Full text: Hessenland (15.1901)

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Schwan die drei noch lebenden Kinder geboren 
habe, die auch ihrer Großeltern zum Schwan Tod 
erlebt hätten, und daß er als gesetzlicher Vormund 
seiner Kinder bei Vergilius und Hermann zum 
Schwan, deren Oheimen, nachgesucht habe, seinen 
Kindern ihr ausgestorbenes Kindtheil in allen nach 
gelassenen Erbgütern, Pfandgütern und fahrender 
Habe ausfolgen zu lassen. Da sie ihm das bis 
jetzt vorenthalten haben, hat er den Landgrafen 
selbst gebeten, ihm dazu zu verhelfen, der denn 
auch dem Schultheißen Curt Hessen die Sache 
übergeben habe. Aber die zwei Gebrüder haben 
willkürlich von den Gütern einen Theil veräußert, 
verkauft und verpfändet, auch einen anderen Theil 
seinem Schwager Rechtenbecher überliefert. Er 
will in keine solche Veräußerung der Erbgüter 
und Güter und fahrender Habe, Beschwerungen, 
Käufe und Verkäufe willigen, weil es dem fürst 
lichen Verbot und Sequester, auch seiner vormund 
schaftlichen Verpflichtung zuwider ist, und bittet 
Bürgermeister und Rath, keine solche Veräußerungen 
bestätigen zu wollen. 
Gegen Else Rechtenbecher giebt Hermann vor, 
daß sie auf alle ihre väterlichen und mütter 
lichen Erbfälle verzichtet habe. Hermann wird 
ausgegeben, dies zu beweisen, auch der Mar 
garethe Rechtenbecher ihren Brief zu verabfolgen 
oder darzuthun, daß er denselben nicht in seiner 
Gewalt gehabt habe. Freitag den 6.' Februar 
1533 unterliegt Hermann gegen die Familie 
Rechtenbecher. In der Gerichtssitzung vom 26. Fe-' 
bruar kommt zur Sprache, daß Hermann Bürger 
zu Frankfurt a. M. geworden ist. Nach 
Ausweis des Franksilrter Bürgerbuches schwur er 
dort den Bürgereid erst am 26. November. 
Am 15. Oktober verlangte Johann Heidwolff, 
daß sein Schwager, der Bürgermeister Vergilius 
Schwan, zur Verantwortung gezogen werde, weil 
er ihn beleidigt habe, als habe er seinen Kindern 
Joh. Heidolff 1510—1519, im IV. Quartier einen Johann 
Heidwolff 1525—1540 an. In den Stadtgerichtsprotokollen 
wird dieselbe Person ohne und mit w geschrieben. Als 
Wohnhaus von I. H., Schultheiß von Nieder-Weimar, be 
zeichnet W. Bücking (Weglv. S. 17) das Hans in der 
Wettergasse 4, während W. Kolbe (Die Sehenswürdigkeiten 
Marburg's S. 14) dasselbe für den Schwan hält. Der 
Holzmarkt wird, wie die Krämergasse, znm I. Quartier 
gehört haben. Die eigentliche Wettergasse lag im 
IV. Quartier. An der Seite von Nr. 3, das mit Nr. 4 
eine gemeinschaftliche Mauer hat, befanden sich die ver 
schwundenen Wappen mit Schwan und Wolf, die Bücking 
gesehen hat. Der ehemalige Holzmarkt dort wurde nach 
Bücking lWegw. S. 19) um Nr. 2 und 3 verkleinert. 
Wegen der gemeinschaftlichen Mauer möchte man, in An 
betracht der prächtigen Kcllerränme und Terrassenanlagen 
unter der Stadtmauer bei Nr. 3, vermuthen, daß 3 und 4 
früher ein zusammengehöriges stattliches Besihthnm ge 
bildet hätten. 
(offenbar von seiner ersten Frau) untreulich'vor 
gestanden. Vergilius antwortete, es sei das von 
ihm nur in nothwendiger Wahrung seines Rechts 
und nicht mit der Absicht zu beleidigen, vorgebracht 
worden. Die Scheffen beschlossen auch dein ent 
sprechend. 
Heidwolff forderte den fünften Theil der nach 
gelassenen Güter Daniel's zum Schwan, auch 
derjenigen, die Else Rechtenbecher schon „hinter 
sich" habe. Die Vermuthung liegt nahe, daß 
ein Fünftel für Johann Schwank Erben bestimmt 
war. Am 13. Juni 1535 ging dann Johann Heid 
wolff gegen Hermann und am 30. Juni 1535 gegen 
Vergilills als Sieger hervor. Weiterhin ist in 
den Gerichtsprotokollen von dieser Erbschafts 
angelegenheit nicht mehr die Rede, auch nicht am 
Hofgericht und Reichskammergericht, so daß es 
also wohl bei den Urtheilen des Stadtgerichts 
sein Bewenden gehabt haben wird. Hermann 
Schwan's wird seit Ende dieses Rechtsstreites 
in Marburger städtischen Akten nicht weiter gedacht. 
Als Frankfurter Bürger hat er vielleicht sein 
Marburger Eigenthum veräußert. Auch von 
Frankfurt konnte über ihn nichts weiter in Er 
fahrung gebracht werden, da die Bedebücher aus 
dieser Zeit dort fehlen. Als Studierender in 
Marburg, ohne Angabe der Heimath, ist im 
Universitätsalbnm vom Jahre 1552 angeführt: 
Jonathas Schwan. Hermann's Sohn. Möglicher 
weise ist er ein Sohn unseres Hermann. Von 
zuverlässiger Seite stammt die Nachricht, Her- 
mann's Frau sei in zweiter Ehe mit dem Bürger 
meister Kaspar Kirchhofs in Marburg vermählt 
gewesen. Diese Vermählung hat dann am wahr 
scheinlichsten 1554 stattgefunden, denn da hatten 
der Vater Kaspar und der Sohn Dietrich zugleich 
Hochzeit. Einige Zeit vorher wäre dann Hermann 
gestorben. 
Noch ist der Bruder Daniel's zum Schwall, 
Ludwig Schwan, zu erwähnen, der auch nicht 
zum Schwan genannt wird. Er ist wahrscheinlich 
der in der Geschoßliste von 1490 im III. Quartier 
verzeichnete Ludwig Hinckman mit demselben Steuer- 
betrag, 3^2 Pfund, wie Daniel. Nach den Mar- 
bnrger Stadtrechnungen von 1517 übernimmt er, 
jetzt unter dem Namen L. Swain (später Swan 
und Schwan) dreimal auswärtige Botschaften. 
In Mainz führt er als Sachwalter der Stadt 
Marburg einen Rechtsstreit. Auch 1520 tritt 
er am Stadt- unb am Hosgericht in mehreren 
Fällen als Prokurator auf, so für den Münz 
meister Wilhelm Goldschmid zu Kassel. Jll 
eigener Sache prozessirt er am Hofgericht gegen 
die Schwester seiner Frau, bezw. gegen Jakob 
Kanngißer in Kassel. Mit seinem Bruder
	        

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