Full text: Hessenland (15.1901)

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angelehnt zu haben und verlies von hier in nord 
westlicher Richtung. An sie schlossen sich die 
übrigen Klostergebäude an, die, aneinandergebaut, 
einen nach Osten konkaven Halbkreis bildeten, 
der in einer vom Thurm ans südlich zu ziehenden 
geraden Linie nahe dem Bergesrande endigte. 
Auch auf dieser Verbindungslinie scheinen sich 
Gebäude befunden zu haben. Wenigstens ist der 
Kreuzgang in dieser Gegend zu suchen. Der so 
gebildete Hos hatte südlich seiner Mitte einen 
Ziehbrunnen; ein zweiter Brunnen befand sich 
im Krenzgang?'') Der Eingang znm Klosterhos 
lag aus der Nordwestseite. Da das Terrain von 
Osten nach Westeil hin abfüllt, lag der Kloster 
hof mit ben umschließenden Gebäuden höher als 
die Hauptkirche, die östlichste (kleinste) Kirche aber 
noch tiefer als letztere. In dieser Weise sind die 
Worte bei Merian: „uud sind drei absonderliche 
Kirchen dem Berg nach über- oder aneinander 
gewesen" und „oben im Hvs" und „unterste 
Kirche" zu verstehen. Aus den Abbildungen bei 
Dilich erkennt man deutlich genug, daß die Wohn 
gebäude, übereinstimmend mit der Skizze des 
Landgrafen Moritz vom Jahre 1631""), westlich 
und südwestlich vom Thurm gelegen waren; östlich 
vom Thurm aber sieht man als Neste der Haupt 
kirche zwei bis drei Giebel, die etwa zwei Drittel 
der Thurmhöhe erreichen, und weiter östlich daran 
anschließend ein mit ehtcni Dach und, wie es 
scheint, auch Thürmcheil versehenes Gebäude, das 
wvhl die bei Merian erwähnte unterste itttb 
kleinste Kirche vorstellt, Diese war es, welche 
den Dorfbewohnern zum Gottesdienst überlassen 
war und bis zum Jahr 1800 benutzt wurde. 
Schlcreth irrt""), indem er anführt, daß der 
Chor der Hanptkirche mit der darunter befind 
lichen Krypta bis 1800 der Gemeinde Burg 
hasungen als Kirche gedient habe. Man kann 
auch nicht annehmen, daß bet Merian Krypta 
und Chor der Hanptkirche aus Versehen für eine 
besondere dritte Kirche angesehen wurde. Da der 
Chor der Hanptkirche zweifellos im Osten war^), 
Ohne Zweifel derselbe, der auf der Zeichnung des 
Landgrafen Moritz Nenn Jahre 1631 (aufbewahrt auf der 
Landcsbibliothek in Kassel) als Springbrunnen bezeichnet 
wird. 
"") Schlereth (1. <■.) hält dieselbe irrthümlich lediglich für 
einen Bebauungsplan; man sieht aber die non Moritz 
gezeichneten Gebäude deutlich ans den Abbildungen bei 
Dilich, die vor 1606 angefertigt wurden. 
21 ) Ueber eine spätere Abbildung dieser Kirche Nergl. 
Anm. 24. 
") 1. c. 
23 j Die ans S. 20 der „Baudenkmäler im Neg.-Bez. 
Kassel" befindliche Angabe, daß der Thurm an der Nord- 
feite des Chores gestanden habe, ist sicher unrichtig. Hier 
sind auch die Himmelsrichtungen arg miteinander verwechselt. 
so befand sich allerdings die unterste und kleinste 
Kirche nicht weit von ihm entfernt. 
Der Thurm scheint merkwürdiger Weise ziem 
lich isolirt gestanden zu haben. Wenigstens schloß 
sich der Bau der Hauptkirche nicht direkt an ihn 
an. Nur an der Nordwestecke des Thurmes ist 
augenscheinlich die zweitgrößte Kirche angebaut 
gewesen.^) An der sonst glatten Nordseite des 
Thurmes war noch nach 1876 ein deutlicher 
Dacheinschnitt an der Grenze des mittleren und 
oberen Drittels sichtbar. Man konnte annehmen, 
daß hier das Dach eines Zwischenbaues ansetzte, 
der einstmals (vielleicht vor einem der Brände) 
die Verbindung mit einem zweiten nördlichen 
Thurme oder doch, da dies sehr unwahrscheinlich 
ist, mit der Westwand der Hanptkirche herstellte. 
Doch fehlt es hierzu an weiteren Unterlagen. 
Der nordwestlich vom Thurm befindliche Teich, 
in dem einst der selige Heimerad, um seine fleisch 
lichen Gelüste abzutödten, manch kaltes Bad nahm, 
ist seit einigen Jahrzehnten ausgetrocknet. Nur 
an der tiefsten am südlichen User gelegenen Stelle, 
wo dieses durch eine Mauer geschützt ist, steht 
noch Wasser. 
Landwirthschastliche Gebäude haben sich augen 
scheinlich aus dein Gipfel des Berges nicht befunden. 
Es wäre aiich eine thörichte Mühe geweseii, Ernte- 
vorräthe da herauf zu schassen. Der zilm Kloster 
gehörige Oekonomiehof (auf ihn bezieht sich der 
bei der Säkularisation erwähnte Viehbestand) lag 
am Südausgcnlg des Dorfes östlich der Dorf 
straße. Von einigen noch vorhandenen Gebäuden 
abgesehen, wurde er vor etwa 35 Jahren an den 
Fuß des Berges und an die Straße nach Ehlen 
verlegt, wo wir ihn heute als Domäne Burg- 
hasilngen erblicken. 
Nach der Säkularisation dienten die Kloster 
gebäude den hessischen Landgrafen als Jagdschloß. 
Von den Kirchen war, wie wir bei Merian 
gelesen haben, ein Jahrhundert nach der Auf 
hebung des Klosters nur noch die kleinste vor 
handen. Die übrigen Gebäude wurden z. Th. in 
Kriegszeiten zerstört, z. Th. wegen Baufülligkeit 
abgebrochen, sodaß schon am Ende des 17. Jahr 
hunderts außer Thurm und kleinster Kirche nichts 
"tz Bergt. Zeichnung des Landgrafen Moritz, wo der 
hier befindliche Ban als Kapelle bezeichnet wird. An der 
selben Stelle sieht man auf einer im Besitz von G. Alades 
in Kassel befindlichen Oelstizze Mauerreste mit Kirchen 
fenstern. Das Bild zeigt uns auch die kleinste Kirche, 
gibt also die Gebäudereste vor 1800 wieder. (Ein nach ihm 
angefertigtes größeres Gemälde mit dem Titel: Hasnngen, 
das einstige Burgschloß des hessischen Fürstenhauses, wurde 
im Jahre 1875 von G. M. Mades der Herzogin Maria 
von Meiningen zum Feste der goldenen Hochzeit geschenkt. 
Hess. Blätter, 1875, S.208.)
	        

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