Full text: Hessenland (15.1901)

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bezüglich Otto's an einer Urkunde vom 18. April 
1386 der Fall, die aus dem Lüder'schen Archiv 
zu Loßhausen stammt.^) Laut derselben reversireu 
sich Henne v. Fischborn, sowie die Gebrüder 
Otte, Wiczel und Symon v. Luter über 
das ihnen gemeinsam verpfändete fuldische Gericht 
Hosenfeld. Das Siegel zeigt deutlich die senk 
recht gestellte Hepe der v. Lüder; es hat die Um 
schrift : 8. Ottonis de Lutere. — 
Die „Thatsachen", die mir Herr Schäfer 
glaubte entgegenhalten zu können, haben sich also 
auf das unbestrittene Vorhandensein dreier un 
deutlicher Siegel der von Lüder reduzirt, die er 
falsch und ich richtig gedeutet hatte. — 
Daß das Wappenwesen des fuldischen Adels 
keine Ausnahmsstellung in der deutschen Heraldik 
einnimmt, wie es nach den von Herrn Schäfer 
entdeckten zahlreichen „merkwürdigen" Wappen 
I2 ) Staatsarchiv Marburg, Depositum des Frhru. 
L. Scheuck-Loßhauseu. 
wechseln Hütte scheinen können, ist ganz meine 
Meinung. Es war tticht stabiler, aber auch nicht 
beweglicher als in anderen Gegenden des Reiches 
mit ähnlicher Verfassung. — 
Einige kleine Richtigstellungen und Ergänzungen 
sind schließlich in eitle Anmerkung 2 13 ) verwiesen 
worden. 
13 ) Lauter bei Koburg liegt in Ostfrankeu, nicht 
in Thüringen. Ein Einwanderer von dorther konnte 
deshalb also im Fuldischen nicht als Thüring bezeichnet 
werden. — 1358 Boppe v. Lutere, nicht Sappe. — 
1386 kauften Eckard, Otte und Heinrich v. Luter, Gebrüder 
(nicht E. Diether u. H.) von Luhe Windolt Besitzungen 
zu Machdolffs und Reynharts. — 1389 stifteten die 
Gebrüder Otte, Wiczel und Simon v. L. den Marienaltar 
in der Pfarrkirche zu Großen-Lüder. — 1393. Else 
von Taffta, Tochter Eckard's Döring, war die Nichte 
der Gebrüder Tolde und Witzel Döring. Ihr zweiter 
Mann war Conrad Dytwin (nicht Dytheim), Bürger 
(nicht Burgmann) zu Geisa; was ihre Oheime vergeblich 
als Mißheirath ansahen, die den Verlust der fuldischen 
Lehngüter nach sich ziehe. Sie verkaufte ihr Viertel an 
der Kemnate rc. zu Großen-Lüder 1393 an Fulda. 
Won der nirderhesftschen Flußschifffahrt. 
Von Dr. L. 
och ist die Gluth des Kampfes nicht erloschen, 
nur eine leichte Aschenschicht verdeckt sie; ein 
leiser Windhauch kann sie neu entfachen, und durch 
die deutschen Lande braust der Ruf: Kanal! Und der 
Gegenrus: Kein Kanal! antwortet von allenSeiten. 
Von den Kanälen, um die es sich bei diesem 
Streite handelt, wird keiner das Hessenland be 
rühren. Auch sonst ist von der Binnenschifffahrt 
im alten fränkischen Hessengau heutzutage nur 
wenig, blutwenig zu sagen. Das war nicht 
immer so. Es gab eine Zeit, in der auf Fulda 
und Werra ein reges Leben herrschte, stromauf, 
stromab die Fahrzeuge glitten und die hessischen 
Landgrafen den Schiffsverkehr eifrig zu erhalten 
und zu fördern strebten. Darüber mögen einige 
nähere Angaben erlaubt sein. — 
Von jeher waren die Ströme von der höchsten 
Wichtigkeit für das wirthschaftliche Leben. Sie 
versahen den Haushalt der Anwohner mit köst 
lichen Fischen, sie bewässerten im Vorfrühlinge 
die benachbarten Wiesen, sie trieben das Räder 
werk zahlreicher Mühlen. Auch zum Flachsroßen 
(das heutzutage meist irrthümlicher Weise Flachs 
rösten genannt wird) und zu vielen andern Dingen 
boten die Flüsse bequeme Gelegenheit. Um solche 
Zwecke besser zu erreichen, wurden künstliche Vor 
richtungen getroffen, Wasserbauten, Dämme und 
Wehre errichtet. Allein großes Gewicht legte man 
Armbrust. 
(Nachdruck verboten.) 
allzeit darauf, daß die Schifffahrt hierunter 
keinen Schaden litt. Die hessischen Landgrafen 
hatten, wie andere deutsche Fürsten, bei der Sorge 
um die Binnenschifffahrt auch ihren eigenen Vor 
theil im Auge; denn die Zölle, die von den 
Güterkähnen an Verengungen des Strombettes, 
an Schleusen und anderen geeigneten Stellen 
erhoben wurden, bildeten einen Theil der herr 
schaftlichen Einnahme. Verhältnißmäßig recht 
früh, vor mehr als sieben Jahrhunderten, erhalten 
wir von den Flußzöllen Nachricht. Ludwig III., 
Landgraf von Thüringen und Herr von Hessen, 
verbot (vor 1198) seinen Verwaltern und Zöllnern, 
dem Kloster Spieskappel bei den Einkäufen in 
Kassel, Münden, Kreuzburg, Eisenach, Gotha und 
Breitungen Zoll abzuverlangen. Die Lage dieser 
Städte macht es wahrscheinlich, daß es sich dabei 
auch um Schifffahrt auf Fulda, Weser und Werra 
handelte. Mit deutlichen Worten sprechen das 
aber zwei wenig spätere Urkilnden aus. Landgraf 
Ludwig IV. befreite das Kloster Lippoldsberg 
von der Entrichtung der Flußzölle, und sein 
Nachfolger, Landgraf Heinrich, erneuerte 1229 
den betreffenden Freiheitsbrief.*) Zugleich er- 
*) Codex diplomaticus Saxoniae regiae. I. Haupt 
theil, II 23b. Nr. 403 uud 420. — Joh. Phik. Kuchen 
becker, Erbhvfämter der Laudgrafschaft Hessen. Marburg 
1744. Beilagen S. 3 Lit. A, S. 6 Lit. D.
	        

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