Full text: Hessenland (15.1901)

Wie Marburger Familie zum Schm an 
«nt die Zeit der Reformation. 
Von Dr. Eduard Wintzer. 
(Fortsetzung.) 
ie früher sein Vater und seine Mutter wird 
auch Daniel zum Swauen. und zwar von 
1469 — 1525, in den Geschoßlisten des dritten 
Stadtquartiers aufgeführt. Er zahlt 1490 3 1 /*, 
1491 5, 1492 6, 1493—1494 7, 1495 8, 
1496—1498 7, 1499 16, 1510 67a, 1525 
5 Pfd. Auch er gehört, wie aus diesen Beträgen 
zu ersehen ist, zu den wohlhabendsten Bürgern. 
Auch gelangte er schnell zu den höchsten 
städtischen Ehrenämtern und führte wichtige Auf 
träge seitens der Stadt aus, offenbar, weil man 
in seine Einsicht und Geschicklichkeit großes Ver 
trauen setzte. Im Jahre 1496, Sonnabend nach 
dem achtzehnten (16. Januar), wurden Ludwig 
Orth, ein Scheffe (1491 Oberbürgermeister). 
Daniel zum Swanen und Dorrenberg (alias 
Johann von St. Nabor, der 1499 Scheffe wurde) 
abgeordnet, den gnädigen Herrn und den Hof 
meister zu Gießen der Münze wegen „zu ersuchen." 
Im Jahre 1497 wurden fünf neue Scheffen 
ernannt, darunter auch Daniel „zuin Swann." 
Zu seinem üblichen Scheffen-Immeß (Imbiß) 
wurden ihm 2 ha Ohm Wein für 10 Gulden 
oder 20 Pfd. geschenkt. In demselben Jahre 
schenkte die Stadt Daniel's Tochter, wahrscheinlich 
Elsa, Nechtenbecher's Frau, aus ihre Hochzeit 
6 Viertel Wein, wie es ihr als Scheffentochter 
zukam. Nachdem sich am Sonntag nach ?rao- 
scntatio Narias (26. November) etliche aus dem 
Rath einer städtischen Angelegenheit wegen in des 
Bürgermeisters Hause versammelt hatteu, ging 
man in „die Swanne" und erledigte hier das 
Uebrige. Leider fehlen die Stadtrechnungen von 
1500—1509, die noch mancherlei von Daniel 
berichten könnten. Der Jahrgang von 1510 ist 
erhalten, die von 1511 — 14 fehlen ebenfalls; 
erst von 1517 an sind sie vollständiger. In 
diese Zeit fällt die vormundschaftliche Negierung 
für Landgraf Philipp von 1509 — 1519. Die 
Stadt Marburg, an der Spitze der oberhessischen 
Städte. wurde in die dadurch hervorgerufenen 
landständischen Wirren in nicht geringem Maße 
hineingezogen und dabei durch innere Partei- 
streitigkeiten im Gefolge jener Wirren lange 
Zeit in Unruhe versetzt. Auch Daniel konnte in 
seiner Stellung als Scheffe und Rathsnlitglied 
dem Streite nicht fern bleiben. Er gehörte der 
aristokratischen Rathspartei an, die eine Zeit 
lang an das Adelsregiment unter Ludwig von 
Boyneburg sich anschloß, wohingegen die unter 
Johann Schmalkalder stehende Volkspartei für 
die Landgräfin - Mutter Anna eintrat. Im 
Jahre 1510, am 15. August, war er zu einem 
zweiten Tag in der Kauzlei in der Streitsache 
zwischen dem Rathe gegen Smalkalder mit ver 
ordnet.*) Auch war er ohne Zweifel betheiligt, 
als aus Sonntag nach Imcac (20. Oktober) der 
Rath sammt etlichen der Vier auf's Schloß zu den 
Regenten verordnet wurde, um hier wegen des 
Beginns des Rathhausbaues zu ersuchen. 
Sonnabend nach Allerheiligen (2. November) ver 
zehrten Bürgermeister und Baumeister, nachdem sie 
50 Personen auf Befehl der Regenten verordnet 
hatten, die, mit ihren Gewehren bewaffnet, den 
jungen Landgrafen bis Stausebach geleiten sollten, 
in Daniel's Hause „zum Swan" drei halbe Viertel 
Wein. Als die Briefe an alle Städte im Oberfürsten 
thum zu Hessen geschrieben wurden, kehrte man 
wiederum in Daniel's zum Swan Hause ein. 
Donnerstag nach Pfingsten (12. Juni) im Jahre 
1511 wurden etliche Canonici aus Fritzlar auf 
Befehl des Rathes in Daniel's Hause „zum 
Swan" mit 3 Viertel Wein bewirthet, nämlich 
Henn Lobenstein und Henn Schrympisen. Als 
am 15. Oktober 1514 durch Anna's Vermittlung 
ein Vergleich zwischen Bürgermeister und Rath 
und den Zünften und Gemeinen abgeschlossen 
wurde, kam im 12. Artikel auch ein Streit 
zwischen den beiden Scheffen und Nachbarn Daniel 
und Gehl Gehl zur Erledigung. Dieser sollte 
zu Daniel gesagt haben: „Du hast die von 
Marburg durch deinen Stolz imb Hochmuth um 
100 Gulden bracht" und Daniel zur Erwiderung: 
„Und Du um 1000.". Worauf sich diese Be 
schuldigungen beziehen, ist nicht zu ermitteln. 
In dieser selben Vergleichsurkunde findet sich im 
17. Artikel auch eine Bestätigung meiner obigen 
Annahme, daß eine Aenderung im ursprünglichen 
Plan des Nathhauses erfolgt sei. Es heißt dort: 
„Was das betrifft, daß das neue Rathhaus über 
das hinaus auszuführen begonnen sei, wie es 
anfänglich abgesteckt und durch Zünfte und Ge 
meinden bewilligt sei, so solle dieser Artikel gänz 
lich abgethan sein und das Nathhaus nunmehr 
mit dem zeitigen Rathe in gutem Frieden und 
*) Näheres darüber theilte ich in meinem Vvrtrag im 
Hessischen Geschichtsverein über das Marbnrger Stadt 
regiment im Mittelalter mit.
	        

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