Full text: Hessenland (15.1901)

269 
Airs KeimcrLtz 
universitätsnachri ch t e n. Der bisherige 
außerordentliche Professor Sartorius in Marburg 
ist zum ordentlichen Professor in der juristischen 
Fakultät der Universität Greifswald ernannt worden. 
200-jährige Jubelfeier. Am 22. September 
beging die französische Kolonie Frankenhain bei 
Treysa, begünstigt vom herrlichsten Wetter, in 
einfacher, aber würdiger Weise die Feier ihres 
200-jährigen Bestehens. Die Bormittagsseier be 
stand in einem Festgottesdienste, in welchem Herr 
Pfarrer Seybert ans Rommershausen in fesselnder 
Rede ans die Bedeutung des Tages hinwies. Die 
Nachmittagsseier, zu welcher zahlreiche Festgäste aus 
den umliegenden Ortschaften herbeigeströmt waren, 
fand aus dem schön gelegenen Gemeindeplatz statt. 
Gegen 2 Uhr bewegte sich der Festzug durch das 
reich mit Guirlanden und Fahnen geschmückte Dorf 
nach dem Festplatze. Nach einem vom Kirchenchor 
vorgetragenen Liede und dem Gesang der Gemeinde 
hielt Herr Metropolitan Brand-Treysa mit ge 
wohnter Beredsamkeit die Festrede, an die sich 
abermals mehrere Gesänge und ein von einem 
Schüler vorgetragenes Festgedicht anschlossen. Hier 
aus hielt Herr Lehrer Schmitt aus Allendvrf 
an der Landsburg, ein Frankenhainer Kind, einen 
werthvollen Bortrag über die Geschichte seines 
Heimathdorfes, mit dessen Wiedergabe wir an der 
Spitze unserer heutigen Nummer beginnen. Später 
traten Tanz und Volksbelustigungen in ihre Rechte, 
und bald entwickelte sich bei dem herrlichen Wetter 
ein regelrechtes Volksfest, das durch die zahlreich 
un6 gfremde. 
vertretenen Schwülmertrachten ein farbenreiches Bild 
erhielt. Bei eintretender Dunkelheit zog man im 
Lampionszug nach dem Dorf zurück, wo die offizielle 
Feier mit einem von Herrn Pfarrer Seybert 
ausgebrachten Hoch ans den Deutschen Kaiser ihr 
Ende fand. W. S. 
Schriftstellervereinigung. In Kassel wurde 
aus Veranlassung des Herrn Louis Wolfs ein 
Verein Kasseler Schriftsteller unter dem Namen 
„Freie Feder, Kasseler Schriftsteller-Vereinigung'' 
gegründet. 
Kunstausstellung. Im Meßhause zu Kassel 
ist am 22. September die 49. große Ausstellung 
des Kunstvereins eröffnet worden. Dieselbe enthält 
735 Gemälde. 
In Fritzlar soll die Restauration der St. Petri- 
Kirche vorgenommen werden, und zwar nach den 
von Herrn Professor Schneider-Kassel entworfenen 
Plänen. Eine an Ort und Stelle am 11. Sep 
tember abgehaltene Konferenz der maßgebenden 
Herren hatte in fast allen Fragen ein befriedigendes 
Ergebniß. 
V e r m ü h l u n g. Im Schlosse zu Oberurff fand 
am 28. September die Vermählung des Grasen 
von Schaumburg, einzigen Sohnes Sr. Durch 
laucht des Prinzen Philipp von Hanau, mit Fräulein 
v. Trott, Tochter des Herrn Oberstleutnant 
v. Trott, statt. 
Kesfrsche Nücherrschcrir. 
Ein Beitrag zum hessischen Idiotikon. 
Bon Di-. D. Saul. Marburg, N. G. Elwert'sche 
Verlagsbuchhandlung, 1901. 16 S. 
Vorliegende Sammlung unseres geschätzten Lands 
manns — früheren Redakteurs des „Hessenland" — 
ist ein Auszug aus einem etwa 1000 Wörter 
zählenden Verzeichniß von Balhorner Idiotismen, 
das Verfasser vor Jahren angelegt und mit der 
Zeit vervollständigt hat. Während dieses einfach 
die ihm bekannten mundartlichen Ausdrücke wieder 
gibt ohne Rücksicht darauf, ob sie von Vilmar 
oder Pfister bereits ausgestellt sind, hat Saul 
hieraus bestimmte Wörter ausgewählt, und zwar 
1) solche, die bisher überhaupt nicht mitgetheilt 
waren, 2) die nicht für seine engere Heimath aus 
gestellt waren, 3) für die er neue Bezüge in seinem 
Heimathsort fand, und endlich 4) solche, an die 
sich sprichwörtliche Redensarten knüpfen ließen. 
Das Verzeichniß der bisher überhaupt nicht mit 
getheilten Wörter ist gering, zumal einige davon 
(wie albert, gris, närrscb, stoffelig, gewift) ruhig 
hätten fortbleiben können, da sie nicht spezifisch 
hessisch sind. Immerhin beweist die Sammlung, daß 
trotz der fleißigen Arbeiten von Vilmar, Pfister 
und Bech das Nachgraben sich noch immer lohnt, 
mehr vielleicht als aus den ersten Blick erhellt. So 
gebührt Saul das Verdienst, Wörter wie bolganke 
(— Wust von Haaren), das sich übrigens auch in der 
Schwalm noch als bolkeank (— Haarfrisur, bei 
der die Haare am Nacken gleichmäßig abgestutzt sind)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.