Full text: Hessenland (15.1901)

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von dem Leben und Studiengange der beiden ver 
storbenen Mitglieder des Vereins, Di-. Buchenau 
und Dr. Bickell. Die Anwesenden ehrten das 
Andenken derselben durch Erheben von den Sitzen. 
Die werthvolle Münzensammlung des ersteren ist 
durch einen Marburger Herrn für eine Frankfurter 
Firma für 16 000 Mark angekauft worden, um 
von dieser öffentlich versteigert zu werden. Zum 
Konservator der Marburger Alterthumssammlung 
wurde einstimmig Professor von Dr ach gewählt. 
Hierauf hielt Direktor Dr. Knabe einen längeren 
Vortrag über Erziehung und Unterricht im König 
reich Westfalen, der beifällig aufgenommen wurde. 
Schließlich wurde noch beschlossen, nach einer der 
vorhandenen Photographien Bickell's ein vergrößertes 
Bild für die Marburger Alterthumssammlung her 
stellen zulassen. — Der Verein für hessische 
Geschichte und Landeskunde in Kassel 
hielt am 25. November im Evangelischen Vereins 
hause seine Monatsversammlnng ab, welche 
von dem Vorsitzenden General Eisentraut mit 
der Begrüßung der zahlreich Erschienenen er 
öffnet wurde. Nach geschäftlichen Mittheilungen 
erhielt Dr. med. Schwarzkops das Wort zu 
einem Vortrag über die Gefangenen Schill'- 
schen Offiziere und Soldaten in Kassel. 
Die hauptsächlichste Grundlage zu seinen inter 
essanten Mittheilungen bot dem Redner das städtische 
Archiv zu Kassel, welches, wie er betonte, sich 
jetzt in einem wohlgeordneten Zustande befindet 
und von einer nicht zu unterschätzenden Be 
deutung ist. Das Archiv enthält die Ver 
handlungen zwischen dem Kriegsdepartement des 
Königreichs Westfalen und dem Maire von Kassel 
über die Verpflegung der Gefangenen des Schill'schen 
Corps, oder der Schill'schen „Bande", wie die 
braven Freiheitskämpfer vom Kaiser Napoleon 
und seinen Satelliten genannt wurden. Wie es 
Schill in Stralsund erging und wie die elf Schill'schen 
Offiziere in Wesel erschossen wurden, ist durch die 
Geschichte allgemein bekannt. Weniger bekannt waren 
die Mittheilungen über das Schicksal zweier weiteren 
Offiziere Schill's, von denen der eine in Cherbourg 
aus die Galeeren kam. der andere in Wesel in 
kläglicher Gefangenschaft gehalten wurde, bis Beiden 
nach einigen Jahren Napoleon die Freiheit schenkte. 
Völlig neu für den Zuhörer aber war der Haupt 
gegenstand des Vortrags, die Anwesenheit und 
Verpflegung der Gefangenen vom Schill'schen Corps 
in Kassel. Mit düstern Farben schilderte Dr. Schwarz- 
kops das Einbringen der Gefangenen in die west 
fälische Königsstadt, ihren trostlosen Anblick, ihre 
trostlosen Aussichten. Die Offiziere kamen in das 
Kastell, die Soldaten in das Exerzierhans ans 
dem Kasernenplatz in der Königsstraße. (Redner 
gab hierbei eine bemerkenswerthe Schilderung 
über den Zustand dieses Platzes in der da 
maligen Zeit.) Für die Verpflegung der Ge 
fangenen hatte die Stadt zu sorgen, welche die 
Speisung der Unglücklichen der Witwe Wentzel am 
Wall und dem Wirth Hellmuth im Dörfchen über 
trug. Die Bierbrauerei von Eissengarthen, jetzige 
..Bärenkammer", lieferte den Gerstensaft, die 
Möller'sche Schenke an der Hohenthorstraße den 
Branntwein, ein in Kassel befindlicher Lieferant 
Weil Brot und Stroh. Dies Alles wurde durch 
verschiedene Aktenstücke bis in die Einzelheiten klar 
gelegt. Ueber ein Frühstück, welches den Schill'schen 
Offizieren bei ihrem Weitertransport auf der Frank 
furter Landstraße auf Veranlassung eines früheren 
Kameraden, des Hauptmanns von Sydow, durch 
den Wirth Lohmann aus der „Krone" (Frankfurter 
Straße) nachgefahren worden war, entstanden später 
Differenzen wegen der Bezahlung, welche letztere 
Lohmann aber endlich doch zu Theil wurde. Von 
Interesse waren auch die Mittheilungen des Herrn 
Dr. Schwarzkops über den Kapitän Biscamp, 
einen Bruder seiner Großmutter, welcher sich einiger 
der gefangenen Offiziere angenommen hatte. Leb 
hafter Beifall folgte dem bis in die Einzelheiten 
wohl ausgearbeiteten Vortrag, durch welchen die 
Kasseler Lokalgeschichte wiederum um - ein neues 
Blatt bereichert worden ist. 
Universitätsnachrichten. Die Zahl der 
Studirenden an der Universität zu Marburg be 
trägt in diesem Wintersemester nach beendeter end 
gültiger Zusammenstellung 1080. — Der Ordinarius 
für neuere Geschichte an der Universität Marburg 
Prof. Frhr. v. d. Nopp hat einen an ihn ergangenen 
Ruf als Direktor des preußischen historischen Instituts 
in Nom abgelehnt. — Am 25. November starb im 
Alter von 54 Jahren am Gehirnschlag der Ge 
heime Medizinalrath Professor Dr. Lo eh lein zu 
Gießen, seit 1888 ordentlicher Professor der Ge 
burtshülfe und Frauenheilkunde und Direktor der 
Universitätsfrauenklinik daselbst. 
Alterthumsfnnd. Wie die „Oberhess. Ztg." 
kürzlich berichtete, hat ein Einwohner von Fron 
hausen auf seinem Acker ein angeblich aus der 
Zeit des großen Kurfürsten stammendes Helm 
wappen gefunden. Die Möglichkeit, daß der Fund 
ans jener Zeit stammt, ist durchaus nicht aus 
geschlossen. Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst 
von Brandenburg, hat mit seinem Heere aus den 
Zügen zum und vom Rhein thatsächlich das Lahn 
thal und insbesondere auch Fronhausen berührt. 
Bon hier aus benutzte er jedenfalls auch die über 
die Schmelz und den Gleiberger Forst nach Wetzlar
	        

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