Full text: Hessenland (15.1901)

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klagte ihn darauf wegen grundloser schwerer Be 
leidigung. Von Kassel, am 22. Dezember 1522, 
erging sodann an Hermann Schwan in Torgau 
eine Ladung auf die landgräfliche Kanzlei zur 
rechtlichen Verantwortung auf den 2. März 1523. 
Zugesichert war freies Geleit vor Gewalt hin und 
zurück von dem Gerichtstage an, bis wieder in 
sein Gewahrsam. Am 19. Februar 1523 gab 
Hermann darauf als Bürger von Torgau die 
Antwort, er willige nicht in den Gerichtszwang 
des Landgrafen, da er dem Kurfürsten Friedrich 
von Sachsen unterstehe, und Wildungen habe ihn 
bei diesem nicht beklagt. Da nun die Wildlingen 
durch diese Anklage zunächst nichts erreicht hatten, 
aber gegen die ihre Ehre höchlichst berührenden 
Beschuldigungen Hermann's vor der Oessentlichkeit 
sich rechtfertigen zu müssen glaubten, erließen 
Caspar, Johann und Heinrich von Wildungen 
am 20. März 1523 ebenfalls eine öffentliche Be 
kanntmachung ans der Frankfurter Ostermesse, die 
sie am Römerkirchthnrm und sonst, namentlich an 
den Thoren, unter ihrem Siegel anschlagen ließen. 
Darin stellten sie ihrerseits Hermann Schwan als 
einen verzweifelten gründlichen Bösewicht hin, der, 
um sie zil schmähen, alles erdichtet habe, was 
auch daraus hervorgehe, daß er sich dem Gericht 
zu stellen verweigere. Zugleich deuteten sie an, wie 
unerhört er als Franenschünder in Marburg ge 
handelt habe, und wer Näheres darüber erfahren 
wolle, solle sich nur dort erkundigen. Sie er 
mahnten jedermann, mit ihm keine Gemeinschaft 
zu haben und ihm keinerlei Vorschub zu leisten. 
Alls Wildllngen's Drängen wurde Hermann dann 
nochmals vor das Hofgericht zu Marburg auf 
den 28. Mai 1523 geladen. Als er aber wiederum 
nicht erschienen war, beschloß das Gericht, wolle 
Johann von Wildungen sich mit gutem Gewissen 
eidlich reinigen, daß er die Schmähworte Hermann's 
nicht verdient habe und der vorgeworfenen Hand 
lungen unschuldig sei, so solle er auch der er 
littenen Gerichtskosten ledig gesprochen werden. 
Er leistete diesen Eid und erhielt den über seine 
geschehene Reinigung begehrten Schein. 
Nachdem Hermann schon fast 1Va Jahr, feit 
dem 7. April 1522, aus Marburg und Hessen 
verbannt gewesen war, versuchte er durch ein Bckt- 
schreiben an den Landgrafen vom 25. Juli 1523 
seine Rückkehr zu ermöglichen. Er bat, die Mnr- 
burger Sache in Güte verhören, vertragen mid 
beilegen zu lassen, zum mindesten aber die Be 
schlagnahme seines Patrimoniums aufzuheben und 
if;m zu gestatten, von seinem Widersacher im 
Fürstenthum, der ihn wider Billigkeit geschädigt 
habe, in ehrlichem Zweikampfe das Seinige wieder 
zu erlangen. Wenn ihn: sein Begehren nicht 
bewilligt werde, müsse er sich auf seinen ordent 
lichen Richter, den Kurfürsten Friedrich, berufen. 
Die Antwort der Räthe im Namen des Land 
grafen vom 3. September 1523 erklärte jenes 
Verlangen der Selbsthilfe durch Zweikampf für 
durchaus unzulässig; wem: er aber gewillt fei, 
Jemand mit Recht anzusprechen und auch seiner 
seits denen, die zu ihm zu sprechen Hütten, sich 
zu stellen, so wollten S. f. G. ihm dazu Geleit 
vor Gewalt, aber kein eigenes Recht, geben. Weil 
Hermann der Meinung war, der Landgraf sei 
hier in eigener Sache Kläger und Richter, er 
selbst werde also nicht vor unparteiischem Richter 
zu stehen kommen, so nahm er das Gericht des 
Landgrafen abermals nicht an. 
Seine vergeblichen Bemühungen für eine fried 
liche Erledigung der Marburger Sache und das 
öffentliche Ansschreiben der Wildungen gegen ihn 
mit seinen versteckten schlimmen Beschuldigungen 
nöthigte ihn, nun abermals den Weg der Oeffentlich- 
keit zu betreten. Am 16. Oktober 1523 „an 
der Elbe", also wohl in Torgan, verfaßte Hermann 
das umfangreiche Schriftstück und ließ es drucken, 
worin er seinen Marburger Feind und dessen 
Frau mit Veröffentlichung ihrer ganzen Schmach 
und mit rückhaltloser Darlegung seiner eigenen 
Beziehungen zu denselben zum Nachweis seiner 
unverdienten Verbannung bloßstellte. Dabei drohte 
er, wenn nicht zwischen jetzt und Christtag die Be 
schlagnahme seines Eigenthums und seine Ver 
bannung aufgehoben und ihm dies durch Christoffel 
Schonberg in Eisenach zweifellos versichert sei, so 
werde er seinen Widerpart in jeder Weise an 
Leib und Gut schädigen, er möge es klagen, 
ihm liege nichts daran. Jedenfalls hat Hermann 
mit dieser Drohung Erfolg gehabt, wenn auch 
nicht zu der von ihm hier bestimmten Zeit. Denn 
schon Anfangs September 1524, wie aus einer 
Prozeßkostenausstellung Wildungen's hervorgeht, 
war Hermann wieder in Marburg nnb nach 
Bemerkungen des Wildungen'schen Sachwalters 
am Reichskammergericht vom 23. Dezember 1524 
und 13. Februar 1525 hatte er sich mit dem 
Landgrafen vertragen und in Marburg wieder 
häuslich niedergelassen. Am 27. Oktober 1525 
vertrat er seinen Vater Daniel in einer beim 
Stadtgericht anhängigen Sache. Eine gerichtliche 
Verhandlung über die Klage des Rentschreibers 
wird nirgends berichtet. Von Hermann's Ver 
theidiger am Reichskammergericht wird ausdrücklich 
angegeben, daß er ohne sein Verschulden in des 
Landgrafen große Ungnade gekommen fei. Her 
mann's Widersacher ist nur bis zum Jahre 1525 
in den Marburger Bürgerlisten verzeichnet. Er 
wird Hermann haben weichen müssen.
	        

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