Full text: Hessenland (15.1901)

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städtische Urkunde vom 21. April 1528*), worin 
er mit Zustimmung seiner Gattin Katherine und 
seiner „freundlichen lieben Mutter" Elisabeth der 
Stadt Marburg fünf Gulden jährlicher Zinsen 
und 100 Gulden Hanptgeld, er sei hier zu Marburg 
oder anderswo, in einer Schuldverschreibung zu 
eigen gab, nachdem die Stadt ihn selbst sein 
Leben lang der Geschoß-, Feuerschillings- und aller 
Frondienste gegen die Stadt laut Brief und 
Siegel freigesprochen hatte. Dieser Urkunde ist 
das Siegel Hermann Schwanes angehängt, das 
mit einein Siegelring in Wachs eingedrückt ist. 
Es zeigt einen aufgerichteten Widder mit Schild 
zu Füßen, der denselben Widder enthält. Seit 
wärts sind die Buchstaben 8 und 8 angebracht. 
So ist denn auch in der Geschoßliste von 1529 
und 1530, fernerhin nicht mehr, und zwar int 
II. Quartier, unter den Gemeinen Hermann Schwan 
mit der Bemerkung aufgeführt: Geschoß-, Feuer 
schilling- und stadtfrei. Zum II. Quartier gehörten 
die westliche Untergasse und die von ihr auf 
steigenden Gassen. Da seine Mutter, „Daniel 
zum Schwan Frau", von 1527 — 1529, nicht 
mehr 1530, im III. Quartier genannt wird, wo 
der Schwan lag, so muß Hermann, seitdem er mit 
seiner Frau eine eigene Haushaltung hatte, nicht 
im Schwanen gewohnt haben. Daß er in der Stadt 
Hauseigenthümer war, ergibt sich mehrfach. Im 
Jahr 1530 gerieth er in Streit mit Anna Weiffen- 
bach im III. Quartier, die ihn verklagt hatte, daß 
er auf seinem Eigenthum so weit überbaue, daß 
ihr dadurch an dem ihrigen Schaden geschehe. 
Im Jahre 1527, noch vor Daniel's Tode, führt 
er dessen Rechtsstreit gegen Curt Bnchfürer im 
III. Quartier; dieser verklagt Hermann, er habe 
ihm, als Daniel ihm sein Haus abgekauft habe, 
20 Gulden hinter seinem Vater zugesagt und 
davon nur 14 bezahlt. Vielleicht baute er also 
1530 entweder am Schwan oder am Buchfücer'schen 
Hanse. Hermann besaß aber auch, wie er in 
seinem offenen Brief gegen den Rentschreiber an- 
giebt, ein Gut, und aus anderem geht hervor, 
daß er außerhalb der Stadt zunt Betrieb seines 
landwirthschaftlichen Geschäfts seinen Wohnsitz ge 
habt habe. Im Jahre 1526 verklagt er Heintz 
Beckermeit, daß dieser seine Säue auf seinem 
besamten Acker habe laufen lassen, der am Walde 
liege. Int Jahre 1533 rügen -die Bescher, daß 
H. Kol eine große Anzahl Hämmel nicht den 
Bürgern habe einzeln verkaufen ^wollen, sondern 
Hermann Schwan außerhalb der Stadt im Ganzen 
verkauft habe. Da nun Hermann ja auch, wie 
er selbst erzählt, ein kaufmännisches Geschäft be- 
*) Bücking, Mittheilungen, S. 54. 
trieb und.dafür die Messen besuchte, so wird man 
annehmen können, daß er wie sein Vater sowohl 
Landwirthschaft als auch Handel mit allerlei 
landwirthschaftlichen Produkten, als Vieh, Fleisch, 
vielleicht auch Wolle, Waid. Krapp und dergl. 
betrieben habe. Ein Zeugniß für seine große 
Wohlhabenheit findet sich in seinem offenen Briefe 
nach Marburg gegen den Schluß desselben: „Ich 
bin von gottes gnaden in solchem Vermögen, 
daß ich mehr an geltz und gut vermagk, denn 
meiner widderparth zehen vermögen." 
Die zwei Töchter Daniel's hießen Elschen und 
Kathrein. Elschen war an Weigand oder Weigel 
Rechtenbecher*) in Gleiberg vermählt und hatte 
zwei Kinder: Margrit und Kathrina Rechten 
becher. Der Mann von Danielas anderer Tochter 
Kathrein war Johann Heidolff oder Heidwolff; 
deren drei Kinder, die 1532 noch lebten, als 
ihre Mutter schon gestorben war, hießen Joist, 
Heinrich und Kathrein. lieber das reiche Erbe 
Daniel's entspannen sich bald nach seinem und 
seiner Frau Tode mehrere Prozesse**) am Mar- 
burger Stadtgericht, nämlich zwischen Weigel 
Rechtenbecher wegen seiner Frau und Töchter 
gegen Hermann Schwan und zwischen Hans 
Heidwolff und seinen Schwägern. Margaretha 
Rechtenbecher sagte aus, ihr Vater Weigandt 
und ihre Mutter Elsa, wohnhaft in Gleiberg, 
hätten ihr und ihrer Schwester Katherina, um 
sie zur Ehe auszustatten, 300 Gulden auf 
den Schwan zu Marburg gegenüber 
Geilen Hausf) gegeben und in einem „auf 
gerichteten", versiegelten Brief ausgestellt. Diese 
Verschreibung habe sie ihrer Großmutter Else 
zum Schwan zu getreuer Hand hinterlegt. Weil 
aber diese gestorben sei und Hermann, ihr Oheim, 
alle Briefschaften derselben an sich genommen habe, 
so könne sie auch diesen Brief nur von ihm fordern. 
Haus Heidwolff, Bürger zu Marburg, giebt au, 
daß ihm seine verstorbene Pf) Frau Kathrein zum 
*) Nechtenbnch liegt im Kreise Wetzlar. 
**) Marburger Stadtgerichtsprotokolle 1532 und 1533. 
Schon Ad. Stölzel, Die Entwicklung des gelehrten Richter 
thums in den deutschen Territorien, Stuttgart 1872, 
II, S. 82—85, bringt Auszüge aus den Protokollen über 
diese Prozesse. 
t) Im III. Quartier wohnte 1530 Eckard Geil, 1511 bis 
1525 Heinrich Geiln (auch Eiln geschrieben) Frau, vielleicht 
Eckard's Mutter, die nach kürzlich erhaltenen Renterei- 
rechnnngen im Jahre 1507 ein viel besuchtes Gasthaus hatte. 
tt) Nach dem Stammbaum bei Buttlar starb sie 1518, 
und I. H. vermählte sich abermals 1524 mit Maria von 
Breidenbach, von der die jetzigen Heidwolff v. Germershausen 
bei Marburg abstammen. Es giebt, wie von zuverlässiger 
Seite versichert wird, (wahrscheinlich in Germershansen) eine 
Urkunde, wonach Jvhnn Heydolff der Jüngere 1505 seinem 
Bruder desselben Namens ein Haus in der Barfüßergasse 
verlauste. Die Geschoßlisten führen im I. Quartier einen
	        

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