Full text: Hessenland (15.1901)

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geführten elterlicheil Bildnisse von Cäsar Eimer- 
mache r. 
Gute Pastellbilder lieferten die Damen Anna 
Soest und Klara von Steinsdorss, und zwar 
Erstgenannte das Portrait eines jungen Mädchens 
in weißer Bluse, Letztere in ganz hervorragend 
eleganter Technik dasjenige einer reizenden Dame. 
Studienköpse bieten dann ferner Walther 
Merkel und Mundatas-Harburger, ein 
genrehast aufgefaßtes weibliches Bildniß Louis 
Katzenstein, welcher außerdem in sympathischer 
Weife eine Szene aus Mozart's Familienleben und 
ein liebliches Kind vom Lande „Im Walde" zur 
Anschauung bringt. Die oberbayrischen Typen 
Mundatas-Harburger's verrathen Humor und offenen 
Blick für das Individuelle. 
Von Stillleben sind nur die Blumenarrangements 
des Fräulein Soest und Max Lieberg's vor 
handen, welche zu den tüchtigen Leistungen gezählt 
werden können. Als fleißige Kleinmalerei wäre 
des Letzterwähnten „In Gedanken", als historisch 
vertiefte Genredarstellung sein „Gottesruf: Adam, 
wo bist Du?" hier anzufügen. 
De Kuckircksgengder?) 
(Schwälmer Mundart.) 
„Gett, Väter, schneit de Gengder o, 
Es rombelt 2 ) mer em Buch, 
Ich hon schont lang Grasame^) dro. 
Zu, macht on dommelt uch!" . . . 
So pänderwiertH de Mellesch Klos 
Bei jerer Mettägssäp; 
De Ahle äwer scherrelt^) blos 
Da met d'm weise Käp. 
On säd gewechtig alteret! G ): 
„Däß Väter sich vergreist, 
So mer neckts der nechts gett däs net; — 
Watt 7 ), bis de Kuckuck reist!" 
„De Kuckuck reist!" . . . Bäs däht de Jäng? 
Hä klattert of e Bich?) 
Die en d'm nohe Wällche 2 ) stäng? 2 ) 
De „Kuckuck" räff 71 ) nu glich. 
Seng Väter spetzt die Oh'n 12 ) on sät: 
„Na nu, bäs fall m'r däs?" ... 
Hä nomm de „Henkende" 72 ) vom Brät, 
De Brell flog os die Näs. 
Hä lns — — on brommt: „Bär dv bedreit, 
Ich komm net se GeschärrZJ 
Aentwärer de Kallänger teil, 15 ) 
Söst eß de Kuckuck ärr. 72 ) 
Eine Reihe in modernem Geiste erfundener, 
technisch wacker gerathener Radirungen sandte 
Hans Neumann jr. (jetzt München) und eine 
Kollektion Typen und Szenen aus der Schwalm, 
in Blei gezeichnet, der treffliche Wilhelm Thiel 
mann. In diesen Blättern vereinigen sich wunder 
bare Schärfe der Auffassung, liebenswürdiger 
Humor und hohes technisches Vermögen zu einem 
äußerst erquicklichen Ganzen. 
Außer Hans Neumann wirken noch mehrere 
Angehörige unserer jüngeren Künstlergeneration in 
Jsarathen und gaben zur diesmaligen Ausstellung 
erfreulicher Weise ihre Visitenkarten ab. Eine 
meisterhafte Pastell-Landschaft Hans Meyer's 
(welcher freilich inzwischen nach Zürich übersiedelte), 
die prächtige Abendstimmung „Aus dem Schwalm 
grund" Hans Fehrenb erg's, ein Studien 
köpfchen und ein biblisches Gemälde Anna Schepp's, 
diverse aus helle, leuchtende Töne gestimmte 
italienische Motive C. Horn's und eine Kollektion 
H. Giebel's, welche mancherlei sehr Beachtens- 
werthes enthält, seien schließlich rühmend hervor 
gehoben. — a — 
Däch Rächt bleibt Rächt! Do gett nechts äb!" — 
Hä wetzt d's Keibemäß 17 ) 
On langt de halwe Gengder räb: 
„De Kuckuck reist! — Jäng äß!" 
Obergrenzebach. Ioh. Keinrich Schwalm. 
h Gengder — gefüllter Schweinemagen, der angeschnitten 
wird, wenn der Kuckuck ruft (Die Sitte, den „Gengder" 
anzuschneiden, die im vorliegenden Falle die Freude über 
die erwachende Natur ausdrücken soll, wird in der Schwalm 
gegend auch ausgeübt, wenn der Antrag eines Freiers 
Aussicht aus Annahme hat); y rumort; 3 ) franz. grantle 
faim — großer Hunger, Appetit; 4 ) quält; 6 ) schüttelt; 
8 ) eigentl. allen Ritt — jedesmal; 7 ) wart'; 8 ) Buche; 
0) Wäldchen; '") stand; ll ) rief; ") spitzt die Ohren; 
") den Hinkenden (Kalender); ") es gelingt mir nicht, 
das Richtige zu finden; '") entweder der Kalender lügt; 
") oder der Kuckuck ist irr; 'h Küchenmesser. 
Der Hannes en der Schtohd. 
(Niederhessische Mundart. — Fritzlarer Gegend.) 
Der Hannes wor mo en Kassel jewänJ 
On hatte ö die Fijuren jesähn, 
Die ohne Kerrel 2 ) on ohne Hosen 
Goinz leddig 2 ) do schienn os den großen RosenH 
En der Au. — Dos wor ämme doch zu vele. 
Daß die do so schtungen 2 ) bi Hetze on KeleH — 
Donn wor hä werre no heme jesohren. 
*) gewesen. 2 ) Kittel, 3 ) ganz nackt, y auf dem großen 
Rasen, *) standen, n ) bei Hitze und Külte.
	        

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