Full text: Hessenland (15.1901)

40 
und Göttingen bei. Die Stadt erkannte Erich 
als Landesherrn an, bezahlte die rückständigen 
Steuern und versprach, das herrschaftliche Gericht, 
den Wildbann und die Fischerei nicht weiter zu 
verkürzen. Das alles waren nur selbstverständ 
liche Pflichten der Unterthanen. Dagegen nahm 
der Herzog die Stadt in seinen Schutz und ver 
hieß, auf ihre Beschwerden einzugehen. Allein 
Erich's Haß gegen Güttingen, das den hessischen 
Schutzherrn zur Erhaltung der städtischen Unab 
hängigkeit ausspielte, war größer als seine Ver 
tragstreue. Die Belästigungen der Stadt und 
ihrer Kaufleute durch herrschaftliche Beamte und 
Reisige dauerten ununterbrochen fort, eine that 
sächliche Abstellung derjenigen Vorgänge, über 
welche sich die Göttinger beschwerten, fand nicht 
statt. Schließlich trieben die Bürger den herzog 
lichen Schultheißen gewaltsam aus der Stadt 
und nahmen zwei angesehene Genossen, die wegen 
Todtschlags vom Gerichte verurtheilt waren, in 
Schutz. Da verhängte Kaiser Maximilian (am 
20. November 1504) auf Erich's Antrag die 
Neichsacht über die Stadt. In dieser großen 
Gefahr erwies sich Landgraf Wilhelm als ein 
treuer Freund. Auf seine Verwendung wurde 
die Reichsacht wenige Monate später suspendirt 
und nach langwierigen Verhandlungen endlich 
ganz aufgehoben. Herzog Erich bemühte sich 
darauf, mit der Bürgerschaft wieder aus fried 
lichen Fuß zu gelangen. Durch die gute Ver 
mittlung anderer Städte glückte dies: Göttingen 
huldigte dem Herzoge, und er bestätigte die 
städtischen Vorrechte und Freiheiten (1512). 
(Schluß folgt.) 
Auf dem Haslinger Berge einst und fetzt. 
Von Oi-. R. Giese: 
(Schluß.) 
$ o anerkennenswerth es ist, daß die Reforma 
tion bei der Säkularisation der Klöster mit 
Instituten aufräumte, die zum größten Theil 
längst ihrer ursprünglichen Bestimmung entfremdet 
waren und der Zucht- und Sittenlosigkeit ihre 
Thore geöffnet hatten, — auch in Hasungen ging 
es nicht besser zu —, so ist doch hinsichtlich der 
Hasunger Abtei zu bedauern, daß die Säkulari 
sation derselben auch den Untergang der prächtigen 
Kirchen- und Klostergebäude nach sich zog. Nur 
lioch spärliche Trümmer erblicken wir heute, und 
uni den Standort der einzelnen Gebäude fest 
zustellen, sind wir in der Hauptsache auf die 
schriftliche Ueberlieferung angewiesen. Eine Be 
schreibung der um die Mitte des 17. Jahrhunderts 
(ein Jahrhundert nach der Säkularisation) noch 
vorhandenen Gebäude des Klosters findet sich bei 
Merian 16 ), wo es heißt: „Das Kloster an sich 
selbst ist dabevor von eitel Quaderstücken sehr 
köstlich und wunderbar erbauet und sind drei 
absonderliche Kirchen dem Berg nach über- oder 
aneinander gewesen neben einem hohen ganz aus 
Quaderstücken ausgeführten Thurm. Es mag 
dieses Gebüu wohl vorhin eines der allervornehmsten 
in Hessen und benachbarten Landen gewesen sein: 
wie solches noch aus den hohen Mauern bei den 
lr ‘) Merian, Topographia Hassiae, 1646 (Winckelmann, 
Hessenlands Beschreibung, 1697, hat das, was bei Merian 
steht, nur wörtlich wiedergegeben; daher schildert sein Be 
richt nicht etwa die Berhältnisfe. wie sie am Ende des 
Jahrhunderts waren). 
obersten Kirchen und Kreuzgüngen zu sehen. Die 
unterste, und zwar die kleineste Kirche stehet noch 
und wird zum täglichen Gottesdienste der daran 
gelegenen Dorfschaft gebraucht. Die andere Kloster- 
Gebäue sind auch alle gar altväterisch und sehr 
verfallen, doch noch bewohnet; im Kreuzgang wie 
auch oben im Hofe hat es durch den harten 
Wockenfels gehauene Brunnen und hinterm Hause 
an einer Ecken des Berges einen von Natur 
entstandenen Teich, so aber mehrentheils trüb und 
an einem Ort so tief ist, daß man gar keinen 
Grund fühlen und erlangen kann. Der Berg 
an sich selbsten u. s. w." 
An der Hand dieser Beschreibung und einiger 
aus gleicher Zeit herrührender Abbildungen 17 ) 
gelingt es, die Lage der Klostergebüude noch mit 
ziemlicher Sicherheit festzustellen. Die Gebäude 
befanden sich auf dem südlichen Drittel der Berg- 
oberfläche?Z Die Stelle des Klosterthurmes ist 
dem heutigen Besucher des Berges an dem zum 
Theil noch erhaltenen Unterbau des Thurmes 
erkennbar. Oestlich von letzterem erstreckte sich 
das Schiff der Hauptkirche in westöstlicher Längs 
richtung, weiter östlich und tiefer gelegen befand 
sich die kleinste der drei Kirchen. Die zweitgrößte 
Kirche scheint sich an die Nordwestecke des Thurmes 
*0 Bei Merian selbst (Abbildung von Wolfhagen mit 
Hasungen im Hintergrund) und bei Dilich, Hess. Chronika, 
Ausgabe von 1605 und 1606 (Abbildung von Wolfhagen 
und von Zierenberg mit Hasungen im Hintergrund). 
Q Die Beschreibung ihrer Lage von Schlercth (). c.) 
ist nicht zutreffend.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.