Full text: Hessenland (15.1901)

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Air Marburgrr Familie |itw Schwan 
mn die Jert der Reformation. 
Von Dr. Eduard Wintzer. 
(Schluß.) 
m 26. Februar bat Hermann uni Ausfertigung 
eines freien Geleits in die Gegend von Fritzlar, 
um noch erforderliche Zeugen für sich aufzubringen. 
Drach widerrieth dies zur Vermeidung von 
Unrath und verlangte durch Anerkenuuug der 
erfolgten Reinigung die Anklage gegen feinen 
Klienten fallen zu lassen, zumal da Hermann Schwan 
ein offener Aechter sei, der nicht im Gericht stehen 
könne. Von Wildungen rühmte er: „Alle Zeit, 
dieweil er zu Verstand kommen ist, hat er fein 
Ehre gehalten, niemand gemordet noch gestohlen 
noch Fleichbösewichterei getrieben, auch nie wider 
Ehre noch Treue dermaßen gehandelt, daß ihn 
die Krawen fressen sollten." In feiner Antwort 
vom 11. März wies Hermann nach, wie Wil 
dlingen selber durch die Verdächtigungen in feinem 
öffentlichen Ausschreiben vom 20. März v. I. die An 
griffe auf ihn provocirt habe und daß im Uebrigen 
für Wildungen's Beleidigungsklage nicht das 
Kammergericht, sondern feine erste Instanz, das 
Gericht des Kurfürsten Friedrich, zuställdig sei. 
Er beantragte, daß Wildungen's Reinigung für- 
nichtig erklärt werde, derselbe aber anzuhalten 
sei, auf die Anklage wegen Landfriedensbruches 
zu antworten. 
Ob Hermann das freie Geleit erhalten hat, 
ist nicht berichtet, wohl aber, daß er bald nachher 
in Hessen war. Das Reichskammergericht war 
mittlerweile im Frühjahre 1524 mit dem Reichs 
regiment von Nürnberg nach Eßlingen übergesiedelt. 
Am 27. Mai 1524 erging von dort im Namen 
Kaiser Karl's V. ein Schreiben an Amtmann, 
Bürgermeister, Rath lind Gericht zu Amönebiirg 
im mainzifchen Hessen, welches Einstellung des 
gerichtlichen Vorgehens gegen Hermann Schwan 
gebot, der dort von Wildungen angefallen, nieder 
gelegt und gerichtlich vorgenommen sein sollte. 
Ausdrücklich wird bemerkt, daß auch der Land 
graf für sich und etlicher seiner Verwandten wegen 
zur Rechtfertigung am Kammergericht „einge 
schlagen" habe. Auch die rechtliche Reinigung 
Wildungen's muß von dem hessischen Hofgericht 
wieder fallen gelassen sein, da nicht mehr capita- 
liter, sondern nur noch civiliter, der aufgewendeten 
Kosten wegen, die Sache Wildungen oontra 
Schwan behandelt wurde. Anfang September 
war Hermann wieder in Marburg, wohin seine 
Citation zum Gerichtstag erging. Am 18. Ok 
tober 1524 fand derselbe statt, Wildlingen leistete 
deil Eid, 21 Gulden und 17*/2 Albus für den 
Prozeß verbrallcht zu haben, und Schwan wurde 
in contumaciam zur Zahlung verurtheilt. Da 
gegen erhob nun wieder Hermann Einspruch beim 
Kammergericht am 14. November und bat unl 
Einstellung des Verfahrens beim hessischen Gericht. 
Aber am 28. November wurde nach abermaligem 
Nichterscheinen Hermann's am hessischen Gericht 
das Urtheil vom 18. Oktober wiederholt. Her 
mann's Klage wegell Landfriedensbruchs gegen 
Wildungen und Wildungen's Gegenklage gegen 
ihn wegen Beleidigung wurden am Kammergericht 
weiter verhandelt. Die vorhandenen Akten reichen 
bis zum 13. Februar 1525. Eine Entscheidung 
liegt nicht vor. Die Parteien werden sich wohl 
schließlich unter einander verglichen haben. 
Daß übrigens die Streitsache Hermann Schwanes 
damals in Deutschland eine eau86 celebre war, 
geht aus einer Stelle in Eberlin's von Günzburg 
Schrift „Mich wllildert, daß kein Geld im Land 
ist" vom Jahre 1524 hervor. Es wird hier 
Psittacus (E.'s Vetter Huldreich Sittick aus 
Gutenzell bei Biberach) in dem Gespräch der drei 
Landfahrer mit ihm der Vorwurf gemacht, daß 
er dem Landgrafen Philipp zu günstig gesinnt 
sei; er habe auch nicht gewollt, daß Hermann 
Schwan von Marburg seine Klage wider den 
Fürsten ansschreibe. Darnach hätte also Hermann 
die Absicht gehabt, sogar den Landgrafen Reim 
Reichskammergericht zu verklagen. Die persön 
lichen Beziehungen Hermann Schwan's zu Eberlin 
hatte vielleicht Johann Schwan vermittelt, der 
eine Schrift Eberlin's aus dem Jahre 1524*) 
in Straßburg gedruckt hat. 
Auch in den städtischen Akten wird Hermann 
zuerst 1522 erwähnt, wo er vor dem Stadtgericht 
wegen einer Gewaltsamkeit sich zu verantworten 
hatte. Dann aber kommt er dort erst 1525 
wieder vor. Die wiederholte Vertretung seines 
Vaters bei Gericht und die Uebernahme der 
Dokumente des Verstorbenen läßt ziemlich bestimmt 
annehmen, daß er unter den Marburger Söhnen 
der älteste war. Auffallend ist, daß er nach 
dem Stadtprotokoll von 1527, nach des Vaters 
Tode, keine Stadtpflicht geben wollte, weil er 
Stadtfreiheit besitze, wofür er sich auf den gnädigen 
Herrn berief. Darauf bezieht sich auch eine 
*) Ein schöner Spiegel eines christlichen Lebens.
	        

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