Full text: Hessenland (15.1901)

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Eiserheintz, den wir (Nr. 22, S. 287, Sp. 1) 
für einen Heinrich ausgaben, der viel mit Eisen 
umginge, betreibt noch im sechzehnten Jahrhundert 
das Schmiedehandwerk. 
Bodener (Nr. 23, S. 299, Sp. 2), als Faß 
binder erklärt, läßt sich durch die Pferde des 
Hospitals „Boddenholz" ans dem Walde anfahren 
und versieht Fässer und Bütten mit steifen. 
Spengler (Nr. 24. S. 309, Sp. 2). der 
Klempner, liefert dem Eeorgsstifte Blech, Lober 
(S. 309, Sp. 1), der Lohgerber, kauft ihm die 
Häute der geschlachteten Rinder zum Gerben ab 
und „lobt Kalpfelle", Bernhard Fischer (S. 299, 
Sp. 2) erhält Geld für Fische, Hans Torwirt 
(S. 308, Sp. 2) wohnt noch am Brückenthvre, 
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Auszeichn n n g. Unserem Landsmann, Schrift 
steller Dr. jur. Karl Wippermann in Groß- 
lichterfelde ist das Prädikat „Professor" verliehen 
worden. Karl Wippermann, geboren am 14. März 
1831 zu Rinteln als Sohn des verstorbenen kur- 
hessischen Finanzministers Wippermann, welcher dem 
sog. Märzministerinm angehörte, war Ende der 
sechziger Jahre Redakteur der „Hessischen Morgen- 
zeitung" und machte sich durch Arbeiten über hessische 
Geschichte sowie durch zahlreiche politische Aussätze 
bekannt. Bon seinen werthvollen Arbeiten seien hier 
genannt: Situation Kurhesseus gegenüber der rechts- 
nngültigen Verfassung vom 30. Mai 1800. — 
Kurhessisches Urkuudenbuch. 1801. — Teutscher 
Geschichtskaleuder für 1885 und 1898. — Fürst 
Bismark. 1891. — Bismark int Ruhestände. 
1891. — Bismarl's achtzigster Geburtstag. 1 *95. 
Weiteste Verbreitung fand seine „Politische Geschichte 
der Gegenwart" (1892 ff.), die von Wilhelm Müller 
begründet ward und vvit ihm noch gegenwärtig 
fortgesetzt wird. 
Geschichtsverein zu Marburg. In der 
am 22. Februar stattgehabten Monatssitznng des 
hessischen Geschichtsvereins sprach Kantor Becker 
aus Eappel über Wesen, Erhaltung und 
Pflege des d e u t s ch e u Volkslieds, be 
sonders in Hessen. Redner, der länger als 
seit einem Vierteljahrhundert Volkslieder aus dem 
Munde des hessischen Volkes gesammelt hat und 
mit den berufensten Arbeitern auf diesem Gebiet 
in Verbindung steht, wies kurz aus die seit Herder's 
„Stimmen der Völker" entstandenen Sammlungen 
von Volksliedern hin und betonte, daß Poesie und 
Musik unzertrennlich seien. Er wies das Absterben 
Heinrich Schmed (S. 308, Sp. 1) beschlägt die 
Hufe der Gäule, und Hans der Klein schmed 
(S. 308, Sp. 2) müht sich an Thürschlössern und 
Sensen ab. 
Die beiden Gewerbenamen Ulner (S. 308, 
Sp. 1) nnb Topper (S. 309, Sp. 2) sind als 
„Töpfer" gedeutet. Nun läßt (1549) der Vor 
mund des Hospitals von Valtiu dem Tvpsfer, 
der auch schlechtweg Baltin Topfs er heißt, die 
nöthigen Töpfe holen, bezieht aber einige Zeit 
später (1567) von V a lt ein llle r Ziegel. Beide 
scheinen eine und dieselbe Person z'n sein. 
Ta die erwähnten Namen sämmtlich feste Familien 
namen geworden sind, so verdienen sie wohl eitrige 
Beachtung. L. 4t. 
<4- 
xxnö gtremde. 
des Volksliedes in den von Fabriken und Eisen- 
bahueu belebten Gegenden nach und charakterisirte 
die Eigenart des ober- und niederhessischen Volks 
lieds. Tie oberhessischen Lieder sind schwerfällig, 
ernst, melancholisch, die niederhessischen heiter und 
leicht. Tie Greitze zwischen beiden beginnt dicht 
hinter Neustadt. Eine Spezialität in Hessen sind 
die Weinkanss- und Brantlieder. Unter den 
hessischen Gesellschastsliedern ist das bekannte „Ist 
alles dunkel, ist alles trübe" sogar unter dem Namen 
der hessischen Marseillaise verbreitet. An geistlichen 
Stoffen ist, wie überhaupt das Volkslied, Hessen 
arm; Ursache ist die fromme Scheu, das Heiligste 
in das Alltägliche herabzuziehen. -Kcbticr berührte 
sodann die Vvlksliederpslege. In unserer heutigen 
Zeit des Lurms, der Zerstreuung und nervösen 
Unruhe, des Dampfrosses und der Fabriken könne 
das Volkslied nicht mehr gedeihen. Statt dessen 
kämen Gasseuhatier, Tingeltangellieder, sreinde 
Soldatenlieder in die Dörfer und verdrängten die 
einfachen Volkstveisen. Auch seien die ländlichen 
Gesangvereine als Würgeengel des Voltsgesanges 
zu bezeichnen. Zum Schluß sprach der Herr Vor 
tragende von seinen eignen Sammlnngeit, die bereits 
über 200 ungedrnckte Volkslieder enthalten, und 
deren Herausgabe er demnächst beabsichtigt. Der 
Vorsitzende, Herr Geh. Archivrath 1)r. .Konnecke 
sprach die Hoffnung ans, daß es ihm vergönnt fein 
möge, den Plan auszuführen, und versprach, daß 
die Herausgabe des Werkes auf Bereinskosten be 
stritten werden sollte, weil es kaum eine für den 
Verein wichtigere Ausgabe gäbe. 
VolkSansführntlg. Das von der jugend 
lichen hessischen Tichteritt, Fräulein Alarie Luise
	        

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