Full text: Hessenland (15.1901)

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erläutert au dessen Wirken zugleich die allgemeinen oder 
örtlichen Thcaterzustände der Zeit. Die einzelnen Ab 
schnitte der Dissertation schildern Großmann's Direktion 
der Bonner Hofbühne, dessen Glanzzeit in Frankfurt a. M-, 
seine Leitung der Mainz-Frankfurter Bühne und die 
darauf folgenden Wanderfahrten im Kurfürstenthum Köln. 
Nach diesen trennte sich Großmann vom Rheine, nnl nie 
mehr in diese Gebiete seiner ersten und erfolgreichsten 
Wirksamkeit zurückzukehren. Im Jahre 1786 wandte er 
sich nach Norden zu, wo sein Wirken für die Städte 
Hannover, Hildesheim, Celle, Wolfenbüttel, Braunschweig, 
Osnabrück, Bad Pyrmont und Bremen bedeutungsvoll 
werden sollte. Diesen zweiten Theil von Großmann's 
Knnstthätigkeit, der mit seinem Tod 1796 abschließt, bringt 
Wolter nicht in textlicher Darstellung, sondern er theilt 
dafür die Spielplüne der einzelnen Städte mit und er 
möglicht dadurch einen Ueberblick über Großmann's da 
maliges Wirken, vornehmlich über seinen künstlerischen 
Standpunkt bei 'der Leitung der verschiedenen Bühnen.' 
Für Hessen hat Wolter's Dissertation deshalb besonderen 
Werth, weil sie Großmainsts erstes Auftreten in Kassel im 
August und Septeyiber 1781 ausführlich schildert*) imb die 
Repertoire von späteren Aufenthalten in den Jahren 1790 
und 1791 genau wiedergibt. Der schöngeistige Friedrich II. 
begünstigte die französische Komödie und die italienische 
Oper; bei solcher Bvrliebe des Hofes für die ausländische 
Kunst hatte Großmann in Kassel keinen leichten Stand, 
dennoch gelang es ihm, bei dem dortigen Publikum rege 
Theilnahme für die Neuheiten der deutsch-dramatischen 
Poesie zu erwecken. Einige Jahre später nach Großmann's 
erstem Auftreten in Kassel Jam die berühmte Nenhausische 
Wandertruppe nach Marburg und machte auch die Ober 
hessen mit bedeutenden neueren Bühnenwerken bekannt. Unter 
anderen Stücken spielte man 1788 im Rathhaussaale auch 
„Kabale und Liebe" von Schiller in sehr guter Besetzung. **) 
*) Bergl. hierüber auch den trefflichen Aufsatz vo. Wolter's: 
„Das Kasseler Theater zur Zeit des Schauspieldirektors 
Großmann" („Hessenland" 1898, S. 166ff., 179 ff., 190ff.) 
**) Näheres darüber wird uns die geehrte Berfasscrin 
in einer der nächsten Nummern mittheilen. D. Red. 
Ganz besonders werthvollen Aufschluß gibt Wolter's 
Monographie über Großmann's schriftstellerische Thätig 
keit. Seine verschiedenen Bühnenwerke werden innerhalb 
des Rahmens ihrer Entstehungszeit sowohl hinsichtlich ihres 
ästhetischen als theatralischen Werthes richtig beurtheilt, 
seine kritischen Schriften zum ersten Male zusammen 
hängend einer Beurtheilung unterzogen. Als besonders 
wichtig wird hier Großmann's Verhältniß zu Goethe, 
Shakespeare und Lessing hervorgehoben, während an 
anderer Stelle Schiller's Förderung durch den damaligen 
Bonner imb Frankfurter Theaterdirektor die gebührende 
Würdigung erfährt. Auch Großmann's Beziehungen zu 
berühmten Zeitgenossen, in erster Linie zu Frau Rath 
Goethe, werden herangezogen, um ein möglichst getreues 
Bild des Menschen und Künstlers wiederzugeben. Und 
so empfangen wir den Eindruck, eine jener vielseitigen 
und hochbegabten Persönlichkeiten aus der zweiten Hälfte 
des XVIII. Jahrhunderts kennen gelernt zu haben, die 
dem Fortschritt der Kunst neue Bahnen erschlossen, die auf 
ihrem Gebiete und in ihrer Zeit das Beste geleistet haben, 
ohne deshalb starke Charaktere oder nur sittlich festver 
ankerte Menschen zu sein. — Die Dissertation hat noch 
einige werthvollen Beilagen, von denen uns neben Groß- 
mnnn's chronologisch geordneten Repertoiren das Ver 
zeichniß der von diesem gespielten Rollen und der Bericht 
über die Mitglieder seiner Gesellschaft die werthvollsten zu 
sein scheinen. 
Wolter's Arbeit, die sich oft durch dunkle und unbebaute 
Strecken ihren Weg suchen mußte, darf als ein gutes 
Stück ausharrenden deutschen Gelehrtenfleißes bezeichnet 
werden. Ist auch hie und da ein kleiner Irrthum unter 
laufen, bleibt auch da und dort noch etwas zu ergänzen, 
so vermindert dies den hohen kulturgeschichtlichen Werth 
der Arbeit keineswegs. Daß der textliche Theil derselben 
in einem klaren lesbaren Deutsch geschrieben wurde, ist 
um so mehr anzuerkennen, als damit die Schwäche so 
vieler tüchtiger Leistungen glücklich umgangen und auch 
dem Laien Gelegenheit geboten ist, sich mühelos mit dem 
Inhalt der Schrift bekannt zu machen. 
E. Mentzel'. 
— ^>-<4- 
Ooch ee Gelrät?) 
(Schwülmcr Mundart.) 
Zwie Knächt, die gonge off dos Mohd; 
Zwo Mähre gonge mct. 
Es küffe dv die Zwie? wink Stvnt 
Dä Zwo.? See wehrtcs net. 
Zwec? Ööje mir, die guckte grafe; 
Dr Ami ehr Ööje bletzte? Haß. 
Es wonn doch nur zwee Johr äscht hör, 
Daß sce die Zwie gehatt. 
Etzt wonnser wank?. Bär woll sec, bar? 
Iw Källerloch die Rntt? 
Aus Keirnuth 
Gährn hüttfen is Gefecht gespuckt 
Dä Bier. Doch höt fee net gemuckt. 
„Naut märke lässe!" wor ehr Gproch. 
Da bär dä Schonre höt, 
Dä trefft d'r Spott züm Schonre noch. 
See bätt? nur: „Liewer Gött, 
Es es so schwer allee ze seng. 
Mach, däß ich bahl in anern seng!" ? 
h Auch ein Gebet, h es sei hier auf die unterschied- 
licheu Formen für die Zweizahl, //wie, zwo, zwo, auf 
merksam gemacht, :! ) blickten, 4 ) untreu, r ') betete, ") finde. 
Kurt Mul)»,. 
unö Irrernöe. 
H e s s i s ch e r G e s ch i ch t s v e r e i n. Der hessische 
Zeschichtsverein zn Marburg hielt am 22. November 
m Museum seine erste Sitznlig in diesem Winter 
ab, die gut besucht war. Nach Mittheilung einiger 
geschäftlicher Allgelegenheiten gab der Vorsitzende 
Geheimrath Di-. Könnecke ein ausführliches Bild
	        

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