Full text: Hessenland (15.1901)

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im öffentlichen Verkehr bei nns in Hessen zurück 
gelassen hatte und daß in mancher Hinsicht Land 
und Volk sich unter Jörome's Regiment Wähler fühlen 
konnten als unter Kurfürst Wilhelm l. 
Zu den zahlreichen Neuerungen, die Jörome als 
bald nach seiner Thronbesteigung vornahm, gehört 
auch eine Aenderung der rechtlichen und politischen 
Stellung der Israeliten in seinem Lande. Horwitz 
schildert uns diesen höchst interessanten Vorgang in 
dem vorliegenden Werkchen auf Grund der Akten, 
die das Kgl. Geh. Staatsarchiv in Berlin enthält. 
Die Haupttriebfeder für alle Vergünstigungen, die 
die Israeliten von dem jungen, liberaldenkenden 
König erhielten, war der Geh. Finanzrath Dr. 
Jacobson. Zunächst empfingen alle Juden des 
Königreichs das Bürgerrecht und damit die politische 
Gleichstellung mit den Christen. Sodann wurde 
eine Organisation der jüdischen Gemeinden iills 
Werk gesetzt. Ein königliches Dekret vom 31. März 
1808 ordnete die Errichtung eines Konsistoriums 
und die Bestellung von Syndiken zur Aufsicht über 
den jüdischen Gottesdienst an. Das Konsistorium 
sollte „den kirchlichen und weltlichen Zustand der 
westfälischen Israeliten verbessern". Es wurden 
genaue Bestimmungen über die Pflichten der Rabbiner 
und der israelitischen Syndiken getroffen. Weiter 
erfahren wir, daß die Behörden angewiesen wurden, 
bei bürgerlichen Prozessen auf die jüdischen Festtage 
Rücksicht zu nehmen, daß mau sich über eine „zeit- 
und gesetzgemäße" Eidesformel einigte. Dazu 
kamen Verordnungen über Trauungen, über die 
Konfirmation jüdischer Knaben und Mädchen und 
über eine neue Synagogenordnung, die aus 44 
Paragraphen bestand. Da der Zustand der israe 
litischen Schulen damals nicht der beste war, so 
wurde die Errichtung neuer Gemeindeschulen und 
die Gründung eines Lehrerseminars angeordnet. 
Endlich beabsichtigte man auch, ein jüdisches Waisen 
haus zu gründen, allein aus Mangel an Geld kam 
es nicht zu Stande. Wie es überhaupt mit den 
Finanzen der Juden des Landes stand, ersieht man 
deutlich aus dem Etat für 1812, der aus S. 89 
bis 91 abgedruckt ist. Den Schluß des Büchleins 
bildet ein Spezialverzeichniß über die Anzahl der 
im Jahre 1812 im Königreich Westfalen wohnen 
den jüdischen Familien. 
Soviel über den Inhalt. Das Ganze ist mit 
großer Wärme geschrieben, nnd man merkt es dem 
Verfasser an, daß er Freude an seiner Arbeit gehabt 
hat. Indessen hätte es sich doch wohl empfohlen, 
im Interesse der Uebersichtlichkeit den Stoff besser 
zu zergliedern und vor allem durch Ueberschristen 
die einzelnen Abschnitte der Abhandlung zu be 
zeichnen; auch dürste dann das sonst übliche Jnhalts- 
verzeichniß nicht fehlen. Vielleicht untersucht der 
Verfasser einmal, gewissermaßen in Ergänzung der 
vorliegenden Schrift, die näheren Umstünde und 
Vorverhandlungen, die in Kurhessen dann zum 
Gesetz vom 29. Oktober 1833 führten, wodurch 
dauernd die rechtliche und politische Gleichstellung 
der Juden mit den Christen ausgesprochen wurde. 
Gewiß würde eine aktenmäßige Darstellung auch 
dieses Vorgangs manches Neue zu Tage fördern. 
G. N. 
H'ertsoncrllien. 
Verliehen: dem Oberregierungsrath Schönian zu 
Kassel beim Ilebcrtritt in den Rnvestaud d r Rothe Adler- 
vrden 2 Klasse mit Eichenlaub; d>m Bür-an-Vorsteher 
für das Rechnungswesen bei der Provinzialsteuerdirektivn 
Woringer zu Kassel der Charakter als Rechnungsrath; 
dem Magistratsmitglied Mühlenbesitzer Vogt in Kassel 
der Charakter als Kvmmerzienrath; den Kreisbaninspektoren 
Aren berg in Kassel und Beeter in Hanau der Cha 
rakter als Ban.rath. 
Ernannt: der Negierungsassessor Freiherr von 
Dörnberg zuni Landrath in Gersfeld; Gerichtsassessor 
Stamm zum Amtsrichter in Borken; Seminardircktor 
Dr. Hinze zn Dramburg zum Regierungs- und Schul 
rath zu Kassel. 
Verseht : Oberregierungsrath B e h r e n d t zu Marien 
werder nach Kassel; Landrath von Steinmann zu 
Hünfeld nach Glatz; Pfarrer Kahl zu Sterbfritz als 
zweiter Pfarrer mach Schlüchtern; Postsekretär Röse zu 
Fnlöa nach Hanau. 
Ueberwiesen: die Regierungsassessoren Hassel zn 
Danzig und Droege zu Verden der Regierung zu Kassel, 
In den Ruhestand getreten: Oberregierungsrath 
Ichönian zu Kassel; Rektor Struck zu Rinteln. 
gür die Redaktion verantwortlich: 
In die Liste der Rechtsanwälte eingetragen: die 
Gerichtsussessoren Schott zu Kassel und Schneider zu 
Marburg 
Verlobt: Oberleutnant Robert Sydow zu Jüter- 
bogk mit Fräulein Klara M a y n tz h a u s e n (Marburg, 
Januar). 
Vermählt: Hotelbesitzer Kaspar August Sch äff er 
mit Fräulein Hedwig Fuhse (Kassel. 5. Januar) 
Kaufmann Ernst Adolf Ruperti in Moskau mit 
Fräulein Thekla Wedemeyer (Kassel, 7. Januar). 
Geboren: eine Tochter: Gymnasiallehrer Otto 
Ferdinand Michels und Frau (Kassel, 3. Januar). 
Gestorben: Schulvorsteherin KlaraKant,44Jahre 
alt (Kassel, 30. Dezember); Frau Therese Zütch, 
geb. Fritzen, Wittwe des Hanptkassirers (Hanau, 
30. Dezember); Kantor a. D. Wilhelm Emil Sührer, 
75 Jahre alt (Wahlershausen, 1.Januar); Frau Dorothea 
Hahn, geb. Müller, 70 Jahre alt (Marbach, 1. Ja 
nuar); Handschuhfabrikant Jonas Kugelmann, 
88 Jahre alt (Kassel, 2. Januar); Registrator a. D. 
Andreas Mühling, 78 Jahre alt (Kassel, 2.Januar); 
Oberstleutnant a. D. Julius von Bardeleben, 
86 Jahre alt (Kassel/Januar); Fabrikant Georg 
Engelhardt, 70 Jahre alt (Kassel, 8. Januar). 
Dr. W. Grolesend in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel, Kassel.
	        

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