Full text: Hessenland (15.1901)

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empfange, „aus welchem die Wurzeln seiner Kindheit ihre 
Nahrung gezogen, non den Menschen, die ihn aufgezogen, 
für ihn gesorgt und ihn lieb gehabt, von der Natur, die ihn 
umgeben, umblüht und geheim im Innersten beglückt, von 
der Sprache, die er als die seinige im Munde führte und 
im Herzen empfand". So kommt die jähe Erkenntniß über 
ihn, daß er als Deutscher mit an der Knechtung Deutschlands 
geholfen und deutsches Blut vergossen, daß er seiner Heimath 
die Kindestrene gebrochen und sie verloren, und daß ihm 
nichts anderes übrig bleibt, als die Schuld und Schande 
davon zu tilgen, so wie es Teutmar Steudlin gethan. Aber 
zuvor will er erst seinem Vaterlande noch nützen und 
durch einen ehrenvollen Tod für's Vaterland die Schuld 
sühnen. Er kämpft als Freiwilliger unter dem Namen 
Moritz Vlanfnß in den Schill'schen, später in den 
Lützow'schen Freischaaren und eilt mit den preußischen 
Reitern dem Süden zu, um zwischen den Ortschaften 
Salmünster und Wächtersbach in der auf beiden Seiten 
von steilen Hängen eingeschlossenen Thalenge den Rückzug 
Napoleon's von Fulda nach Mainz aufzuhalten. Un 
mittelbar vor Gelnhausen, durch dessen enges Haitzerthor 
die französische Armee ihren Rückzug bewerkstelligt hat, 
kommt es an einem nebelverhüngten Tag zum Gefecht, in 
dem Atoritz Blaufuß schwer verwundet wird. Dicht bei 
der Barbarossabnrg wird er am nächsten Morgen von 
Gela Blanfuß, die mit andern Frauen der Stadt nach 
den deutschen Verwundeten gesucht,. aufgefunden und zu 
seinen Pftcgeeltern gebracht. Eine Kugel hat ihm die 
Lungenspitze zerrissen, und erst nach langer Zeit geht er 
unter der treuen Pflege Gela's seiner Genesung entgegen. 
Sv findet er seine Heimath und seine Lieben wieder 
und der Schluß läßt errathen, daß Gela die Seine wird. 
Die Handlung des Romans ist geschickt und spannend 
verknüpft, die Personen sind lebenswahr chnrakterisirt und 
die topographischen Schilderungen der Wetteran, namentlich 
des Vogelsberges und des Kinzigthales, sind von großer 
IJferfoitaltm. 
Ernannt: die Regiernngsassessoren v. Volk mann, 
v. Bergen, Listemann, Hassel und Dr. jnr. 
H u g e n b e r g zu Kassel zu Regiernngsräthen; Gerichts 
assessor Dr. phil. Vilmar zum Amtsrichter zu Steinau; 
Pfarrer oxt,r. Ntartin zum Pfarrer zu Heringen: 
Pfarrgehülfe H e ck zu Hanau zum Pfarrer zu Hütten 
gesüß ; Pfarrer Z i e g l e r zu Waldersberg zum Pfarrer 
zu Langenschwarz. 
Zugetheilt: der Regiernngsassessor Dr. Dürr dem 
Landrathe des Kreises Atnrbnrg. 
Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Schmal 
kalden wieder gewählte Bürgermeister Engel daselbst. 
Geboren: Zwillingssöhne: Branddirektor Langer 
und Frau (Kassel, 15. November). 
(gestorben:Königl. Eisenbahnbetriebssekretär Brenne 
lKassel. 14. November); Privatmann Martin Sinning, 
72 Jahre alt (Kassel, 16. November); Lehrer Gustav 
Adolf Berg, 69 Jahre alt (Kassel, 17. November); 
verwittwete Frau Professor Emma Wikelblech, geb. 
Gerling, 86 Jahre alt (Kassel,.17. November); Königl. 
