Full text: Hessenland (15.1901)

M 5. 
XV. Jahrgang. Kassel, 1. März 1901. 
lteimattt. 
Aus tiefster Brust sehnt sich mein Herz nach dir, 
O meine Heimath, — die zu dieser stunde 
Schon schlafen ging und ihrer Sterne Zier 
Sanft widerstrahlt in ihrer Wasser Grunde. 
Durch deine Wälder rauscht die Witternacht, 
Von Dorf zu Dorf geht dumpf des Zornes Rufen; 
Das Licht des Mondes gleitet bleich und sacht 
Thalnieder von der Berge Rasenstusen. 
Vb es den jAatz noch kennt, wo es dereinst 
Zm Trlengrün zwei Glückliche umfangen? 
(D Mond, der du so voll durch's Fenster scheinst, 
Seitdem ist manche dunkle Nacht vergangen. 
And mancher wilde Tag. Ach Gott, wie weit 
Verlor ich mich in unglückseligem Ringen . . . 
Dumpf sinnt mein Hirn ... nur oft um diese Zeit 
Beginnt in mir ein weicher Ton zu klingen: 
„Aehr' um, kehr' um! Und ging die Liebe gleich 
Verloren mit der Zugend heißen Zähren, 
Zn deiner Heimath, deines Herzens Reich 
Hast du viel Heil'ges noch dir zu bewahren!" 
Berlin. Aulius Rotenberg. 
llbsclüed. 
Leichte Blüthenblätter sinken 
Lautlos rieselnd aus den Sand, 
Blaue Hügelketten winken 
Traumverloren über Land . . . 
Deines Häuschens weiße Wände 
Ueberstiegt der Abendschein, 
Und in deine beiden Hände 
Leg' ich mein Gesicht hinein. 
Grüßend zieht an uns vorüber 
Dieses Tages letztes Licht, 
Das von dir zu mir hinüber 
Späte Strahlenkränze sticht. 
Und dieweil wir zitternd warten 
Auf ein wundervolles Wort, 
Schleicht sich durch den stillen Garten 
Schon das Glück der Stunde fort . . . 
Stuttgart. Anna Ritter.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.