Full text: Hessenland (15.1901)

305 
ober sog. rothen ©teilte*) zu schaffen. In Aus 
führung dieses Planes wurde die Fürstengallerie 
in der Schloßknppel angelegt. Dabei ist der für 
die Bilder der hessischen Fürsten bestimmte Raum 
aus 24 Personen berechnet. Nun ist gerade vor 
Heinrich I., dem ersten Landgrafen oder eigentlich 
dem ersten Herrn von Hessen, ein Feld frei, und 
von den Schloßdienern wird erzählt, es sei zuerst 
beabsichtigt worden, hier die Mutter Heinrich's I., 
Herzogin Sophie von Brabant, die Stammmutter 
des hessischen Fürstenhauses, oder gar die heilige 
Elisabeth von Thüringen an diese Stelle zu 
bringen, dann aber habe Kurfürst Wilhelm I. 
erklärt, keine Frau in der Kuppel haben zu wollen. 
In nachstehender Ordnung folgen die hessischen 
Fürsten und zwar, soweit aus den bald auf der 
linken, bald auf der rechten Seite angebrachten 
Namen meist mit Jahreszahl zu ersehen, unter 
Angabe der Namen der Maler. 
1. Heinrich I. 
2. Otto 
3. Heinrich II. 
(4. Hermann der Gelehrte) 
5. Ludwig I. 
6. Ludwig II. 
7. Heinrich III. 
8. Wilhelm I. 
9. Wilhelm II. 
10. Wilhelm III. 
11. Philipp 
12. Wilhelm IV. 
13. Moritz 
14. Wilhelm V. 
15. Wilhelm VI. 
16. Wilhelm VII. 
17. Karl 
18. Friedrich I. 
19. Wilhelm VIII. 
20. Friedrich II. 
21. Wilhelm IX. (als Kurfürst 
Wilhelm I.) 
22. Wilhelm II. 
23. Friedrich Wilhelm I. H. 1877. 
Es fehlt hiernach Johannes, der jüngere Sohn 
Heinrich's, welcher nach dessen Tode 3 Jahre 
über Niederhessen regierte (1308 — 1311). Nach 
seinem Tode folgte der bis dahin nur über 
Oberhessen regiert habende ältere Sohn, Otto, 
über ganz Hessen (1311 — 1328). Sodann fehlt 
das Bild Hermann's des Gelehrten. In Heßler's 
Geschichte von Hessen (Kassel 1891), welche sämmt 
liche vorstehend genannten Fürstenbilder in Licht 
druck enthält, ist auch ein Bild Hermann's des 
Gelehrten; dies ist aber nach angestellten Er 
mittelungen dem in der Kasseler Landesbibliothek 
*) Fr. Chr. Schminke: Versuch einer Beschreibung 
der Hochfürstl. Hess. Residenz- und Hauptstadt Kassel 
(Kassel 1767), S. 103; — Kassel in histor.-topograph. 
Hinsicht (Marburg 1805), S. 112. fg. 
vorhandenen Folianten: „Monumentum Sepul- 
crale ad . . Dn. Mauritii Memoriam Gloriae 
Seinpiternam Erectum. Cassellis 1638“ ent 
nommen. Daselbst kommt zwar Hermann der 
Gelehrte nicht vor, wohl aber unter den vielen 
Bildern des hessischen Fürstenhauses des damaligen 
Zeitraums auch ein Sohn des Landgrafen Moritz 
des Gelehrten, Namens Hermann, welcher als „ein 
äußerst gelehrter und wissenschaftlich gebildeter 
Fürst und selbst- Schriftsteller" in den hessischen 
Geschichtsbüchern, wie z. B „Geschichte der Regenten 
von Hessen-Kassel" (Kassel 1882), S. 92, geschildert 
wird, und in dem Folianten lautet die Inschrift 
über dem Bilde dieses Hermann (st 1658), ähnlich 
der über den Bildern seiner Brüder: „Essigs 
Hermann! Hassiae Landgravii.“ Dieser mußte 
für Hermann den Gelehrten (st 1413), um in 
einem Geschichtswerke die Fürstenbilder vollzählig 
zu. haben, mit seinem Kopfe herhalten; denn 
letzterer stimmt vollständig überein, während alles 
klebrige in den Bildern verschieden ist. 
Seit wann die zwei Felder, das vor Heinrich I. 
und das, wohin Hermann gehört, leer sind, muß 
noch festgestellt werden. Daß insbesondere letzteres 
von Ansang an gefehlt habe, ist nicht wohl an 
zunehmen, da dies die Schönheit der Anlage er 
heblich beeinträchtigt haben würde. Im Hessen 
lande erzählte man sich, daß, ehe das Bild des 
letzten Kurfürsten in der Schloßknppel angebracht 
worden, nur noch ein Platz frei gewesen sei, ähn 
lich wie bei der Kaisergallerie im Römer zu 
Frankfurt a. M., bevor der letzte Kaiser dieselbe 
ausfüllte (Franz II.). Bis zur Einverleibung 
des Kurfürstenthums Hessen in die preußische 
Monarchie im. Jahre 1866 wurde das Schloß 
zu Wilhelmshöhe gleicher Weise wie das zu Kassel 
niemandem zur bloßen Schau gezeigt, dann aber 
eine Reihe von Jahren mit der Kuppel, während 
letztere in neuerer Zeit, abgesehen von besonderem 
Verlangen, nicht gezeigt wird. . Verschiedene Per 
sonen, welche 1866 oder später die Kuppel gesehen 
haben, versichern, daß damals nur ein Feld leer 
gewesen sei. Dazu kommen unterstützend hinzu 
die Aussagen höchst glaubwürdiger Personen. In 
einem mir vorgezeigten Briese des Landgrafen 
Friedrich Wilhelm von Hessen, welcher, 1820 
geboren, für den Todesfall des letzten Kurfürsten 
als dessen Thronfolger galt. an den in den 90er 
Jahren verstorbenen Oberstlieutenant a.D.v.Heath- 
eote zu Kassel vom 16. Februar 1877 spricht 
Ersterer seine Absicht aus, ein Bild des seligen 
Kurfürsten malen zu lassen, und bemerkt dazu: 
„Es ist noch eine niche frei und diese niche wird 
nun das Portrait einnehmen"; erzählt darauf 
noch eine ähnliche Begebenheit im oldenburgisch- 
A. Range 1820. 
A. Range 1820. 
Weygandt 1820. 
Weygandt 1821. 
August N. d. Emde 1821. 
August v. d. Emde 1821. 
Ludooico Hummel. 
A. Range 1817. 
August v. d. Emde 1817. 
Weygandt 1818. 
Weygandt 1817. 
Weygandt 1817.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.