Full text: Hessenland (15.1901)

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XV. Aassrgang. 
Kassel, 16. Mär; 1901. 
Iftärz, 
Don ^‘riihlitta^Ijoffeit leicht getragen, 
Pii* Locken tiuini im herben kvind — 
so folgt dem gold'nen Sonnenwagen 
Der lNärz — des lvinters jüngstes Rind! 
Er grüs;t die 'Knospen, träumt von Blüthen, 
Lacbt freundlich über i?anm nnd Strauch! 
rvenn sie sich doch nur bald bemühten 
Zn grünen nnter feinem Panch! 
Wie gerne hätt' er vorbereitet 
Dem neuen Frühling Feld nnd Flur, 
Lichtgrüne Schleier ausgebreitet, 
vermischt des winters rauhe Spur! 
Doch in sein Posten, sein Vemühen 
Stürmt eis'ger Flocken tolle Schaar! 
Im Wald nnd pange iveißes blühen 
rvie Silberkranz in braunem paar! 
Die Sonne sieht's — und Tropfen fließen 
von Lnsch und Zweigen weit nnd breit — — 
„Laß dich den Schnee nur nicht verdrießen, 
Schaff unverzagt — Dein ist die Zeit!" — 
F r o n 1) a n f e n. Aeannetle Uramcr. 
Jluf dem Sriedbor. 
Ich er an diesen stillen Grt 
pfleg' ich oft nnd gern zu gehen, 
An dein kleinen piigel dort, 
Meines Aindes Grab, zn stehen; 
Urtheilt über mich gclind, 
Ach, cs war mein cinzigs Rind. 
Ach, es war mein einz'ger Sohn, 
Meines Lebens schönstes Posten, 
Der in früh'ster Jugend schon 
ward vom Todespseil getroffen, 
Thränen strömten viele hin, 
Und der lchigel wurde grün. 
Stille, still, mein armes perz, 
poffnnng wächst auch auf dein Grabe 
Und verkündet meinem Schiiierz, 
Daß ich's nicht verloren habe, 
Daß einst Gott, was ich geliebt, 
Mir als Engel wiedergiebt. 
Drniir so steh' ich auch nicht hier, 
Um zn weinen und zn klagen, 
Weil inan meiner Liebe Zier, 
Meine Lust zu Grab getragen, 
Sondern richte Sinn uild perz, 
Aug' und pände himmelwärts. 
Aanzha usen. Heinrich Maumann.
	        

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