Full text: Hessenland (15.1901)

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Hesse verfaßte Bühnenspiel „Der Reichstag 
zu Speyer" (Marburg, N. G. Elwert'sche Ver 
lagsbuchhandlung, 1900) soll demnächst von Bürgern 
Kassels zur Aufführung gelangen. Die Regie be 
findet sich in den bewährten Händen unseres Lands 
manns Franz Treller in Kassel. Die Einzel 
proben haben bereits begonnen; die Betheiligung 
ist eine äußerst rege nnd gleichmäßige aus allen 
Gesellschaftskreisen. — Wir hoffen demnächst ein 
gehender ans das Werk der Dichterin zurückzu 
kommen. 
Universitätsnachrichten. Ter Privat- 
dozcnt für Kirchengcschichte in der theologischen 
Fakultät der Universität Güttingen, Icke. Di-, phil. 
Hans Achelis aus Marburg, wurde znm außer 
ordentlichen Professor iu der theologischen Fakultät 
der Universität Königsberg ernannt. — Am 19. Fe 
bruar d. I. waren 40 Jahre verflossen, seit sich 
Geh. Regierungsrath Professor Di-. Ferdinand 
I n st i an der Universität Marburg für das Fach 
der vergleichenden nnd germanischen Philologie 
habilitirte. Ferdinand Jnsti entstammt einem alten 
hessischen Prediger- nnd Gelehrtengeschlecht, dessen 
bekauutester Vertreter sein Großvater, der am 
27. August 1846 verstorbene Dichter und Gelehrte 
K a r l W i l h e l m I n st i ist. Geboren am 2. Juni 
1807 zu Marburg als Sohn des Pfarrers Wil 
helm Jnsti, besuchte er das Gymnasium seiner 
Baterstndt und begann Ostern 1856 seine Studien 
an der Marburger Universität nach dem Familien- 
brnnch mit der Theologie. Entscheidend für ihn 
nmr, daß Professor Gildemeister im selben Semester 
über Sanskrit las, durch den er bald in die ver 
gleichende Sprachwissenschaft eingeführt wurde, die 
seitdem den Hauptgegenstnnd seiner Studien bildete. 
1865 wurde er znm außerordentlichen, 1869 zum 
ordentlichen Professor und 1892 znm Geh. Re- 
giernngsrath ernannt. 1891/92 bekleidete er das 
Amt eines rector mngnificus an dortiger Universität. 
Bon seinen bedeutungsvollen Schriften sind hervor 
zuheben: „Handbuch der Zendsprache" 1864; 
Los nonis d'animaux on Kurde 1878 ; Geschichte 
des alten Persiens 187!); Dictionnaire Kurde- 
Fran^stis 1879; Kurdische Grammatik 1880; Ge 
schichte der orientalischen Völker im Alterthum 1886; 
Iranisches Namenbuch 1895; Geschichte Irans 
(Grundriß der iranischen Philologie) 1897 ; Hessisches 
Trachteubuch 1899 fs. — Gelegentlich seines fünf 
zigjährigen Doktorjnbilänms wurde unserem Lands 
mann, dem Geh. Hvfrath Prof. Dr. Wilhelm 
Schell an der technischen Hochschule zu Karlsruhe, 
einem geborenen Fnldaer, seitens der philosophischen 
Fakultät der Universität Marburg das Doktor 
diplom erneuert. — Der außerordentliche Professor 
an der Universität Würzburg Dr. med. Schenck 
wurde zum ordentlichen Professor in der medizinischen 
Fakultät der Universität Würzburg ernannt. 
Todesfall. In der Nacht vom 17. ans den 
18. Februar verstarb in Marburg einer der 
populärsten und geachtetstenMitbürger, Geh.Sanitäts 
rath Professor Dr. Otto von Heusinger, im 
71. Lebensjahr. Geboren am 5. Oktober 1830 
zu Marburg als Sohn des Geh. Medizinalraths 
Professor Dr. Friedrich von Heusinger, besuchte er 
das dortige Gymnasium und studirte in Marburg, 
Güttingen und Berlin Medizin. Ende der 5Oer- 
Jahre kehrte er in seine Vaterstadt zurück und ließ 
sich dort als praktischer Arzt nieder. Manche 
äußere Ehren und Würden wurden ihm im Lause 
der Jahre zu Theil. In seinem ärztlichen Berufe, 
der sich bald weit über Marburg und seine Um 
gebung erstreckte, wurde er zum Kreisphysikns, zum 
Mitglied der Prüfnngsbehörde für ärztliche Staats 
prüfung, zum ständigen Schriftführer der Marburger 
Gesellschaft der gesnmmten Naturwissenschaften, 
zum alljährlichen Delegirten des deutschen Aerzte- 
tages ernannt nnd in den Geschäftsansschuß des 
deutschen Aerztevereinsbnndes, sowie in die Aerzte- 
kammer der Provinz Hessen-Nassau gewählt. — 
Daneben erwarb er sich die grüßten Verdienste um 
seine Vaterstadt als Mitglied des Magistrats, 
indem er namentlich für das Schul- und Gesund 
heitswesen thätig war. In Würdigung dieser 
Verdienste ernannten ihn die städtischen Körper 
schaften an seinem 70. Geburtstag znm Ehren 
bürger der Stadt Marburg. Auch mag daran 
erinnert sein, daß der Verstorbene noch im vorigen 
Jahr ans dem Städtctag zu Schmalkalden über 
die Anstellung von Schulärzten für die städtischen 
Volks- nnd Mittelschulen reserirt hat. — Seine 
reichen praktischen Erfahrungen als Arzt stellte er 
auch in den Dienst der Wissenschaft. 1860 habilitirte 
er sich an der Marburger Hochschule und gehörte 
derselben nahezu 41 Jahre als Lehrer in ver 
schiedenen medizinischen Fächern an. 1892 wurde er 
zum Titularprofessor, 1898 znm außerordentlichen 
Professor ernannt. Von seinen Schriften seien 
erwähnt: De rnbeolis, vulgo „Rötheln". Habili 
tationsschrift 1860. — Ein Fall von angeborener 
Blasenniere. 1862. — Ueber die Getränke. Oefsentl. 
Vorträge rc. 1862. — Ueber das Turnen. 1863. — 
Doppelter Hirnabsceß. Thrombose des rechten 
8iuus transversus. Virchow's Archiv XL, S. 92 k. — 
Ein treuer Sohn unseres Hessenlandes, reich an 
Gaben des Geistes und Herzens, ist mit dem Ver 
storbenen dahingegangen.
	        

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