Full text: Hessenland (15.1901)

') Aur dem „Musenalmanach Marburger Studenten" (S. ;5). 
M 4 
XY. Jahrgang. 
Fiajsel, 16. Februar 1901. 
Geduld! 
Geduld! Ich kann ja nichts dafür, 
Daß mir's hier innen loht, 
Wenn Zwietracht rings und Lferrschbegier 
vermehrt des Volkes Noth. 
Geduld! Und flammt der Ljaß in mir 
wie meiner Liebe Gluth; 
Du weißt, inein Weib, ein Blick von Dir 
Wacht alles wieder gut. 
Geduld! Ich bin ja friedlich still, 
Auch wenn mein bferz noch schäumt, 
Und wenn die Welt ein And'res will, 
Als ich es schön geträumt. 
Genügt mein Heim doch Dir und mir 
Wie auch dem Fink sein Ast; 
Und fehlt uns wer, so laden wir 
Den lieben Gott zu Gast. 
Wien. fl. trabert. 
einsam. 
Still geh' ich Abends durch die Gassen — 
Scherz hallt und Aichern an mein Ghr. 
So einsam ich und so verlassen — 
Und steh'n doch zwei an jedem Thor. 
Scheu all dem Glück schreit' , ich vorüber, 
Der Wind nur streichelt mir das Haar, 
Wir klingt kein Aosewort herüber; 
Das eine hör' ich nur: es war. 
So treibt's mich freudlos auf und nieder — 
vom Thurme hallt die alte Uhr. 
Mir ist, als fragte sie mich wieder: 
Was suchst du nur — was suchst du nur? — 
M arbn r g. Heinrich voerbecker. 
Wovrr? Wol)in ? 
Woher? — wohin? — Das sind die Ziele, 
Die großen, in dem Weltgewühle, 
Und alle Zeit erregt den Sinn 
Des Wand'rers das: „woher? — wohin?" — 
Woher? — Wie magst Du's anders meinen 
Als: „Gott erschuf uns zu den Seinen!" 
wohin? — wie sprichst Du's kürzer aus 
Als in dem einen wort: „Nach Haus!" 
Dberklingen. Karl ernst Knodt.
	        

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