Full text: Hessenland (15.1901)

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einzelnen deutschen Stämme wiederholt anführen, 
der Eigenschaft der Hessen als Blinder oder Tölpel 
hafter auch nur mit einem Wort gedenken, während 
sie der Armuth des Hessenlandes, der „mageren 
Hessen", des „Geißenlandes", des „hessischen 
Schneiderspecks" reichlich Erwähnung thun. 
Leider ist die im 17. Jahrhundert auskommende*), 
noch heute landläufige und für die zeitliche Be 
grenzung der Begriffsünderung wichtige Redensart 
„die Alten werden zweimal blind, wie die Hessen 
einmal", womit sich zum ersten Mal der heutige 
Sinn der Bezeichnung „blinder Hesse" verbindet, 
vom Verfasser übersehen worden. 
Auch sonst vermißt man wünschenswerthe Voll 
ständigkeit in der Aufzählung von Beispielen. So 
z. B. findet sich bei Hans Sachs (IV, 3,92a) 
ein Beleg für die „blinden Hunde": „Die Hessen 
engst (vexirt) man mit den Hunden", für „blinde 
Hundehessen" bei Lüntzel, Hildesheimische Stifts- 
sehde, S. 36 u. ö., sowie bei Rommel, Geschichte 
von Hessen, VII, 202. Besonders aber muß es 
uns befremden, daß die allbekannten und bereits 
bei Koerte* **) sich findenden Sprichwörter fehlen: 
„Im Lande Hessen giebt's große Schüsseln (Berg') 
*) Zuerst in Filidor's „Vermeinter Prinz" (1665) S. 93. 
**J Die Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten 
der Deutschen. 2. Ausl. Leipzig 1861. 
und wenig zu essen" (Koerte Nr. 3509), „Im 
Lande Hessen giebt's große Berg' und wenig zu 
essen" (ebenda Nr. 3510), und „Große Krüg' und 
saurer Wein, wer wollte wohl gern in Hessen 
sein!" (ebenda Nr. 3512). 
Zwar ist Küfsner, wie aus dem Vorwort ersicht 
lich, der Ueberzeugung, daß die von ihm benutzten 
Quellen — eine von ihm angelegte Liste von 
Werken über Sprichwörter enthält noch 174 un 
benutzte Quellen! — genügen, um ein Bild von 
dem deutschen Volk und seinen Stämmen zn geben, 
doch kann unserer Ansicht nach ein solches Buch 
erst dann vollen Werth erhalten, wenn die 
Belege so erschöpfend wie möglich gesammelt werden. 
So kann die vorliegende Arbeit nur als ein viel 
versprechender Versuch zu einem umfassenden größeren 
Werke bezeichnet werden, durch das sich der Heraus 
geber bei einer hoffentlich bald in Aussicht stehen 
den zweiten Auflage ein unschätzbares Verdienst 
erwerben würde. W. S. 
Zur Besprechung eingegangen: 
H u s s a s a. Reiterlieder, Jägerlieder, Wanderlieder und 
andere Lieder mit einem Anhang: Heinrich von 
Morungen, episch-lyrische Dichtung aus der Minne 
sängerzeit von Eberhard Freiherr von Wechmar. 
München, Druck und Verlag vvn I. Schön. 1901. 
168 S. Preis 3 Mk. 
'DerrsorrcrLien. 
Ernannt: der Landrichter H o f m a n n zn Kassel zum 
Landgerichtsrath; der Staatsanwaltschaftsrath Lehmann 
beim Landgericht in Breslau zum ersten Staatsanwalt 
beim Landgericht in Hanau; der Gerichtsassessor Henrici 
in Kassel zum Konsistorialassessor daselbst; der bisherige 
wissensch. Hülfsarbeiter an der Universitätsbibliothek zn 
Marburg Dr. phil. Fabricins zum Bibliothekar an 
der Kaiser-Wilhelmsbibliothek zu Posen; der Rechtskandidat 
Klippert zum Referendar. 
Verliehen: dem Oberlandesgerichtsrath v o n B i s ch o f f s - 
hausen am Oberlandesgericht zu Kassel und dem ersten 
Staatsanwalt am Landgericht daselbst von Ditfnrth 
der Charakter als Geheimer Justizrath; dem Amtsgerichts 
rath Köhler beim Amtsgericht zu Kassel der Rothe 
Adlerorden 4. Klasse; dem Metropolitan Wepler zu 
Waldkappel, den Pfarrern Kramer zu Niederissigheim, 
I f f l a n d zn Arnsbach, S t o l z e n b a ch zu Obervorschütz, 
U ff e lm a n n von Ziegenhagen, wohnhaft zn Allendorf a. W., 
Junghans zu Preungesheim und Schlicht zu Rückingen 
der Rothe Adlerorden 4. Klasse; dem Gräflich Psen- 
bnrg'schen Kammerrath Kr über zn Meerholz der Kronen 
orden 4. Klasse. 
Ueberwieserr: der Regierungsassessor Dr. Ziller der 
Königlichen Regierung zu Kassel. 
Hebergetreteir: die Referendare Herbst ans Magde- 
burg und Stolzenberg aus Wetter in den Königlichen 
Polizeidienst zn Kassel. 
Versetzt: der Amtsgerichtsrath Klingenbiel zu Neu 
stadt als Landgerichtsrath an das Landgericht zu Marburg. 
Vermählt: Direktor der nassauischen Landesbibliothek 
Prof. Dr. Liesegang mit Fräulein Hartwig, Tochter 
des Bibliotheksdirektors a. D. und Geh. Negierungsraths 
(Marburg, November). 
Geboren: ein Sohn: Wissenschaftlicher Lehrer Rudolf 
Schlunk und Frau, geb. Witzel (Kassel, 4. November); 
— eine Tochter: Bauinspektor Brosins und Frau 
(Kassel, 8. November). 
Gestorben: Gärtnereibesitzer Jean Hördemann, 
58 Jahre alt (Wolfsanger, 3. November); verwittwete 
Frau Oberstleutnant Emma d'Orville, geb. von 
Carl8hausen, 65 Jahre alt (Kassel, 5. November); 
Frau Elise Demme, geb. Otto, 26 Jahre alt (Hersfeld, 
5. November); Königl. Dekorationsmaler a. D. Heinrich 
Müller, 68 Jahre alt (Kassel, 8. November); Konsistorial- 
präsident a. D. Hermann Opitz, 74 Jahre alt (Hanau 
10. November); Kanzleirath N e i n h o l d Mühlbach, 
(Kassel, 11. November); Königl. Oberstaatsanwalt Geh. 
Oberjustizrath Dr. jur. Karl Bartels, 74 Jahre alt 
(Kassel, 13. November). 
Krreflrasteir. 
D. 8. in Stuttgart, 6. 14. in Kesselstadt, LI. v. M. in 
Nom, LI. v. E. in München, 8. E. in Ravolzhausen, 
F. LI. in Gießen. Verbindlichsten Dank und Gruß! 
A. CI. in Kassel. ,,D. S." ist längst in den Papierkorb 
gewandert. Die Bücher liegen von Ende November ab 
auf der Redaktion (Schloßplatz 4) zur Abholung bereit. 
R. H. in Kassel, H. A. in Kassel. Wegen Stoffandrangs 
zurückgestellt. 
E. F. in Corbach. Noch nicht druckreif. 
Für die Redaktion verantwortlich: Dr. W. Schoof in Marburg. Druck und Verlag von Friedr. Scheel, Kaßel.
	        

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