Full text: Hessenland (15.1901)

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Auf's Neue gewahrt man hier mit Erstauuen, welch' hohe 
Ideale die Greisin dem weiblichen Geschlecht in dem 
Emanzipationsbestreben der Gegenwart vorhält. Kommen 
wir Männer in dem Epilog auch recht schlecht weg, so 
kann es uns doch auch hinwiederum trösten, daß die 
Jdealistin — grade im Epilog — das Heil für die Er 
ziehung der Menschen zum Kulturideal nicht von einer 
Frau erwartet, sondern von einem „ganz großen Mann". 
. Stromberger. 
Die Residenzstadt Kassel und ihre Um 
gebung. Beschreibung des Stadt- und Land 
kreises Kassel von Karl Hehler. Mit zahl 
reichen Abbildungen. Klein 8 °. IV u. 143 S. 
Kassel (Verlag von Karl Vietor) 1902. Preis 
Mk. 1. — 
Vorliegende Schrift bildet einen kleinen Ausschnitt aus 
dein demnächst erscheinenden volkskundlichen Werk „Das 
H e s s e n l a n d und seine Bewohner", auf das an 
anderer Stelle dieser Nummer bereits von uns hingewiesen 
ist. Wir werden später im Zusammenhang init dem 
ganzen Werk auf diesen Theil noch zurückkommen und be 
merken heute nur. daß nach den angeführten Quellen die 
Bearbeitung eine sehr zuverlässige zu sein scheint und daß 
die zahlreichen größeren und kleineren Abbildungen meist 
recht wohlgelungen sind. W. S. 
Aus Hessens Vorzeit. Erzählungen für Jugend 
und Volk von Albert Kleinschmidt. 3 Bde. 
I. Brinno der Chattenfürst. II. Wehe dem 
Besiegten. III. Lindmuth. Gießen (Verlag von 
Emil Noth). Brosch, je Mk. 1.—, geb. je 
Mk. 1.25. 
Jndianergeschichten und historische Erzählungen sind 
immer noch die beliebteste Lektüre unserer Heranwachsenden 
männlichen Jugend. Während erstere aber durch ihren 
meist bluttriefenden Inhalt nur zu leicht die Phantasie 
des jugendlichen Lesers verwirren, leiden die Letzteren oft 
daran, daß die historische Wahrheit auf Kosten der 
Zeichnung eines Helden zurücktreten muß, oder, wenn 
dies nicht der Fall, die Erzählung leicht in eine einfache 
Schilderung der geschichtlichen Vorgänge ausartet. Hiervon 
halten sich die drei vorliegenden Bändchen glücklicher Weise 
frei. Ich nehme keinen Anstand sie dem Besten zuzuzählen, 
was auf dem Gebiete historischer Jugendliteratur ge 
schrieben wurde. Einfache, edle Sprache, treffliche Charakter 
zeichnung der Personen, historische Genauigkeit, dabei aber 
keine wissenschaftlichen Ergüsse, Einflechtung kulturhistorischer 
Betrachtungen, das sind Vorzüge, die man den drei 
Bänden nachrühmen darf. Man merkt, die Begeisterung 
für die Geschichte seines zweiten Vaterlands hat dem Ver 
fasser die Feder geführt. Denn Kleinfchmidt ist, obwohl von 
Geburt ein Thüringer, im Laufe einer ganzen Reihe von 
Jahren, die er in seiner Lehrthätigkeit im Hessenlande zu 
brachte, ein Hesse geworden. So sind aus ernsten Studien 
über hessische Geschichte die Erzählungen „Aus Hessens Vor 
zeit" hervorgegangen. Sie zeigen dem Leser drei wichtige 
Momente aus der Geschichte des Hessenvolkes: die Zeit, 
da Armin die deutschen Stämme sammelte, um die Römer 
durch die Schlacht im Teutoburger Wald zu vertreiben; 
die Zeit, da Germanikus als Rächer des Varus die 
Deutschen Gaue mit seinen Schaaren überfluthete, und 
endlich das Eindringen des Christenthums unter Winfried, 
dabei hat sich der Verfasser, der sein Talent als Jugend 
schriftsteller schon früher in seinem Buche „Im Forsthaus 
Falkenhorst" bewährt, von jeder Verhimmelung freigehalten. 