Zahlmeister a. D. John n n e s Schmidt, 82 Jahre 
alt (Kassel, 19. November); Zimmermeister Eduard 
Stange, 43 Jahre alt (Kassel, 20.. November); Justitiar 
und Generalpostdirektionsrnth a. D. Fr i edr ich Schmidt, 
81 Jahre alt (Kassel, 22. November); Frau Lina 
van der Linden, geb. Köster, 62 Jahre alt, (Kassel, 
25. November); Gutsbesitzer Baron von Deines, 
84 Jahre alt (Hanau, 26. November). 
Anschaulichkeit. Besonders anziehend ist das ■ Städtchen 
Gelnhausen mit seinen alten sagenumsponnenen Gemäuern 
und seinem anheimelnden spießbürgerlichen Leben gezeichnet. 
Hier zeigt sich Jensen's Begabung für die kleinbürgerliche 
Milieuschilderung. Die Figuren des Krämers Lorenz 
Pfeffersack, des biederen Magisters Notger Suchensteig, 
des bornirten Chirurgns Wakebusch und die des herunter 
gekommenen .Schwallwaltiers' Saint-Chevalier-Charbrillon 
sind köstliche Typen der guten alten Zeit. — Für alle, 
welche die schöne weinberühmte Stadt am Dietrichsberg 
kennen und lieben, dürfte sich schwerlich eine schönere 
Weihnachtsgabe finden als dieser Roman Wilhelm Jensen's, 
dessen äußere gediegene Ausstattung noch besonders hervor 
gehoben sei. 
Eingegangene Schriften: 
Ans Hessens Vorzeit. Erzählungen für Jugend und 
Volk von A l b e r t K l e i n s ch m i d t. 111. Lindmnth. 
8". 142 S. Verlag von Emil Roth in Gießen. 
Preis eleg. geb. Mk. 1,25. 
Der deutsche Knltnrpionier. Nachrichten ans der 
deutschen Kolonialschnle Wilhelmshof. Herausgegeben 
von Direktor Fabarins. Witzenhausen a. d. W. 
2. Jahrg. Nr. 2. 1901. 8». 72 S. 
Die Pf last er me ist er in. Roman von Alfred Bock. 
Berlin W., F. Fontane & Co. 1901. 170 S. Preis 
brosch. Mk. 2. geb. Mk. 3. 
Der Flnrschütz. Roman von Alfred Bock. Verlin >V., 
F. Fontane & Co., 1901. 96 S. Preis brosch. Mk. 1, 
geb. Mk. 2. 
Individualitäten: Von Malwida von M ey sen 
dn g. Zweite Auflage. Berlin und Leipzig, Verlag 
von Schuster & Loeffler, 1902. 579 S. Preis brvch. 
Atk. 6.—, geb. Mk. 7.50. 
Krieflmsterr. 
K. in Malsfeld. Besten Dank für die Mittheilung, 
daß pategier' (vgl. „Hessenland" S. 277) nichts anderes 
als eine Verstümmelung von frz. pwMagier sein soll, 
ähnlich wie salvete aus serviette entstanden ist. 
v. G. in Gilsa. Wir berichtigen hiermit gern, daß das 
in Nr. 14, Jahrg. 1899 des „Hessenland" veröffentlichte 
Lied eines landgrüfl. hessischen Unteroffiziers auf die Schlacht 
bei Crefeld bereits 1858 bei Gelegenheit des 100jährigen 
Gedenktages der Schlacht vom Rheinischen histor. Verein 
zu Köln gedruckt worden ist. 
II. K.-J. in München. Die Auflage ist vergriffen. 
Aber es fehlte bisher und fehlt augenblicklich an Zeit eine 
Neuauflage zu besorgen. Im übrigen besten Dank und 
Gruß! 
G. P. in Wächtersbach, C. 8. in Straßburg, A. T. in 
Wien. Besten Dank und Gruß! 
N. v. E. in München. Wir ersuchen um gefällige Ein 
sendung des Manuskripts. Freundl. Gruß. 
NB. Wir bitten unsere verehrt. Herrn Mitarbeiter, 
die geneigt sind Bücherbesprechungen zu übernehmen, um 
gef. Aufgabe ihrer Adresse nebst Bezeichnung des von ihnen 
vertretenen Spezialgebietes. 
Dnlckfcytcr-Berichtigttna. 
In der Anmerkung auf der ersten Spalte von S. 317 des vorigen 
Heftes ist zweimal fälschlich Jndentität statt Identität gedruckt 
Ivorden.
	        

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