Full text: Hessenland (15.1901)

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Professor in der medizinischen Fakultät Dr. Bonhoff 
ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. — 
Das französische Lektorat wird voraussichtlich dem 
Königsberger französischen Lektor, Herrn E. Schorfs 
ans Belgien, übertragen werden. 
In der Aula der Universität Marburg fand 
am 13. Oktober die feierliche Einführung des 
neuen Rektors Professor Di-. Iülicher statt. 
Ernennnng. Zum Nachfolger Dr. Uhlworm's 
als Leiter der Murhard'schen Stadtbibliothek in 
Kassel ist der bekannte Kulturhistoriker Dr. Georg 
Steinhansen, bisher Bibliothekar an der Univer 
sitätsbibliothek zu Jena, ernannt worden, Dr. Stein 
haufen, geboren 1866 in Brandenburg, ist Heraus 
geber der „Zeitschrift für Kulturgeschichte", der 
„Denkmäler deutscher Kulturgeschichte" sowie der 
„Monographien zur deutschen Kulturgeschichte". 
Bon seinen zahlreichen kulturhistorischen Werken 
ist das bekannteste und bedeutendste seine „Ge 
schichte des deutschen Briefes", die 1889 bezw. 
1891 in zwei Bänden erschienen und grundlegend 
für alle ähnliche Forschungen geworden ist. 
Todesfälle. In Sooden a. d. W. starb am 
27. September der dortige Bürgermeister Lange. 
61 Jahre alt, in Folge eines Schlagansalls. Nachdem 
er am 1. August d. I. sein 2 5 jähriges Amtsjubiläum 
noch in voller Rüstigkeit begangen hatte, kam sein 
Dahinscheiden völlig unerwartet. Bürgermeister 
Lange hat sich um Sooden große Verdienste er 
worben, besonders durch die thatkräftige Förderung 
des Soolbades. Ter Verewigte war auch Mitglied 
der hessischen Synode und des Kommunallandtags. 
Am 2. Oktober ist in Hersseld der Super 
intendent Dr. Sö istt nach kurzem Kranksein im 
72. Lebensjahre dahingeschieden. Derselbe war in 
Wetter (Oberhessen) geboren. Er studirte in 
Marburg Theologie und war alsdann Rektor in 
Neukirchen. 1860 wurde er Gymnasiallehrer in 
Hersseld, wo er 1870 die zweite Psarrstelle er 
hielt. Nachdem die Presbyterial- und Synodal- 
Ordnnng eingeführt worden war, wurde er zum 
Superintendenten der Diözese Hersseld-Rotenbnrg 
ernannt. Dr. Vial erfreute sich großer Beliebt 
heit, hervorgerufen durch sein menschenfreundliches 
Wesen, welches er auch als Kreisschulinspektor 
nicht verleugnete. 
Am 5. Oktober starb in Brüssel der Konsul a. D. 
Wilhelm Schmidt, ein geborener Kasselaner, 
der durch die bedeutenden Zuwendungen, die er 
seiner Vaterstadt nach den mannigfachsten Richtungen 
hin machte, sich große Verdienste um dieselbe er 
worben hat. Am bcmerkenswerthestm von seinen 
Schenkungen dürften die Leiden Brunnen am 
Friedrich-Wilhelmsplatz und am Ständeplatz sein, 
von welchen der erstere, der sog. Löwenbrunnen, 
eine hauptsächliche Zierde der Stadt Kassel genannt 
werden kann. 
Am 6. Oktober starb zu Kassel der Landesrath 
Georg Zuschlag, 49 Jahre alt, an einem 
Magenleiden. Derselbe war in Kassel geboren, 
besuchte das dortige Lyceum Fridericianum und 
widmete sich sodann dem Studium der Rechts 
wissenschaft. Nachdem er in Weyhers und in Orb 
als Amtsrichter gestanden hatte, trat er zur hessischen 
Landesverwaltung über und zwar zuerst in die 
Direktion der Landeskreditkasse. Später zum 
Landesrath ernannt, war er Vorstand der Ab 
theilung II der Centralverwaltung und versah dies 
Amt ungefähr zehn Jahre lang. Seine vornehme 
Denkungsart, die er besonders bei der Verwaltung 
der ständischen Landesbibliotheken, Knnstiustitute 
und Erziehungsanstalten bewähren konnte, sichert 
ihm ein bleibendes Andenken. 
Alterthumssund. In der Gemarkung Ober 
grenzebach wurde Ende September d. I. beim 
Pflügen eine Steinaxt gefunden. Das Stück 
— jetzt in meinen: Besitz — hat insofern besonderen 
Werth für die Geschichte der Schwalmgegend, als 
meines Wissens ein ähnlicher Fund von dort noch 
nicht bekannt wurde. Die bis jetzt geöffneten Hünen 
gräber (z. B. im nahe gelegenen Buchholz) ergaben 
durchweg Broncegegenstände?) Der Fund dürfte 
vielleicht in Zusammenhang mit der „Wichtelhöhle" 
Hierselbst zu bringen sein, von der anzunehmen ist (schon 
die Sage von den Wichteln, die in ihr gewohnt haben 
sollen, deutet darauf hin), daß sie in vorgeschicht 
licher Zeit bewohnt worden ist. — Das Exemplar 
besteht aus einem leicht-bogenförmigen, geschlissenen 
Stücke Nephrit von 13 am Länge, mit doppelter 
Schneide und Schaftloch; 7 cm rechnen davon aus 
die eine und 3^/2 cm auf die andere Seite, von 
der Peripherie des Schaftloches aus gemessen. Die 
längere Schneide, 3 x /2 cm breit, ist geschärft, die 
kürzere. 3 cm breit, schmal - hammerförmig, ab 
gestumpft. Quer der Axt, über das Schastloch 
gemessen, beträgt die Ausdehnung 5 cm; letzteres 
selbst hat einen Durchmesser von 2,5 cm. Die 
ganze Arbeit zeugt von vorgeschrittenem Können 
und entwickeltem Formensinn. Geradezu Bewunde 
rung muß die exakte Bohrarbeit am Schaftloche 
erregen. Die Waffe bürste der jüngsten Steinzeit 
angehören. I. K. Schivakm. 
*) Vergl. Dr. W. C h r. Lange: Land und Leute van 
der Schwalm S. 48, und Dr. Pinder: Orts-Verzeichniß 
der Hess. Fundstätten heidnischer Alterthümer. Mnseniiis- 
akten Nubr. V. Akt. 7.
	        

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