Full text: Hessenland (15.1901)

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mehr bäumt vorhanden gewesen zu sein scheint. 
Die Kirche wurde, wie dies auch bei der jetzigen 
Kirche der Fall ist, ans Staatskosten für die 
Genieinde unterhalten. Ter Weg zur Kirche auf 
dem Berge und die Bestattung der Verstorbenen 
daselbst war besonders im Winter und für bejahrte 
Personen recht beschwerlich. Am Ende des 18. 
Jahrhunderts hatte man daher — so erzählt 
man im Dorfe — schon mehrmals die Bitte um 
Verlegung der Kirche an eine bequemer erreichbare 
Stelle vorgetragen: aber erst als der damalige 
Landgraf, während er sich persönlich von der j 
Sachlage überzeugen wollte, bei Besteigung des ! 
Berges auf dem glatten Basalt selbst zu Falle ! 
gekommen war, soll er mit den Worten: „Nun ! 
soll sie aber herunter" die Verlegung der Kirche j 
gutgeheißen haben. Darauf wurde diese nieder 
gelegt-"), die neue an ihrer jetzigen Stelle errichtet 
und im Jahre 1800 ihrer Bestimmung über 
geben. 
Nun stand als letzter Zeuge entschwundener 
Pracht nur noch der einsame Klosterthurm aus 
der Bergeshöhe. Doch anet) dieser trug schon 
deutliche Zeichen künftigen Unterganges zur Schau. 
Noch aber tonnte turnt in ihm ein schönes Bau 
werk romanischen Stils cdcintcn und bei seiner 
Betrachtung zu der Ueberzeugung gelangen, das; ! 
das Kloster, wenn in derselben Weise ausgeführt, > 
cittft beut Auge des Beschauers einen genußreichen i 
Anblick gewährt haben muß. Ter Thurm tvar i 
8ie wird bei P fifter, üanbeotunbe von -Uur- 
bcficn, 1840, versehentlich für identisch mit der jetzigen 
gehalten. 
im Unterbau viereckig"Z, ging an der Grenze 
des unteren Drittels zum Achteck über und hatte 
nur in dem durch ein Fries abgegrenzten Dach- 
j ge schoß 4 durch eine Säule getheilte fensternrtige 
! Oesfnungen (Schalllöcher). Er erreichte (ohne 
j Bedachung) eine Höhe von etwa 27 in. Da er 
i auf seiner Westseite schon recht verfallen war und 
nicht mehr ganz senkrecht stand, bemühte ttuttt 
sich tu der ersten Hälfte des verflossenen Jahr 
hunderts durch Ausbessertlngeu und durch Auf 
führung einer Stützmauer den Verfall des schönert 
Bauwerks aufzuhalten. Hierbei wurde das große 
westliche Eingangsthvr -') vermauert und ein 
neuer kleinerer Zugang au der Ostseite geschaffen. 
Sv erhielt sich der letzte Rest der Klvstergebäude 
noch für einige Zeit und vielleicht würde sich 
unser Blick auch heute noch an ihm erfreuen 
können, weint nicht ein Naturereignis; seinen 
Verfall beschleunigt hätte. Ein Blitzstrahl spaltete 
bett Thurm am 1. Juli 1870 bis zur Mitte 
j seiner Höhe. Die Ruine ragte nun zwei,zackig gen 
! Himmel, bis in einem der folgenden Jahre die 
! südliche Zacke itiederstürzte. Im Winter 1890/97 ist 
der Rest infolge eittes Stttrntes zusammengebrochen. 
Nur der tmterste Theil des qttadratischen Unter 
baues steht noch inmitten eines Trümmerhaufens 
gewaltiger Bausteine. »Sic tninsit gdoriu mundi. 
2,i ) Abbildungen behuben sich auf der 2andesbibliothek 
zu -Misset; auch iu Baud III der Zeit sehr. f. Hess, (vesch. 
und aus Blatt 30 von Baud I itnb.Il der „Mittelalter!. 
Baudenkmäler Biedersnehseim", Beschreibuugeu au den 
beiden letzterwähnten 'Stellen und- iu dem sub Aum. 2N 
erwähnten Werke. 
3: ) deutlich erkennbar auf dem iu Anm. 2-1 angeführten 
Cclbilb. 
>,1lonch einer d' Gisrboh!" 
(Hinterländer Mundart.) 
D'r Hatlugörg') ett die Annekoath-) 
Däi winn inenaaner en die Stoadt, 
D'r Mvarget sroih do fähr he doach: 'ft 
„Haur es; e Meat i Gloareboach," 4 j — 
He nuhm sein Beächseranze") — 
Säi nuhm d'8 Tuch tuet Franze'ft 
En komme uu so ganz lischeerft 
Vo Wairehause d' Schosst her?) — 
S's hoale sich gemütlich Rvadft 
No d'r uaue Bvh,'") da en Zug kimmt groad. 
D'r Hanngörg spreächt: Wüst Oale du — 
Deß maste ois Ellern geseje hu, 
Ich gläwe s' kihme en Zweiwel 
En gläbte, deß wier d'r Deiwel. 
Iva Hanngörg, spreächt die Annekoath, 
Säi es; so schwvnrz en dampt so hont, 
To es; oach nit wing Feuer diern,") 
So e Stenck vv d'r Hüll' — dvas glätv ich giern,'") — 
Eu kannst mir wirklich glälve: 
Ich foahrn nit diern mei Läwe. 
Sv schwätze s'S, säht säi, säht he, 
Off emol dv: Ei Gvatt, Herrsch! 
Ei Annekoath! Ei Hanngörg, woas f 
Ei guck emol — wvas eß da doas'^ 
TvaS fleckt "ft jo groad die Schoffi her 
Wäi wanus d'r „GvattseibeieS"") wer — 
Gewirrer bei Her en Deiwel'") 
Etzt komm ich fealber en Zweiwel. — — — —
	        

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