Full text: Hessenland (15.1901)

34 
c- 
gewählt die Herren General z. D. Eisen traut, 
Dr. Lange und Dr. Eysell, sämmtlich in Kassel 
wohnhaft. Auch wurde daraus aufmerksam gemacht, 
daß von jetzt ab die so beliebten Unterhaltungs 
abende wieder abgehalten werden sollen. Nächsten 
Montag, den 4. Februar, werde der erste Unter 
haltungsabend im Cafo Verzett von Abends 8 Uhr 
an stattfinden. Nach Erledigung der geschäftlichen 
Mittheilungen erhielt Herr Oberlehrer a. D. Grebe 
das Wort zu einem Vortrag über: „Dr. Vilmar 
als Germanist und Literar-Historiker". 
Hessischer Geschichtsverein zu Marburg. 
Am 25. Januar hielt der hessische Geschichtsverein 
zu Marburg seinen ersten Vortragsabend für das 
begonnene neue Jahr ab. Herr Professor Dr. Maaß 
sprach über „Ein Chattendenkmal im alten 
Rom". Dieses Denkmal, ein mit Waffen ge 
schmücktes, stark verstümmeltes Siegestropaeum, vor 
welches die weibliche Repräsentantin des über 
wundenen Volkes gestellt ist, befindet sich mit 
seinem Pendant seit dem Ende des 16. Jahrhunderts 
auf der Balustrade des Kapitols in Rom. Der 
ursprüngliche Standort war eine, im Mauerwerk 
noch jetzt leidlich erhaltene, antike Ruine aus dem 
Esquilin, ein Fa^adenbau, dessen oberes Stockwerk 
in den beiden äußeren von drei Nischen (wie ein 
Stich aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und 
Münzen des Kaisers Alexander Severus, aus dem 
3. Jahrhundert, also beweisen) oben jene beiden 
Tropaeen enthielt, während die große Mittelnische 
mit zwei aus jenen Münzen heute nicht mehr 
erkennbaren Gestalten ausgefüllt war. Das untere 
Stockwerk der Esquilinruine war zu einem Fa^aden- 
brunnen gestaltet, der durch süns Oesfnungen seine 
Wassermassen in ein Bassin ergoß. Alexander 
Severus war nur der Erneuerer, nicht der Schöpfer 
dieser in ihrer Doppelgeltung als Siegesbau und 
als Brunnensa^ade innerhalb der antiken Welt 
einzig dastehenden Anlage. Ihre wirkliche Ent 
stehungszeit ist durch den künstlerischen Charakter 
der beiden Tropaeen gesichert, die von den be 
rufenen Beurtheilern in die Zeit um 100 n. Chr. 
einstimmig gesetzt worden sind. Ueber den Er 
bauer selber unterrichtet eine noch in der Mitte 
des 16. Jahrhunderts an einem der beiden Tropaeen 
gelesene Inschrift; sie meldet, daß ein Freigelassener 
dem Kaiser Domitianus Germaniens das Denkmal 
geweiht hat. Es wird nun gezeigt, daß die In 
schrift sich nicht auf jenes Tropaeum allein, sondern 
aus den ganzen Bau (mit Einschluß der beiden 
Tropaeen) bezieht. Der geschichtliche Anlaß zu 
der Stiftung wird in den beiden Kriegen des 
Jahres 89 n. Chr. gefunden. Domitian nahm 
damals an der Provinz Obergermanien und den 
freien Chatten, die zu dem rebellischen Statthalter 
L. Antonius Saturninus gehalten hatten, grausame 
Rache, und zog unmittelbar nachdem diese vollzogen, 
in die Gegenden der unteren Donau gegen die noch 
freien Daker, welche damals in die benachbarten 
römischen Provinzen eingefallen waren. Ein Doppel 
triumph wurde von ihm noch Ende 89 über die Ger 
manen und die Daker in Rom gefeiert. Jener Frei 
gelassene bekundete seine Ergebung gegen den kaiser 
lichen Herrn durch Gründung des Monumentalbaues 
aus dem Esquilin mit den Tropaeen und ihrem sonstigen 
Skulpturenschmuck. Das eine der beiden jetzt auf 
dem Kapitol stehenden Tropaeen, dasselbe, vor 
welchem die gefesselte Germania steht, bezieht sich 
als Personifikation aus die Provinz Obergermanien 
und zugleich aus die freien Chatten jenseits des 
Limes, das andere aus den vermeintlichen Daker 
sieg. — Schließlich wird in der Esquilinrnine 
das typische Vorbild für die drei großen römischen 
Faqadenbrunnen der Renaissancezeit erkannt, der 
Acqua Felice, der Acqua Pola und besonders der 
berühmten Fontana di Trevi. — Das Ganze 
wurde durch Abbildungen erläutert. Zum Schlüsse 
des Versammlungsabends legte der Vorsitzende 
mehrere Exemplare des ersten Bandes der vom 
Bezirkskonservator und Konservator der Samm 
lungen des Geschichtsvereins, Herrn Dr. Bickell, 
herausgegebenen Bau- und Kunstdenkmäler des 
Regierungsbezirkes Kassel vor, behandelnd den Kreis 
Gelnhausen. Er besprach dieses unter den zahl 
reichen Inventarien anderer deutscher Gebiete nach 
Anlage, systematischer Reichhaltigkeit und vornehmer 
Ausstattung einzig dastehende und für solche Veröffent 
lichungen als Muster zu betrachtende gelehrte Werk. 
Universitätsnachrichten. Dem ordent 
lichen Professor der medizinischen Fakultät und 
Direktor der Augenklinik zu Breslau Dr. Wilhelm 
U h t h o s f (früher in Marburg) ist der Charakter 
als Geheimer Medizinalrath verliehen worden. — 
Der Kreisthierarzt Dr. Fr. P r e u ß e in Witlich (Rhein- 
provinz) hat einen Ruf als außerordentlicher Pro 
fessor der Thierheilkunde an die Gießener Hochschule 
erhalten und angenommen. 
Todesfall. Wieder ist ein alter, biederer 
Kurhesse aus dem Leben geschieden: Herr Forst 
meister Franz Coester wurde am 18. Januar 
zu Neu hos zur ewigen Ruhe gebettet. Der Ent 
schlafene war als Sohn des Pfarrers und Rektors 
Coester in Allendors a. d. W. geboren und mehr als 
41 Jahre im königlichen Dienste, zuletzt (1889—98) 
als Forstmeister in Niederkalbach, nachdem er 12 Jahre 
lang in Hadamar als Oberförster gewirkt hatte. 
Während der Kulturkampsszeit stand er den katho 
lischen Schulen in Osburg als Schulinspektor vor.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.