Er erkennt genau, wo der Fehler der Deutschen lag. Und 
hält mit seinem Tadel nicht zurück, wenn die Sprache 
hierauf kommt. — Hoffentlich sind die kleinen Bände auf 
recht vielen hessischen Weihnachtstischen zu finden. Sie 
verdienen es, gelesen zu werden. A. Murger. 
Kinderleben. Erzählungen, Märchen, Räthsel 
von M. v. Eschen (Mathilde v. Eschstruth). 
Mit einem Vorwort von Otto von Leixner, 
4 Aquarellbildern nach Originalen von M.Raenicke. 
2 verbess. u. verm. Ausl. Berlin (Verlag von 
H. I. Meidinger). 
Als Geschenk für Kinder eignet sich vor vielen anderen 
Büchern, die der Jugend gewidmet sind, M. v. Eschen's 
„Kinderleben". Die äußere Ausstattung und der Inhalt 
verdienen das Epitheton: „anmuthig". Das Büchlein 
wird zweifellos eine Zierde jedes Weihnachtstisches, ein 
lieber Freund aller Kinder sein. — Die Erzählerin trifft 
auf das Glücklichste den natürlichen Ton, der im Kinder- 
hcrzen nachklingt; in keiner der lieblichen Geschichten stößt 
man auf jenes angequälte und süßliche Gerede, an dem 
sehr häufig unsere modernen Kinderbücher kranken. Ein 
leichter Hauch von Hessisch-Heimathlichem schwebt ungewollt 
über M. v. Eschen's'„Kinderleben". Es gereicht dem Büchlein 
sicher nicht zum Nachtheil, wenn den Leser dieser Hauch 
berührt. — Das Buch sei hiermit allen Eltern, Tanten 
und sonstigen Kinderfreunden als Weihnachtsgabe für 
Kinder bestens empfohlen. I. IZ. 
Eingegangene Schriften: 
Franz Melde. Abriß seines Lebens und Wirkens von 
Prof. Dr. C. H. Mülle r. Frankfurt a. M. (Druck von 
Gebrüder Knauer) 1901. (Sonderabdruck aus den Be 
richten des Freien Deutschen Hochstifts zu Frankfurt a.M.) 
Die ewige Burg. Roman aus dem Odenwald von 
Rudolf Stratz. 356 S. Stuttgart (I.G.Cotta'sche 
Buchhandlung Nachfolger) 1900. Brosch. Mk. 3.—. 
Wo die Straßen enger werden. Geschichten von 
Alfred Bock. 246 S. 8°. Neue Ausgabe Berlin W. 
(F. Fontane L Co.) 1901. Brosch. Mk. 2.-, geb. Mk. 3.-. 
Die Prinzessin von Sestri. Lustspiel in drei 
Aufzügen von Alfred Bock. 80 S. Berlin W. 
(F. Fontane & Co.) 1900. Preis brosch. Mk. 1.—. 
Was ich am Wege fand. Blätter und Bilder aus 
Literatur, Kunst und Leben. Von Karl Theodor 
Gaedertz. Mit Nachbildung zahlreicher Original 
zeichnungen, Gemälde, Handschriften rc. im Text und auf 
Tafeln. XII u. 287 S. Leipzig (Georg Wigand) 1902. 
Preis Mk. 6.—. 
Geschichte und Beschreibung der Ruine 
Kogelberg bei Volkmarsen. Von Ernst Happel, 
Ingenieur. IV. n. 31 S. kl. 8 °. Kassel (Verlag von 
Karl Vietor. Hofbuchhandlung) 1902. 
Aus Marie Seebach's Leben. Von Otto Franz 
Gensichen. 258 S. Berlin W. 35, Karl Duncker's 
Verlag. Preis Mk. 4.—. 
Zur Besprechung angekündigt: 
Aus allen Augenblicken meines Lebens. Neue 
Gedichte von Karl Ernst Knodt. Mit Zeichnungen 
von A. Kaiser, Krefeld, ca. 300 S. Mühlheim a. d. R. 
(Karl Schimmelpfeng). . Preis geb. Mk. 3.—. 
W i l h e l m D i l i ch' s A n s i ch t e n h e s s i s ch e r S t ä d t e 
vom Jahre 1591. 47 Abbildungen auf 27 Tafeln. 
Folio. In Mappe 20 Mk. Marburg, N. G. Elwert'sche 
Verlagsbuchhandlung, 1902. 
„Hessische Zeitschriftenschan", „Personalien" und „Brief 
kasten^^ siehe Seite 359.
	        

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