Full text: Hessenland (15.1901)

haben Beiträge geliefert: Kreisschulinspektor A. Klei li 
sch midt in Erbach (Landschaftliche Beschreibung), Prof. 
Dr. Chelius in Darmstadt (Geologie), Seminarlehrer 
PH. Bnxbanm in Bensheim (Thier- und Pflanzen 
leben), Privatdozent vr. Greim in Darmstadt (Klima 
tische Verhältnisse), für den zweiten Theil: Kreisarzt vr. 
Schwarz in Heppenheim (Gesundheitsverhältnisse), Do 
mänenrath Georg Schäfer in Bingenheim (Volks 
leben), Lehrer Karl Bergmann in Darmstadt (Be 
völkerungsdichte und konfessionelle Verhältnisse), Prof. vr. 
N o v e r in Mainz (Sagen), Privatdozent vr. Wilhelm 
Horn in Gießen (Mundart), Lehrer Georg Volk in 
Offenbach (Beziehungen zum geistigen Leben der Nation), 
für den dritten Theil: Archivar M v r n e w e g in Erbach 
(Geschichte). Prof. vr. Antbes in Darmstadt (Kunst 
geschichte), für den vierten Theil: Direktor Vr. F. K n a p p 
in Groß-Umstadt (Landwirthschaft), Ministerialrath W. 
W i l b r a n d in Darmstadt (Forstwirthschaft), Handels- 
kammersekretür Beck in Darmstadt (Gewerbe und Handel), 
Prof vr. Chelius in Darmstadt (Steinindnstrie). Ein aus 
führliches Namen-, Orts-" und Sachregister beschließt das Buch. 
Uns intercssiren hier namentlich der zweite und dritte 
Theil, insbesondere die Abschnitte „Volksleben", „Sagen", 
„Mundart", „Beziehnngenzumgeistigen Leben", „Geschichte", 
„Kunstgeschichtliches". Eine äußerst werthvolle Quelle für 
volkskundliche Forschung bildet der Abschnitt „Volks 
leben", den Georg Schäfer aus eigener Anschauung — 
der Verfasser ist geborener Odenwälder (geb. 1840 in 
Schaafheim) und hat den größten Theil feines Lebens 
dort verbracht — liefert. Er gliedert..den Stoff in fol 
gende Theile: 1. Des Volkes Eigenwesen. 2. Geburt und 
Taufe, Kindheit und Jugend. 3. Trauung und Hochzeit. 
Hansleben. Kirchliche und weltliche Feste. Das Volks 
lied. 4. Krankheit, Tod, Begräbniß, Gntsnachfolge. 
5. Dorf und Bauernhans. Trachten. Die Trachtenknnde 
ist dabei am schlechtesten weggekommen, hätte aber eine 
tim so eingehendere Behandlung verdient, weil die alte 
Odenwälder Tracht mit den 60 er Jahren ganz ver 
schwunden ist und somit schnell der Vergessenheit anheim 
fallen wird. Zu bedauern bleibt auch (wie überhaupt bei 
der ganzen Anlage des Buches) der gänzliche Verzicht auf 
Literatur- und Quellenangaben. So entgehen Schäfer 
manche schöne Vergleiche mit den Nesnltaten neuerer 
Forschungen in Bezug auf Trachtenkunde (>vv z. B. 
Jnsti's Trachtenbuch interessante Parallelen ergeben 
hätte), Siedelnngswesen, Hausbau rc. Noch mehr macht 
sich dieses Fehlen von Literaturangaben in dem Abschnitt 
„Beziehungen zum geistigen Leben" bemerkbar. Auf 
10 Seiten (!) giebt uns hier Georg Volk eine Literär- 
geschichte der Provinz Starkenbnrg, die aber den An 
forderungen keineswegs genügt. Allerdings fehlt es hier 
noch stark an Vorarbeiten, um so verdienstvoller wäre 
es gewesen mit Hülfe der einschlägigen Quellen diese be 
schwerlichen Wege ebnen zu helfen. Statt dessen begnügt sich 
Volk mit dürftigen, nicht immer zuverlässigen biographischen 
Notizen, die aus sekundärer Quelle zu stammen scheinen, und 
einer trockenen chronologischen Aufzählung bedeutender dem 
Odenwald entstammender Männer. Der eigentlich literar 
historische Theil wird auf knapp zwei Seiten abgethan, das 
Nibelungenlied beispielsweise mit drei Zeilen. Unvollkommen 
sind auch die Angaben über die Dichtungen des „Königs 
vom Odenwald", obwohl hierüber die eingehende Mono 
graphie K. v. B a h d e r 's *) und die neuesten Forschungen 
Edward S ch r ö d e r 's **) reiches Material ergeben 
*) Pfeisfer's Germania, Bd. 23, S. 103ff. 
