Full text: Hessenland (15.1901)

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Ständeversammlung (1833) den Vorschlag der 
Negierung ab, die unbemittelten Gemeinden bei 
Wasserbauten mit Geld zu unterstützen?) 
*) Sammlung von Gesehen re. VI. Bd.: Landtags- 
abschied vom 31. Okt. 1833, S. 195. 
Die Weserschifffahrtsakte vvn 1824 bewährte 
sich und erfuhr leine grundstürzenden Ver 
änderungen?) 
*) Sammlung von Gesehen rc. IX. Bd. 28. Febr. 1840, 
S. 7; 9. Aug. 1841, S. 46. 
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Cs herbstet fast ... 
Ss herbstet fast . . . wie leises Stöhnen 
llnlwebt es mich in Lerg nnd Flur: 
Das Sterbelicd von allen: Schönen 
weht wchmuthsvoll durch die Natur. 
Ss herbstet fast ... die Wälder rauschen 
Sin wnndersaines Scheidelicd, 
lind wo ich bin, da muß ich lauschen 
Der Klage, die sie sanft durchzieht. 
Ss herbstet fast . . . Ss thiirint im lferzen 
Sich mir wie Wetterwolken auf, 
Ls zuckt in mir wie Abschiedsfchmerzcn, 
Schau' ich zun: Llättergold hinauf. . . . 
Ober grenze dach. A0l). fKiHlMd) LchwMM. 
Esthelierger Erinnerungen. 
Von Friedrich von Bodenstedt. 
(Schluß.) 
ährend meiner Anwesenheit in Escheberg fand 
Urmüller wenig Zeit zu ernster Arbeit, da 
seine Kraftübungen ihn täglich ein paar Stunden 
in Anspruch nahmeli nnd er sich auch eifrig an 
den Vorbereitungen betheiligte, welche der Baron 
traf, um ein kleines Theater, auf welchem seit 
Geibel's Fortgang nicht mehr gespielt worden 
war, neu herzurichten. 
Das Herrenhaus mit seinem langgestreckten 
Nebengebäude beherrschte nach vorn einen sehr 
weit ausgedehnten Rasenplatz, getheilt durch eine 
herrliche Kastanienallee. Diese führte zu der 
mit moderner Eleganz gebauten, verdeckten Kegel 
bahn und einem kleinen, damit zufammenhüngenden 
Theater, an dessen Erweiterung und Ausstattung 
eifrig gearbeitet wurde, um noch vor meiner 
Abreise eine Aufführilng zu ermöglichen. Aus 
Kassel war zu dem Zweck ein alter, sehr ge 
schickter Dekorationsmaler italienischer Herkunft *) 
beschieden, um unter Urmüller's Beihülse neue 
Coulissen herzustellen und alte aufzufrischen. 
Zunächst wurden probeweise ein paar kleine, 
leicht in Szene zu setzende Stücke gegeben: 
Kotzebue's Rosen des Herrn von Malesherbe und 
Körner's Nachtwächter, deren Ausführung, zu all 
*) Mit den: Dekorationsmaler italienischer Herkiuift 
meint Bodenstedt wahrscheinlich den älteren Primavesi. 
gemeiner Befriedigung verlies, so daß bald zu 
größeren Aufgaben geschritten werden konnte, wie 
Goethe's Geschwister und Tasso. In französischer 
Sprache sollten dann 1^68 f6nmi68 savantes von 
Moliere folgen. 
An eifrigen und zum Theil auch talentvollen 
Mitspielern von benachbarten Gütern fehlte es 
so wenig wie all dankbaren Zuschauerll, die zum 
großen Theil aus Diplomaten bestanden. 
Die alte, biedere Residenzstadt Kassel wurde 
damals noch durch stehende Gesandtschaften aus 
vieler Herren Ländern belebt, unter welchen der 
Vertreter Oesterreichs, Graf Hartig, die vor- 
llehmste Rolle spielte. Dieser kam mit seiner 
jllngen, so allmuthigen wie lebenslustigen Ge 
mahlin regelmäßig zu den Bühnenspielen nach 
Escheberg und auch die anderen Diplomaten 
ließen sich gern dahin einladen. 
* -i- 
* 
Mein zweiter Besuch in Escheberg tonnte nur 
dienen, die gllten Eilldrücke des ersten zu mehren 
nnd zu vertiefen. Von der größten und nach 
haltigsten Bedeutung aber sollte für mich der 
Abstecher > merben, den ich von Frankfurt aus 
nach dem gastlichen Gute machte, das von den 
herrlichen Eschenwäldern, die es ulngeben, seinen 
Namen hat. Da ich zlir Vollendullg meines
	        

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