Full text: Hessenland (15.1901)

— 27 
bei Jaenecke) und zu dem er 1899 die von 
ihm allein gesammelten „Regesten" herausgab 
(Kommissionsverlag von Friedr. Scheel in Kassel). 
In ähnlicher Weise bearbeitete und stellte er in 
den Jahren 1894—97 eine Geschichte der Familie 
von der Malsburg nahezu, fertig und unter 
nahm zu diesem Zweck Reisen nach den Archiven 
Paderborn, Münster, Hannover, Braunschweig 
und Marburg. Das Werk ist noch ungedruckt 
und wurde wohl durch bald folgende ander 
weitige Studien aufgehalten. 
Im April 1897 wurde er von der historischen 
Kommission bezw. dem Herrn Landesdirektor mit 
der Sammlung des historischen Materials für das 
herauszugebende Inventar der Bau- und Kunst 
denkmäler im Regierungsbezirk Kassel 
betraut und arbeitete zu diesem Zweck mit dem 
Bezirkskonservator Dr. Bickell zusammen, bei 
dem er auch während seines Marburger Aufent 
halts im Sommer 1897 und zuletzt wieder im 
vergangenen Sommer wohnte. Er unternahm zu 
demselben Zweck Reisen nach Gelnhausen, Birstein, 
Büdingen, Marburg rc. und erhielt vielfach 
längeren Urlaub von seiner Behörde oder theilweise 
Dispensation von den Dienststunden. Der erste 
Theil dieser Bau- und Kunstdenkmäler, der den 
Kreis Gelnhausen behandelt, ist Weihnachten 
1900 im Verlag der N. G. Elwert'schen Verlags 
buchhandlung in Marburg erschienen.*) Für den 
Text, der ausführliche Beschreibungen der wich 
tigsten Kunstdenkmäler von Gelnhausen, Orb, 
Birstein, Wächtersbach re. neben einer vorausge 
schickten Topographie und allgemeinen Geschichte 
der behandelten Ortschaften bringt und auf 
speziellsten Quellenstudien beruht, mußte der Heim 
gegangene tausende von Urkunden, älteren, neueren 
und neuesten Akten im Marburger Staatsarchiv, 
in den in Betracht kommenden Stadtarchiven des 
Kreises sowie in den sehr reichen Archiven zu 
Birstein und Wächtersbach durcharbeiten, deren 
Material dann von dem Herausgeber Dr. Bickell 
für seine Arbeit verwerthet wurde. Nachdem dieser 
erste Theil der Publikationen fertig gestellt war, 
hatte der Verstorbene im letzten Sommer begonnen, 
in derselben Weise das historische Material für 
den Kreis Fritzlar zu sammeln und im Dom 
archiv zu Fritzlar und im Marburger Staatsarchiv 
gearbeitet. 
Im Jahre 1899 wurde Dr. Grotesend von dem 
Vorstand des Hessischen Geschichtsvereins mit der 
Aufgabe betraut, die Frage des Hessischen 
*) 27^2 Bogen Text und 350 Lichtdrucktafeln in 4" 
Format. Vgl. die Ankündigung im „Hessenland" 1900, 
Nr. 23, S. 204. 
Soldatenhandels, welche bekanntlich immer 
wieder in kritiklosen Blättern auftaucht und zu 
Angriffen und Schmähungen hessischer Fürsten, 
besonders Friedriche n., benutzt wird, einer gründ 
lichen Bearbeitung zu unterziehen und alles darüber 
vorhandene Quellenmaterial zu sammeln. Diese 
Arbeit gehörte zu den Lieblingsforschungen des 
Verstorbenen. Er unterzog sich der Sache mit 
größtem Eifer und arbeitete noch in seinen letzten 
Tagen daran. Das geheime Kriegsarchiv in 
Berlin, wohin die hessischen Akten des Kriegs 
ministeriums 18.66 gebracht worden waren, hatte 
die Arbeit mit der größten Bereitwilligkeit und 
Zuvorkommenheit unterstützt und bis zuletzt immer 
neue Aktensendungen zur Bearbeitung geschickt. 
Die eben besprochene wissenschaftliche Thätigkeit 
Grotefend's wird noch ergänzt durch zahlreiche 
Aufsätze für die „Allgemeine Deutsche Biographie", 
durch Besprechungen und Aussätze für das „Hessen 
land", für die „Franks. Zeitung", für die „Kasseler 
Allgem. Zeitung" (so noch kürzlich durch einen 
Aussatz zum Gedächtniß Vilmar's) u. a., und eine 
Reihe von Vorträgen im Hessischen Geschichtsverein, 
z. B. „Ueber die Lage der Gewerbe in Hessen 
unter Wilhelm IV.", „Ueber die Herrn von Geln 
hausen" re. re. 
Als im Jahre 1895 Dr. Daniel Saul, unser 
trefflicher Landsmann, die Leitung des „Hessenland" 
niedergelegt hatte, war es wiederum Dr. Grote- 
fend, der mit diesem Amte betraut wurde. Was 
diese sechsjährige Thätigkeit für das Blatt bedeutet, 
lehrt ein flüchtiger Blick auf die einzelnen Jahr 
gänge. Nicht nur, daß er selbst eine stattliche 
Reihe werthvoller historischer und kulturhistorischer 
Beiträge lieferte, verstand er es, befähigte Schrift 
steller und Künstler zur Mitarbeit heranzuziehen 
und zu den alten Freunden zahlreiche neue zu 
gewinnen. Namentlich ist es ihn: als Verdienst 
anzurechnen, daß er in der Auswahl des dar 
gebotenen Stoffes — nicht zum mindesten der 
poetischen Ergüsse — größere Strenge als der 
(sonst so verdienstvolle) Begründer' des Blattes 
walten ließ. Wenn das „Hessenland" sich im 
Laufe der Jahre immer mehr zu einem unent 
behrlichen Organ hessischer Familien herauswuchs, 
so haben wir neben den alten Mitarbeitern, die 
treu zu seiner Fahne hielten, dies vor allen 
Dingen dem redaktionellen Geschick des Verstorbenen 
zu verdanken, der mit allzeit regem Interesse und 
großer Selbstlosigkeit der Sache diente. Die jetzt 
vollendeten sechs Jahrgänge des „Hessenland" 
werden ihm einen dauernden Ehrenplatz in unserer 
hessischen Geschichte sichern. 
Noch fehlt etwas zur Vollständigkeit seines 
Bildes. Neben seiner rastlosen wissenschaftlichen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.