Full text: Hessenland (15.1901)

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that Herr Kictzma n n, der von seinen.'lyrischen Rollen 
eine Anzahl an Herr Batz abtrat, dafür sich als Tenor- 
Buffo mehr bethätigend. Aus einem Gastspiel eines 
Bassisten, des Herrn Ulrici aus Leipzig, das zu einem 
Engagement führte, geht hervor, daß Herr Döring aus 
dem Verbände unserer Bühne scheidet. 
Auch auf dem Gebiete des Schauspiels ist nur wenig 
Bemerkenswerthes zu verzeichnen. Drei Einakter, je einer 
von Somorjai, Werner und Wolters kommen als herzlich 
unbedeutend nicht in Betracht. Neu einstndirt wurden 
Wildenbruch's „Menonit" und Brachvogels „Narziß", 
zwei Stücke, die, bei verhültnißmäßig geringem litera 
rischem Werthe, eine große theatralische Wirksamkeit gemein 
haben; in beiden leistete Herr Felsing Tüchtiges. Auch 
„Othello" ging in neuer Einstudirung über die Bühne; 
die Titelrolle spielte Herr Le Seur etwas zu un 
geschlacht, ein Fehler, der den Künstler, in dem entschieden 
ein sehr tüchtiger Kern steckt, überhaupt vielfach um die 
besten Wirkungen bringt. Daß die gute „Pension Schüller" 
unseres verstorbenen Landsmannes Laufs ihre zwerchfell 
erschütternde Wirkung auch diesmal wieder ausübte, sei 
nebenbei erwähnt. Als künstlerische That des verflossenen 
Vierteljahres muß entschieden die Aufführung vonBjörnson's 
„Ueber unsere Kraft" gelten, eines Stückes, das so 
aus den gewohnten Bahnen herausschreitet, daß jeder Zu 
schauer, der nicht jede Beschäftigung mit den höheren 
Fragen der Menschheit als überflüssig von sich weist, 
davon gepackt und auf lange hinaus festgehalten werden 
muß. Die Aufführung war in jeder Hinsicht vortrefflich, 
und es verdienen namentlich Herr Jakobi und Frau 
Ko the Anerkennung, doch auch alle übrigen Mitwirken 
den waren voll und ganz auf ihrem Platze. 
Durch das mit dem Ende des Spieljahres erfolgende 
Ausscheiden des Herrn Volkner aus dem Verbände des 
Theaters macht sich jetzt ein eifriges Gastspiel von Be 
werbern um dessen Fach bemerkbar. Hoffentlich findet dies 
bald einenAbschluß, denn das fortgesetzte Auftreten von Gästen 
trägt zu der künstlerischen Abrundung der Vorstellungen 
entschieden nicht bei. Für Fräulein Schweighofer, 
die durch schwere Krankheit verhindert war, bisher ihre 
Thätigkeit aufzunehmen, hat man in Fräulein Scheller 
einen Ersatz gefunden, sodaß der Spielplan dadurch nicht 
beeinträchtigt worden ist. Fräulein Scheller hat vor 
Jahren am hiesigen Theater ihre dramatische Laufbahn 
begonnen. Sie ist eine vornehme Künstlerin und erfüllt 
die an sie gestellten Anforderungen voll und ganz. 
Wenn ich noch erwähne, daß in zwei Volksvorstellungen 
„Götz von Berlichingen" und „Der Waffenschmied" ge 
geben wurden, so ist damit mein Material für diesmal 
erschöpft. M. K. G. 
Airs ctCfer un6 neuer Jett. 
Ein kurhessischer Löwengroschen von 1808. 
In meinem Besitz ist ein (silberner) Löwengroschen, 
der den Eindruck unzweifelhafter Echtheit macht, 
aber die Jahreszahl 1808 trägt, übrigens von den 
Falsifikaten mit der Zahl 1808 auch abgesehen 
vom Metall abweicht. Man könnte an einen 
Zwitter von der Vorderseite srüherer hessischer 
Groschen und des westfälischen Groschens von 1808 
denken, aber mit letzterem stimmt das Gepräge 
auch nicht ganz überein. Sollten wirklich für 1808 
noch kurhessische Münzen geprägt worden sein? 
Sonst gilt doch 1807 als das Schlußjahr. 
Leipzig. Saut Wemmeister. 
Eine Fleischbeschauordnung vom Jahre 
1 7 4 7. Ehedem gehörte der zum Kreise Gersseld 
gehörige Marktflecken Wüstensachsen den Freiherren 
von Thüngen. Für diesen Ort bestand nach einem 
Protokollbuch vom Jahre 1747 eine Fleischbeschau- 
ordnung, welche eine würdige Vorgängerin der 
heutigen dieserhalb erlassenen polizeilichen Vor- 
schriftell gewesen und deshalb der Erwähnung 
werth ist. Dieselbe lautet: 
„Verbiethung des Nachtschlachtens und 
andere Verordnung. 
Aus vielfältig eingelaufene Klagen, das Christen 
und Juden theilß unsauber Vieh, theilß verbotener 
Weis in der Nacht geschlachtet hätten, wurde be 
schlossen, daß 
1. 
Ohne vorherige Anzeig bei den Beamten, oder 
in Abwesenheit Thüng. H. H. Beamten bei dem 
Thüngischen Schnltheisen und darauf erhaltenen 
Schlachtzettel, welcher jedoch ohnentgeltlich gereichet 
werden soll, niemand schlachten sollen. 
2. 
Solle das Nachtschlachten, wie auch das ingeränsch 
(Gedärme) in den Brunnen und Gewässern so durch 
das Dorf lausen, zu waschen, gänzlich verboten sein. 
3. 
Solle den beiden Fleischbeschauern von denen 
schlachten wollenten des Tags vorhero eh das Vieh 
geschlachtet wird, die Anzeig beschehen, damit solche 
zu Haus bleiben und das Vieh besichtigen können 
und kein Stück Vieh ohne der Gegenwarth aus 
gemachtworden, wofür jeder gegenwärtiger Beschauer 
ein Stück Fleisch für seine Bemühung zur Gebühr 
haben solle. 
4. 
Wer aber einen Punkt obigen Gesetzes eontra- 
veniren wird, solle das geschlachtete Stück Vieh 
also balden confisciret und dem Anzeiger, seyn 
Christ oder Jud, falls das Fleisch gutt, ein viertel 
davon, falls aber unrein, die Hanth verabfolgt 
werden. Worüber die Fleischschätzer, als Hannes 
Gast und Michel Jäger bey dortseits Herrschaften 
ohne Eydesstatt angelobet haben." A. Kerget.
	        

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