**) Die Gedichte des Königs vom Odenwald. Zum 
ersten Mal vollständig herausgegeben tind mit einer Ein 
leitung versehen von Edward Schröder. Darmstadt 1000. 
Hütten. Daß Erasmus Alberus ein Odenwälder ge 
wesen sein soll, ist unrichtig und bereits längst von Schnorr 
v. Carolsfeld tind neuerdings von Archivdirektor 
Schenk zu Schweinsbergst) widerlegt worden. Ob 
wohl Alberus 11 Jahre als Pfarrer im Odenwald gelebt 
hat, dürfte cs doch gewagt erscheinen, ihn für die Oden- 
wäldische Literaturgeschichte zu annektiren, Ebenso un 
gerechtfertigt ist es, den in Frankfurt geborenen „Stürmer 
und Dränger" Friedrich Maximilian Kling er 
lediglich deshalb dem Odenwald zuzurechnen, „weil sein 
Vater dorther stammte". Wollte man von solchen Ge 
sichtspunkten bei der Abfassung von Stammesliteratnr- 
geschichten ausgehen, so würde man schließlich den Boden 
unter den Füßen verlieren und auch solche, deren Groß 
väter und Urgroßväter zufällig aus dem Odenwald stammen, 
mit hinzurechnen müssen. Die religiöse Dichtung fehlt leider 
ganz, obwohl gerade hier Stromberger's Werk „Die 
geistliche Dichtung in Hessen" (Darmstadt 1886, Nette 
Folge 1898) Ausbeute geliefert hätte. Kurz, durch die ganze 
Bearbeitung erhält man den Eindruck, daß derVerfasserseinem 
Stoffe nicht gewachsen war. Sonst hätte er sich keincnfalls 
mit so nichtssagenden Phrasen begnügen dürfen wie z. B. 
über Luise von Plvennies: „InJugenheim dichtete 
Luise von Ploennies stimmungsvolle lyrische Bilder". Bei 
einer Neuauflage des sonst so verdienstvollen Werkes be 
darf dieser entschieden schwächste Theil einer gründlichen 
Aufarbeitung. Die Auswahl von Odenwaldsagen, die 
Professor Nover giebt, ist zwar gering, doch wird dafür 
am Schluß auf weitere Sammlungen verwiesen. Wenig 
umfangreich — nur 11 Seiten — ist auch die mund 
artliche Behandlung des Gebietes durch vr. Wilhelm 
H o r n. Verdienstvoll ist aber schon das Wenige, das 
er in anregender Weise giebt, da es bisher noch an 
Vorarbeiten fehlt und wir von den Forschungen Horn's 
gewiß noch viel für die Odenwälder Sprache erwarten 
dürfen, in erster Linie wohl ein Wörterbuch der Oden 
wälder Volkssprache, das. wie Horn sehr richtig hervor 
hebt, nur dann möglich sein wird, wenn sich viele Freunde 
des Odenwälder Dialekts an der Sammlung des Sprachstoffs 
betheiligen, Gewundert hat es uns, daß nicht wenigstens 
einige Proben ans dem Wortschatz, sowie sprichwörtliche 
Nedensarten, Anekdoten und Gedichte in der Mundart 
mitgetheilt worden sind. Die Geschichte des Odenwaldes, 
aus der Feder Karl Morneweg's. leidet an Unüber 
sichtlichkeit des Stoffes, die Wohl durch die territoriale 
Zerrissenheit des zu behandelnden Gebietes verursacht lvnrde. 
Der knnstgeschichtliche Theil durch Prof. vr. Anlhcs, 
dem die Bearbeitung durch die „Kunstdcnkmäler im Groß- 
hcrzogthnm Hessen" sehr erleichtert wurde, gehört, narnent- 
lich auch in seinem illustrativen Theil, zu den besten Ab 
schnitten des Buches. 
Im Ganzen ist diese Odenlvälder Volkskunde ein em- 
pfehlenswerthes, wenn auch nicht gleichwerthig gearbeitetes 
Werk, das lesbar geschrieben ist und vorzügliche, geschickt 
gewählte Abbildungen enthält, überhaupt in der äußeren 
"Ausstattung nichts zu wünschen übrig läßt und sich daher zu 
Festgeschenken in hervorragendem Maße eignet. W. Ä. 
B e n n e ck e, Wilhelm. Revisor M o r g e l h a h n. 
Humoristisch-politischer Roman aus dem ehe 
maligen Kurhessen. Zwei Theile in einem 
Band. 8". Berlin (Otto Jaule) 1902. 
Die politischen Stürme, welche nur die Mitte des 
10. Jahrhunderts einen großen Theil von Europa dnrch- 
(Svnderabdrnck ans dein „Archiv für hessische (beschichte". 
Neue Folge. Bd. III, Heft 1). 
s) Zeitsihr. f.deutsches Alterthum 1899, Hest4, S. 386 ff. — 
Wiederabgedruckt in den „Hess. Blättern" Nr. 2627.
	        

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