Full text: Hessenland (15.1901)

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von Goethe gerühmt, worin ich „Wilhelm" und 
die kleine Nachtigall „Marianne" spielte. 
Als dann endlich der Tag kam, wo ich nach 
München zurückkehren mußte, um meine Vor 
bereitungen sür die italienische Reise zu treffen, 
versprach ich meinen Escheberger Freundinnen, 
wozu nun auch die kleine Nachtigall gehörte, so 
oft als möglich zu schreiben, und sie versprachen, 
meine Briefe immer pünktlich zu beantworten. 
Zum Abschied schrieb ich auf ein Blatt: 
„Nie kann ich rückwärts schauen, als 
Um weiter meinen Schritt zn lenken, 
Und nirgends Hütten bauen, als 
In guter Menschen Angedenken. 
Doch dieses ist mein Trost geblieben 
Und Balsam für der Trennung Schmerzen: 
Aus manchem Ort ward ich vertrieben. 
Doch nie aus meiner Freunde Herzen." 
Kiertche of da Lich?) 
(Schwälmer Mundart.) 
„Ach Jang," sangt Kut seng Väter o 
On botzt die £)je 2 ) sich, 
„Deng Vetter Hannes leit om Stroh 3 ), 
Mänsrieh da eß die Lich. 
Du weeßt, bie hä's so gut als ment 
On knff d'r ZäckerstehZ, 
Drem fette män^), meng liewes Kend, 
Zur Lich öch mettem geh." 
D's Kiertche sreiwtO) sich innerlich 
On sangt ver Frere o: 
„Büß getts da all of so stier Lich? 
Seng da och Speelle'it "st do?" 
„Ne, Jäng!" säht do seng Väter schwing, 
„Do wätt nur als getruhrt^), 
Bei Wascht on Bier on Brantewing 
In schiene Rot'-st geführt." 
Öch domet war dä Jäng sefreed — 
Wäß Gatts däs usse gähn — 
On mußte öch zu sengem Led 
Die Speelle'it schond entbähn. 
Dä ahner Märje wär dä Kut 
Ganz frieh schond of dä Beh 
On pefs on säng irret hällem Muth, 
Äß sills zur Kermes geh. 
Airs elfter irr 
Kchmolmee Kokoisogen, 
dem Volksmund nacherzählt von Aal). Keinr. Schwalm 
(Obergrenzebach). 
3. Der taube (wilde) Jäger. 
Es war Winternacht; der Wald ächzte und stöhnte 
unter der Reiflast; pscisend und fauchend schnob 
der Wirrd rmd rüttelte rrnd schi'rttelte die vielhundert- 
jührigeu Eichen. Dazwischen klang es bald ferner, 
On peinigt nu bahl hei, bahl do 
Seng Mutter Schreit on Trett: 
„Ach Motter, butt mich schwing nanw o, 
Söst komm ich net mieh met!" 
Seng Motter gäng bei'n Klereschaank, 
D's Kiertche heppt nur so, 
On enger Peise on Gesaank 
Daht Kiertche sich nauw o. 
Däch met Gesaank on Peiferei 
Do währsch of emol all — 
„Die rohre Wäst eß net d'rbei!" 
Näss Kiertche Knall on Fall. 
„Ach Jengche!" säht seng Motter do, 
„Mach so ke Wärke net! 
D's rohre Wüstche dutt m'r o n ), 
Banns os die Kärmes gett." 
„Ke rohre Wäst?" gäbb Kiertche kond, 
„Ke Speelle'it met d'm Baß? 
Da macht m'r — jä, däs weeß ich schond — 
Die gaanze Lich kin Spaß!" 
st Leiche; st Augen; st liegt auf dem Todtenbett 
(vgl. ähnlich ndd. ant ckeni 8611005 liefen); st Zucker- 
steinchen; st morgen; st freute; st Schellente; st getrauert; 
st Rath, Unterhaltung; 'st Rothe Weste,, das beliebteste 
Kleidungsstück der Schwälmer Jungen; 'st zieht man an. 
Keinrich Kranz. 
ö neuer Keit. 
bald näher wie Histhornklang, wie das Bellen der 
Meute, wie Rufen rmd Hetzen der Jäger. In der 
Hergottsmühle*) saß der Müller vor seiner Haus 
bibel; die Mühle stand eingefroren. Und nun 
hörte er ein Hündlein jammern und winseln; so 
daß er dachte: Willst den armen Schelm herein 
lassen. Wie er vor die Hausthür tritt in den 
*) Mühle an der Steina nahe bei Seigertshausen.
	        

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