Full text: Hessenland (15.1901)

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den Kamm des bewaldeten Rückens zog man 
in schnurgerader Richtung die zukünftige Dorf 
straße, 250 Meter lang. Der Grund und 
Boden rechts und links des, Weges wurde in 
12 gleich große Portionen getheilt (je 3 Acker) 
zur Anlegung der Wohnungen und Gärten. Ebenso 
wurde auch der östliche und südliche Abhang des 
Rückens bis zum Wassergraben zu 12 Portionen 
zerschnitten (je 30 Acker). Diese Portionen wurden 
den Emigranten durch's Loos zugetheilt in der 
Weise, daß je zwei Familien eine bekamen. 
Die Abgabe betrug pro Acker und Jahr 2 Albus. 
Nach der Theilung ging's an die saure Arbeit. 
Die Flächen wurden abgeholzt. An der nördlichen 
Seite der angelegten Straße wurden in regel 
mäßigen Abständen die Wohnhäuser, mit der 
Front nach der Straße zu, aufgebaut. Die 
Wohnung war für zwei Familien eingerichtet. 
Vor und hinter den Häusern wurden schöne Obst 
gärten angelegt. Die öden Waldflächen wurden 
durch Fleiß und Ausdauer mit Hacke und Karst, 
mit Pflug und Egge in blühende Felder ver 
wandelt. Neben den gewöhnlichen Getreidearten 
baute man Hanf, führte französische Gemüse und 
französische Obstsorten ein. Dabei trieb ein 
jeder sein Geschäft, Strumpfweberei, Hutmacherei, 
Wollenkämmerei rc. 
Die weitere Geschichte der Kolonie ist in 
drei Perioden zu scheiden: 
a) die französische Periode, von 1701—1780; 
b) die Uebergangsperiode, von 1780—1860; 
c) die deutsche Periode, von 1860 bis heute. 
rr) Ire französische Periode, von 1701—1780. 
Von den drei Generationen, die dieser Periode 
angehören, seien hier die Väter der mittelsten 
Generation aufgeführt. 
1) PierreFerreau der Grebe (jetzt Heinrich Ferrean) 
2) Antoine Bouchat ( „ rel. Schwing) 
3) Jean Sigot 
4) Paul Andojer 
5) Jean Bourilion 
6) Jean Aillaud 
7) Bonmarete rel. 
8) Andreas Hospital 
( „ abgebrannt) 
( „ Schmidt) 
( „ Valentin B.) 
( „ Ries u. Gimbel) 
( „ Schminku.Gimbel) 
(monsieur Dörbecker) 
9) Pierre Perier 
10) Pierre Montet 
11) Wittib Fuccardin 
12) La Veuve Quettin 
13) Jaques Melque 
14) Estienne Sauvageoll 
15) Nicolas Goulieng 
(monsieur Mans) 
(Reber) 
(Berg und Saurapell) 
(V. Heinmöller) 
( desgl. ) 
(Schmink ii. Pfarrhaus) 
( desgl. ). 
Beisitzer: 
16) Jaques Main 
17) Gottfried Auge 
18) Jaques Sauvageoll 
19) Jean Pierre Baumarete. 
Diese 19 echten Franzosen sind in dem Steuer- 
und Grundbuch von 1742 als die Eigenthümer 
der Portionen namhaft aufgeführt. Sie haben 
wie ihre Väter vor und ihre Kinder nach 
ihnen französische Sprache, französisches Wesen im 
Gewerbs- und Verkehrsleben, französische Sitten 
und Moden treu bewahrt. Fleiß und Sparsam 
keit, Einigkeit und Frömmigkeit zierten das 
Völkchen. Bei feierlichen Gelegenheiten gingen die 
Großstädterinnen hochfein in weißen Kleidern 
mit rothen Schärpen einher und die monsieurs 
folgten geschniegelt und gebügelt nach. Um das 
Blut rein zu halten, schlossen sie nur Ehen 
unter einander, oder man holte sich die Braut 
von einer anderen Kolonie. Hierdurch entstand 
ein reger Verkehr mit den Nachbarkolonien: 
Schwabendors, Louisendorf u. s. w All ment, 
Bondon, Täillmon, Flachsar rc. stammten 
von dort her. Gegen das Deutschthnm war 
man wie durch eine chinesische Mauer geschützt. 
Intelligente Handwerker versahen den Schulmeister 
dienst. Der französische Prediger*) wohnte in 
Treysa und versorgte auch Frankenhain in der 
Hospitalkirche mit geistlicher Nahrung. Im Jahre 
1754 wurde die hiesige Kirche erbaut. Franken 
hain wurde zu einer eigenen sranzösichen Pfarrei 
erhoben. Das Goulieng'sche Haus (Nr. Schmink) 
wurde Pfarrhaus. Die Psarrbesoldung betrug 
außer 8 Acker Land 200 Thaler aus der Staats 
kasse. Der. französische Pfarrer Pouget zog von 
Treysa hierher. Ihm sind u a. im Amt gefolgt 
ein Lonietz, ein Suchier und ein Rognes. 
Mit Suchier ging die erste Periode zu Ende. 
sich ein Beleg dafür, während andererseits die Regel, daß 
neben einem Sachsen hausen (etwa 1 Stunde von dem 
heutigen Frankenhain) ein Frankenhain (wie Frankfurt 
neben Sachsenhauscn, Frankenberg neben Sachsenberg rc.) 
existirt haben mutz, dafür spricht. Wahrscheinlicher ist, 
daß Frankenhain ein Heerlager gewesen ist. Auch die 
Hypothese, daß Florshain CI» Stunde von Frankenhain) 
früher Frankenhain geheißen habe, ist nicht ohne weiteres 
von der Hand zu weisen. Anm. d. Red. 
*) Die Namen der französischen Prediger dieser Periode 
theilt Winkelmann a. a. O. S. 409 mit. Sie lauten: 
Coudere, Vernaiou, Pfarrer Speck (1716—1744), Johann 
Gabriel Speck (1744—1753), Pouget (1754-1765), Jean 
Louis Montoux (1765-1768), Theobald (1768—1774), 
Henri Beneze (1774—1777) und Franyois Suchier, der 
1785 (vgl. Casparson, a. a. O. S. 44) noch Prediger 
dortselbst ist. Anm. d. Red. 
(Schluß folgt.)
	        

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