Full text: Hessenland (15.1901)

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Daniel zusammen führte er eine Rechtssache 
gegen Pater und Konvent zur Carthause zum 
Eppenberge*), die von 1507 bis 1523 sich 
hinzog. Es scheint sich dabei um das Besitzrecht 
der Franziskanerschwestern in Marburg auf das 
ehemalige Haus des Schöffen Johannes Laue, 
jetzt Nikolaistraße Nr. 1, gehandelt zu haben. 
Ludwig Schwan, der unter diesem Namen in den 
Geschoßlisten gar nicht vorkommt, war offenbar 
in seiner Stellung als Rechtsgelehrter frühzeitig 
von den bürgerlichen Verpflichtungen befreit worden. 
Ohne nachweisbar verwandtschaftliche Beziehung 
zu der Familie, die nach dem Hause zum Schwan 
ihren Namen führte, ist eine andere, Namens 
Schwan, die in Weidenhausen ihren Wohnsitz 
hatte und das Loberhandwerk betrieb. Bon 
1460— 1496 erscheint von diesen in den Listen 
Crafft Swane **), von 1494 — 1517 Swannhenn, 
von 1545—1593 Jost und 1546 Jakob und in 
den Stadtgerichtsprotokollen 1522 und 1524 
Curt Schwan. 
Die Studierenden des Namens Schwan aus 
Marburg in dem Verzeichniß von Stölzel — 
Ludwig ist hier nicht erwähnt —, Heinrich 1534, 
Hermann 1559, Samuel 1548, Caspar 1552 
sind als Gelehrte in den Marburger Bürgerlisten 
nicht aufzufinden. 
Ein Zusammenhang der Gemündener Familie 
Schwan***), die ein landgräsliches Lehen dort besaß, 
mit Danielas Familie ist nicht ersichtlich und auch 
nicht wahrscheinlich. Zuerst wird in den Lehens 
briefen Johann Schwan genannt, der vor 1567 
und bis zu seinem Tode 1594 das Lehen hatte. 
Es wird auch derselbe sein, der in einem gericht 
lichen Schreiben Philipp Knoblauch's des Jüngeren 
zu Hatzbach vom 1. Juli 1561 der Schwan ge 
nannt wird. Er war Schultheiß in Gemünden 
a. d. Wohra und hatte drei Söhne, darunter 
auch Johann Ebert. Einer dieses Namens, wohl 
auch ' derselbe, wurde 1589 als landgräslicher 
Trabant und Mathis Arnold's, Bürgers und 
Schneiders, Nachfahr zum Marburger Bürger er 
nannt, aber erst durch besondere Jntercession des 
Herrn Sekretärs Claus Becker. Er war teutscher 
Schulmeister und sechsmal Vierer. Auch er wurde 
1594 mit dem Gemündener Gute neu belehnt. 
Sein Sohn war Daniel Schwan, der 1652 be 
lehnt wurde. Dessen Sohn Johann Daniel er 
langte 1673 das Marburger Bürgerrecht mit 
der besonderen Bemerkung im Protokoll, daß sein 
Vater kein Bürger sei. 
Die Familie zum Schwan in Marburg uni 
die Zeit der Reformation tritt, wie wir sahen, 
in einzelnen ihrer Mitglieder etwas über den 
bescheidenen Rahmen eines bürgerlichen Wirkungs 
kreises hinaus und trägt auch zur näheren Cha- 
rakterisirung jener bedeutenden Zeit einiges bei. 
Wir hoffen daher unseren Lesern mit ihrer Hervor 
hebung nichts ganz Unerwünschtes dargeboten zu 
haben, auch wenn wegen der Lückenhaftigkeit und 
Spärlichkeit des Quellenmaterials kein ganz ab 
geschlossenes Bild der Familie gegeben werden konnte. 
Stammtafel 
der Familie Heinkelmann zum Schwan um die Zeit der Reformation, so genannt nach dem Stamm 
haus „zum Schwan" in der Barfüßerstraße, jetzt Nr. 2 0?) 
H e i n k e l m a n aus Gießen 2 ) 
1458 . 1465 
vermählt mit Else „Frau zum Schwan" 
1469 . 1490. 
Daniel Heinkelmann zum Schwan 
1469 . t 1527 
vermählt mit Else, f 1529 oder 1530. 
Johann Schwan, Hermann 
Barfüßermönch. dann Buch- vermählt mit 
druckcr, vermählt mitMargar. Kathrein. 
Preuß, f 1526 in Strnßburg. 
Ludwig Hingkman(?) Swain (Schwan) 
1490 . 1507 . 1523 
vermählt mit 
Vergilius Else Katharina 
— 1565 vermählt mit Weigand vermählt mit Joh. Heidolff 
vermählt ff Rechtenbecher in Gleiberg. in Marburg) 
Ursula, Christine Margarethe, Kathrina Jost, Heinrich, Katharina. 
*) Bei Felsberg und Gensungen. 
**) Bückt n g, Mittheilungen S. 53. Danach hieß er früher 
Crafft Kuppeln von Wengebach (in den Geschvßlisten seit 1447). 
***) Bückt n g, Mittheilungen S. 54. 
') Diese mir anfänglich (S. 275) entgangene Feststellung 
der Lage des „Schwan" durch W. Bücking in dessen 
Mittheilungen aus Marburgs Vorzeit, 1886, S. 52 u. 53, 
ist nach des Verfassers Versicherung nicht nur eine muth- 
maßliche, sondern beglaubigte. Doch ist ihm die Quelle 
mehr erinnerlich. Das 111. Quartier, in dem der Schwan lag, 
umfaßte nach W. Bücking die Barfüßerstraße und die von 
ihr aufsteigenden Gassen. Die dort angeführte, von mir ein 
gesehene Urkunde (Copie) vom 25. Juni 1463 enthält die erste 
Erwähnung des „Schwan" (also nicht erst 1469) und die 
Bestätigung, daß Henckelmann damals schon dort wohnte. 
Der Wortlaut „daz eyne shnsj, genant der Swane, da 
H. zu dißer zcyt in sitzet" zeigt auch, daß der Name schon 
vor H.'s Besitznahme daran haftete. Es handelt sich um 
eine jährliche Rente von 5 Gulden, die Henne Ernst aus 
dem „Schwan" bezog und 1463 mit einer eben so großen 
aus dem „roden loeben" zu einer Tuchspende auf Martini 
für' Arme schenkte, 
ff a. a. O. 
ff a. a. O. mit Katharina Ort, Johan Ort's d. Aelt. 
Tochter. Ferner wird hier angegeben, daß V. den Dernbach'- 
schen Burgsitz, jetzt Barfüßerstraße4 (O. L.Justi), 1529 kaufte 
—
	        

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