Full text: Hessenland (15.1901)

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Einigkeit gemeiner Stadt Marburg zu Ehren, 
Nutz und Gut, wie es angefangen ist, ausgebaut 
und von den gewesenen und künftigeil Baumeistern 
desselben Baues wegen jederzeit Rechnung gelegt 
werden. Daniel selber war im Jahre 1515 zu 
sammen mit Friedrich Wecken Baumeister im 
Rath und hatte damit auch die Aufsicht über 
den Nathhausbau. 
Ane St. Jakobstage (25. Juli) des Jahres 1517 
wurde Daniel zum ersten Bürgermeister gewählt 
und im Jahre 1518 abermals. Dieses letztere 
Bürgermeisterjahr Danielas war ein für Hessen 
sehr ereignißreiches. Am 16. März erklärte Kaiser 
Maximilian den erst 14 Jahre alten Landgrafen 
Philipp für volljährig. Dies führte zu neuen 
Unruhen von Seiten der hessischen Ritterschaft, 
die darauf ausgingen, die Regierung des Land 
grafen und seiner Mutter durch Räthe aus ihrer 
Mitte und durch einen Landtag einzuschränken. 
Ferner benutzte Franz von Sickingen diese Wirren 
zu einem Einfall in Hessen, dem Sickingen'schen 
Ufrur. Um die Festung Rüsselsheim am Main, 
wo der getreue Konrad von Wallenstein be 
fehligte, gegen Sickingen schützen zu Helsen, rückte 
auch ein Marburger Fähnlein am 15. Sep 
tember dahin aus, kam am 20. September dort 
an, kehrte aber schon am 1. Oktober, ohne daß 
es für sie zum Kampfe gekommen wäre, zurück. 
Die Kapitulation der Ritterschaft zu Darmstadt 
hatte den Krieg beendet. Bor der Ankunft der 
Marburger zu Rüsselsheim waren die dort zu 
sammengezogenen Städter unruhig geworden und 
hatten abziehen wollen?) Während dieses Zuges 
wurden in Marburg drei Bittprozessionen gehalten, 
nach welchen die daran betheiligt gewesenen Be 
diensteten der Stadt in des Bürgermeisters Daniel 
Hause bewirthet wurden. 
Die Ritterschaft hatte übrigens schon von 
Darmstadt aus die Städter in Rüsselsheim für 
die Berufung eines Landtags zu bereden gewußt, 
wovon diese aber später infolge des ausdrücklichen 
Verbotes des Landgrafen wieder abstanden. Ohne 
Zustimmung von Bürgermeister und Rath der 
Stadt Marburg, also auch von Daniel, ist dieses 
Einverständniß mit der Ritterschaft damals gewiß 
nicht zu Stande gekommen. Die Landgräfin war 
mit ihrem Sohne und ihrer Regierung von dem 
unsicheren Gießen nach Spangenberg gezogen. 
Hier und in Homberg, wo sich die oppositionelle 
Ritterschaft versammelt hatte, kam es vom 18. bis 20. 
Oktober unter Vermittlung sächsischer Räthe zu 
Verhandlungen zwischen beiden.**) Die Ritter 
*) ©Inga li, Landtagsnkten S. 537. 1. 
**) Ebenda S. 527 ff. 
schüft verlangte in Anbetracht der zu großen 
Jugend Philipp's Antheil an der Regierung durch 
drei aus ihrer Liste Erwählte und eine Zusammen 
berufung des Landtags oder eines in derselben 
Weise zu erwählenden Ausschusses von 10 Rittern, 
die mit 4 städtischen Deputirten, je 2 ans Kassel 
und Marburg, und den Räthen des Landgrafen 
zusammen berathen sollten. Aus Marburg hatten 
die Ritter Daniel zum Schwan mnd Heinrich 
Werner*) vorgeschlagen. Der Landgraf aber 
lehnte die Annahme dieser Vorschläge, die ihm 
seine Unterthanen machten, ab, ebenso einen ferneren 
Vorschlag der sächsischen Vermittler, worin anstatt 
der beiden Marburger Daniel zum Schwan und 
Heinrich Werner zwei andere Scheffen, ebenfalls 
wie jene sehr angesehene und wohlhabende Bürger, 
Johann Lasphe und Sisfurt Swobe, gesetzt waren. 
Alle vier waren auch ein oder mehrere Male 
Bürgermeister. Heinrich Werner hatte eine 
Schwester von Johann Heidolff, Daniel's Schwieger 
söhne, zur Frau. Swobe und Lasphe gehörten zu 
denen, die wegen der Schrift der Ritterschaft nach 
Spangenberg geschickt wurden, was dafür spricht, 
daß sie der Partei der Ritterschaft ferner standen 
als etwa Daniel zum Schwan, obwohl auch dieser 
gewiß nicht ans der ersten Liste gestanden hätte, 
wenn man ihm nicht zugetraut hätte, daß er in 
dieser schwierigen Lage das rechte Maß einhalten 
würde. Wenn er auch der aristokratischen Bürger 
partei angehörte, so war er doch kein unbedingter 
Anhänger des Adelsregiments wie Johann von 
St. Nabor, genannt Dorrenberg, der infolgedessen 
mit Einziehung seiner Güter bestraft, selber 
20 Wochen lang gefangen gehalten und dann 
des Landes verwiesen wurde. Als Ludwig v.Boine- 
burg begnadigt wurde, bat auch er darum. 
, Man bekommt den Eindruck, daß seit dieser 
Zeit Daniel's zum Schwan öffentlicher Einfluß 
zum Stillstand gekommen sei. Es ist keine Nach 
richt mehr vorhanden, daß er besonders hervor 
getreten wäre. Er versieht nur auch fernerhin 
sein Scheffenamt bei Rath und Gericht. Im 
Jahre 1525 finden wir seinen Namen zum letzten 
Male in den Steuerlisten. Da er aber, wie sich 
aus den Stadtgerichtsprotokollen ergiebt, erst 1527 
stirbt, so ist anzunehmen, daß er sich mit dem 
Jahre 1526 gänzlich aus sein Altentheil zurück 
gezogen habe. An seiner Stelle tritt 1527 seine 
Frau in den Listen auf. ebenso 1528 und 1529, 
aber nicht mehr 1530, in welchem Jahre sie 
gestorben sein wird. Auch sie hieß wie Daniel's 
Mutter Else oder Elisabeth. Nach Aeußerungen 
ihrer Söhne Johann unb Hermann und ihrer 
*) nicht Weuner.
	        

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