor keinen dienern lenger haben noch erkennen 
will), e. f. d. wollen mir litor^Z eommenänkitinZ 
an die römische kay. mayestett, meinen allen 
genedigsten Hern genediglichen mittheilen, dahin 
ich durch meinen schwagern. äoetvrsm Paulum 
Mommernm, unlängst beschrieben bin. Ich kan 
nicht lenger ohne dienst sein, ich muß warlich mich 
bey surften und Hern in dienst gebrauchen, wie 
alle meine freundtschafft thuett, ne ego solus
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.